76. Jahrestagung der DGPT

Hauptreferenten

Prof. Dr. med. Dipl. Psych. Manfred E. Beutel

Psychoanalytiker (DPV, IPA), Lehranalytiker (DGPT)
Seniorforschungsprofessor und emeritierter Direktor der Klinik und Poliklinik für psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz.
Gründer und langjähriger Leiter des Weiterbildungsstudiengangs psychodynamische Psychotherapie (WePP) an der Universitätsmedizin Mainz.
Mitherausgeber der Reihe Praxis der Psychodynamischen Psychotherapie.
Mitglied des Research Committee IPA. Forschungsgebiete u.a. Wirksamkeit psychodynamischer Psychotherapie (face to face und online), Epidemiologie psychischer und psychosomatischer Erkrankungen, Angststörungen, Psychoonkologie, Verhaltenssüchte. Zahlreiche Drittmittelprojekte und Auszeichnungen (u.a. Fulbright Scholarship in NYC)

Einsamkeit – ein neues Thema für die Psychoanalyse?
Manfred Beutel und Mareike Ernst
Einsamkeit („loneliness“) ist zu einer „Zeitdiagnose“ für die schmerzliche Erfahrung mangelnder sozialer Kontakte, für das Erleben von Ausgeschlossensein und Isolation geworden. Gegenüber einem erfüllenden und kreativen Erleben von Einsamkeit („solitude“) spiegelt diese schmerzliche Erfahrung gesellschaftliche Trends der Vereinzelung und Mediatisierung, die sich unter der Pandemie verschärft haben. Eine exponentiell wachsende Zahl wissenschaftlicher internationaler Publikationen hat Einsamkeit operationalisiert und ihre Verbreitung in der Bevölkerung, zugrunde liegende neurobiologische Prozesse, Risikofaktoren und psychobiologische Folgen herausgearbeitet. Empfohlene Behandlungsmaßnahmen sind in der Regel verhaltenstherapeutisch ausgerichtet.

Die psychoanalytische Literatur hat das Konzept der Einsamkeit vernachlässigt. Dabei haben Bowlby, Winnicott, Stern u.a. wichtige entwicklungspsychologische Grundlagen formuliert, die die Genese von Einsamkeit über die Lebensspanne und auch vor dem Hintergrund ich-struktureller Störungen verstehbar machen. Der hohe Stellenwert von therapeutischer Beziehung und Übertragung in der psychoanalytischen Behandlung hat ein hohes Potenzial, die Bandbreite des Einsamkeiterlebens von Patient:innen zu verstehen und ihnen zu helfen, ihre schmerzliche Einsamkeit zu überwinden.

Vor dem Hintergrund der aktuellen empirischen Befunde aus neurobiologischen und eigenen klinisch-epidemiologischen Studien plädiert der Beitrag für die aktive Beteiligung von Psychoanalytiker:innen an dem aktuellen Diskurs und für die Weiterentwicklung psychoanalytischer Verständnisansätze und Perspektiven zu Phänomenologie, Genese und Behandlung von Einsamkeit.

Prof. Dr. phil. Dr. disc. pol. Michael B. Buchholz

Psychoanalytiker, Familientherapeut, Lehranalytiker, Psychologe und Sozialwissenschaftler, hatte über 10 Jahre monatlich für die DGPT einen „Psycho-News-Letter“ (PNL) verfasst.
Er war Professor für Sozialpsychologie an der IPU (Berlin) und Leiter des Promotionsprogramms; 10 Promotionen konnten erreicht werden. Derzeit leitet er das erste An-Institut der IPU, „JUNKTIM“ – das Heilen und Forschen, das Freud als unverzichtbar ansah, soll auf eine qualitative Weise neu untersucht werden.
Zahlreiche Veröffentlichungen machten ihn bekannt. U.a. das gemeinsam mit Aleksandar Dimitrijevic herausgegebene Buch „From the Abyss of Loneliness to the Bliss of Solitude” (2022) führte auf einen vorderen Platz im jährlichen Ranking der American Librarians; Gesellschaft der Bibliothekare aller universitären Bibliotheken.

Von Einsamkeit zu ‚doing-We‘ – Veränderung braucht Verbindung“
Einsamkeit ist ein ernstes und tiefes Thema der letzten Jahre geworden, selbst Politiker reagieren auf die Problemlage. In England gibt es seit 2018 ein entsprechendes Ministerium, die Bundesregierung hat das Problem 2023 mit Ausschreibung von Fördermitteln in den Aufmerksamkeitsfokus gerückt. Aber was ist Einsamkeit eigentlich? Wer leidet an ihr am meisten? Wovon grenzt Sie sich ab? Wie kann man sie verstehen und in der therapeutischen Beziehung bearbeiten? Dazu sollen einige Ausschnitte therapeutischer Sitzungen hörbar und an Transkripten mitlesbar vorgeführt werden.

Dr. phil. Angelika Ebrecht-Laermann

Psychoanalytikerin, Psychologische Psychotherapeutin, Lehranalytikerin und Supervisorin BPI/ DPV/IPA/DGPT.

Germanistin, promovierte Psychologin und habilitierte Politikwissenschaftlerin; langjährig tätig in Forschung und Lehre sowie als externe Psychotherapeutin im Berliner Strafvollzug und als Sachverständige Prognosegutachterin für Verkehrs- und Strafrecht.

Niedergelassen in eigener Praxis.

Einsamkeitsbeziehungen. Kulturgeschichte und Psychodynamik der Bindung an unerreichbare Liebesobjekte
Anhand kulturgeschichtlicher Traditionen und psychischer Dynamiken thematisiert der Vortrag Beziehungen, die Einsamkeit aus einer Bindung an unerreichbare Liebesobjekte zu erhalten suchen.

Dr. rer. nat. Dipl. Psych. Bernd Heimerl

Krankenpfleger, studierte Psychologie und Theaterwissenschaften, ist Gestalttherapeut, Psychoanalytiker sowie Gruppenanalytiker und als Lehranalytiker für Einzel (DGPT/DPG/IPA) und Gruppe (D3G) sowie Dozent und Supervisor in Berlin/Potsdam, Freiburg und Magdeburg tätig.

Er veröffentlichte zur Interdisziplinarität (Rezeption der Psychoanalyse in Literatur, Theater und Film) und zu Geschlechterkonstruktionen in der Psychoanalyse. Mitglied des Herausgeberbeirats des Jahrbuchs Internationale Psychoanalyse und Selbsterfahrungsleiter, Dozent und Supervisor bei SGAZ (Zürich) und in der Deutsch-Chinesischen Akademie für Psychotherapie (DCAP, Shanghai) im Ausbildungsprogramm der psychodynamischen Gruppenpsychotherapie.

Ethical Loneliness: Der Ort der Gruppenanalyse - ein intersektionaler Raum?
Der Ansatz der amerikanischen Politikwissenschaftlerin Jill Stauffer (2015), beschreibt die traumatisierende Erfahrung marginalisierter, mehrfach diskriminierter Menschen und Gruppen als Ethical Loneliness (2015): Ethische Einsamkeit. Die Autorin spannt ihr Konzept von politischer Verfolgung bis zum Klassismus, disability, race und gender und verbindet den Diskriminierungsbegriff mit ihrem Begriff der Einsamkeit. Sie sieht in der Aufmerksamkeit auf ethische Einsamkeit die Möglichkeit, nicht über rechtliche Verfahren und Schuld in der Migrationsbewegung zu verhandeln, sondern einen Raum zu ermöglichen, um über Verlassenheit und Verlust und der häufig zugrundeliegenden Mehrfachdiskriminierung in der Migration zu sprechen und wie sie gemildert werden können. Sie stützt sich dabei auf die Arbeiten des Philosophen Emmanuel Levinas und der Queer-Theoretikerin Eve Sedgwick und plädiert mit der gruppenanalytischen Methode einen Ort zu schaffen, an dem diese doppelte Einsamkeit – sich verlassen zu fühlen und kein Gehör dafür zu finden- Anerkennung findet. Eine Fallvignette einer gruppenanalytischen Sequenz soll den intersektionalen Ansatz der Autorin verdeutlichen.

Prof. Dr. med. Joachim Küchenhoff

praktiziert als Psychoanalytiker (DPV, SGPsa, IPA), Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Binningen bei Basel. Er ist Professor em. der Universität Basel, Vorsitzender des Aufsichtsrates und Gastprofessor der Internationalen Psychoanalytischen Universität Berlin, wissenschaftlicher Beirat u.a. des Sigmund Freud – Instituts Frankfurt und der Lindauer Psychotherapiewochen. Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher Publikationen (www.praxis-kuechenhoff.ch). Neueste Buchpublikationen: 2024: Frühe Trennungen, frühe Verluste. 2023: Mutual Impact. At the Crossroads of Psychoanalysis and Literature. 2023: Psychotisches Erleben: Psychodynamik, Beziehungsdynamik, Behandlung. 2022: Vom Dringlichen und vom Grundsätzlichen. Psychoanalytische Gedanken zu existenziellen, gesellschaftspolitischen und erkenntnistheoretischen Fragen.

Die Fähigkeit, allein sein zu können. Über bodenlose und produktive Einsamkeit.
Sich einsam zu fühlen, verursacht Leid und Verzweiflung. Einsamkeit kann bodenlos und zur Katastrophe werden, wie wir aus psychiatrisch–psychoanalytischen Therapien wissen. Nicht nur soziale Isolation verursacht sie, auch in Beziehungen und im Gespräch kann sie empfunden und dann besonders belastend werden. Aber Einsamkeit kann auch produktiv gewendet werden und sich mit Heiterkeit verbinden. Mein Beitrag untersucht aus psychoanalytischer Sicht die Voraussetzungen, unter denen Einsamkeit sich hilfreich oder zerstörerisch auswirkt. Zu ihnen gehört der Aufbau oder der Verlust der Fähigkeit, allein sein zu können. Ist Einsamkeit selbstgewählt, kann die in ihr enthaltene Negativität rettend sein, aber auch destruktiv werden. Die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen und Folgen von Einsamkeit werden benannt. Verlusterfahrungen steigern sich in der Moderne, dadurch auch die Erfahrung der Einsamkeit. Sie können populistisch und reaktionär missbraucht werden. Die kulturellen Angebote der Gegenwart halten indes gute Gegenbeispiele bereit.

Prof. Margaret Rustin

ist Kinder-, Jugend- und Erwachsenenpsychotherapeutin, Honorarberaterin für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie am ,,Tavistock and Portman NHS Foundation Trust’’ und Kinderanalytikerin der britischen psychoanalytischen Gesellschaft. Sie war von 1986 bis 2009 Leiterin der Abteilung für Kinderpsychotherapie an der Tavistock Klinik, von 1993 bis 1999 Dekanin für postgraduelle Studien und anschließend Vorsitzende des Berufsausschusses.

Sie unterrichtet bis heute an der Tavistock Klinik und der britischen psychoanalytischen Gesellschaft sowie in vielen Ländern der Welt. Sie hat eine private- und eine Supervisionspraxis in London.

Zu ihren Veröffentlichungen gehören zahlreiche Zeitschriftenartikel und Bücher, darunter ,,Reading Klein“, das sie gemeinsam mit ihrem Mann Michael geschrieben hat. Ein Band ihrer gesammelten klinischen Arbeiten mit dem Titel „Finding a Way to the Child“ wurde 2023 in der internationalen Bibliothek der Psychoanalyse veröffentlicht. Ein zweiter Band ist in Vorbereitung.

Warum ist Einsamkeit so schmerzhaft? – Margaret Rustin
In diesem Beitrag werde ich auf klinische Arbeiten mit psychotischen Kindern und ihren Eltern zurückgreifen, um eine bestimmte Art von Einsamkeit zu beschreiben, die ihren Ursprung im Scheitern der primären Beziehung hat. Diese unterscheidet sich von der Einsamkeit durch Verlusterfahrungen, die Patient:innen häufig dazu bringt, therapeutische Hilfe zu suchen.

Kann ein psychoanalytisches Verständnis dieser unterschiedlichen Formen von Einsamkeit Licht auf die sozialen Probleme medienabhängiger Jugendlicher, die zunehmende Isolation älterer Menschen in modernen Gesellschaften und das Schwinden der Identifizierung auf Basis der Anerkennung einer gemeinsamen Menschlichkeit werfen?

Dr. med. Holger Salge

Medizinstudium an der Ruhruniversität in Bochum. Facharzt für Innere Medizin, Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychoanalytiker (DGPT, DPG/IPA).

Chefarzt der Abteilung II (Psychotherapie Spätadoleszenter und junger Erwachsener) und Ärztlicher Direktor der Sonnenberg Klinik Stuttgart.

Dozent und Lehranalytiker am Stuttgarter Institut der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft sowie Gruppenlehranalytiker der D3G.

Online, selbstoptimiert, vernetzt – und einsam?
Psychoanalytische Überlegungen zur subjektiven Situation Spätadoleszenter und junger Erwachsener
Seit 2022 hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugendliche eine „Strategie gegen Einsamkeit“ entwickelt. Somit scheint das Phänomen, das der diesjährigen Jahrestagung den Titel gegeben hat häufig und auch relevant zu sein. Aktuellen Umfragen zufolge sind Junge Erwachsene von dem Erleben von Einsamkeit nicht nur häufiger betroffen, sondern leiden auch stärker darunter. Der Vortrag möchte einige Schlaglichter aus einer psychoanalytischen Perspektive auf die aktuelle Situation junger Erwachsener werfen und der Frage nachgehen ob ein erschwerter Zugang zur eigenen Aggressivität und damit auch der Vitalität ein möglicher Verständnisansatz für dieses Phänomen sein könnte.

In diesem Zusammen möchte ich auch diskutieren ob der Verlust von Väterlichkeit, als Nebeneffekt der aktuellen Dämonisierung von Männlichkeit ganz wesentlich zu den aktuellen Entwicklungs- und Identitätsschwierigkeiten junger Menschen beiträgt.

Dr. phil. Dieter Treu

arbeitet als Psychotherapeut und Psychoanalytiker in Berlin.

Er ist dort Dozent am C.G. Jung Institut und Redaktionsmitglied der Zeitschrift Analytische Psychologie.

Seit 2023 ist er Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Analytische Psychologie (DGAP), und in dieser Funktion Autor eines Positionspapiers („analog, verbunden“, 2024) das entstand als Reaktion auf die letztjährige Veröffentlichung des „Einsamkeitsbarometers.“

„Man hört die Uhr ticken nur deshalb, weil die Luft selbst nicht tickt.“
Vom Lautwerden der Einsamkeitsempfindung im therapeutischen Raum.

Das im Titel verwendete Zitat, es stammt von Niklas Luhmann, lenkt die Aufmerksamkeit auf die kaum merklichen Umgebungsbedingungen auch unserer therapeutischen Settings. Was in Therapien das Vernehmen von manchmal stillen oder stummen Empfindungen ermöglicht und unterstützt, bleibt als raumzeitliche Situation und als ein darin stattfindendes Conspirare [lat. gemeinsam atmen] selbst hintergründig.

Im klinischen Hauptteil des Vortrags geht es um die Darstellung einer lauter werdenden Einsamkeitsempfindung in einem analytischen Prozess. Im Anschluss daran sollen einige gesellschaftspolitische Überlegungen helfen, die therapeutische Perspektive auf Einsamkeit als einer Empfindung zu erweitern.

Denn unter dem allgegenwärtigen Effizienz- und Beschleunigungsdruck im Gesundheitswesen werden zunehmend jene Behandlungsaspekte durch die Datenbrille betrachtet und als ungenau bzw. nicht verrechenbar diskreditiert, die im Umfeld unmittelbarer Begegnungen stattfinden (v.a. Berührung, Stimme, Eigenzeitlichkeit und Dialog). Gleichzeitig wird Analogität als Luxusware verwaltet und in zunehmend sparsameren Formaten angeboten.

Das den Vortrag leitende Credo lautet, dass Tiefenpsychologinnen und Tiefenpsychologen, als die Ansässigen im vermutlich analogsten Milieubereich des Gesundheitswesens, sich der ökonomischen und technischen Komprimierung von Empfindungsräumen und -zeiten selbstbewusst entgegenstellen können und müssen. Notfalls vorerst als einsame Rufer.

Dipl.-Psych. Lisa Werthmann-Resch

ist als Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin für Kinder und Erwachsene in eigener Praxis in Marburg tätig. Supervisorin, Dozentin und Lehranalytikerin (DPV/DGPT/IPA).
Von 2008 – 2011 Geschäftsführerin des Horst-Eberhard-Richter Instituts (Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie e.V. Gießen). 2017 – 2019 Leitung des örtlichen Ausbildungsausschusses des Horst-Eberhard-Richter Instituts Gießen. 2019 - 2021 stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV); 2021 - 2023 Vorsitzende der DPV; 2023 – 2025 stellvertretende Vorsitzende der DPV.
Publikationen zu den Themen Therapie von Kindern; psychoanalytische Filminterpretation; psychoanalytische Konzeption der Geschwisterdynamik; Hoffnung; Einsamkeit.

Objektbeschwichtigung durch „people pleasing“ – Einsamkeit bei Selbstentfremdung
Häufig sind Einsamkeitserlebnisse daran gebunden, dass man sich selbst gegenüber fremd ist oder gar bleibt. In der Psychoanalyse spricht man davon, dass gerade die Wahrnehmung und Bearbeitung von »Fremdem« zu den sehr frühen und entscheidenden Konstitutionsfaktoren des Ich in der seelischen Entwicklung gehört. Das natürliche und notwendige Gewahr werden, anders zu sein, setzt überhaupt erst die Selbstreflexion in Gang. Wenn aber der Schrecken über die ersten Erfahrungen mit dem Fremden nicht aufgelöst wird, bleibt es bei einem durchgehenden Lebensgefühl von Nicht-Zugehörigkeit, was das Ich oder die inneren Objektbeziehungen in erheblicher Weise affizieren kann. Dies kann sogar die grundlegende Annahme affizieren, dass die Welt ein sicherer und verlässlicher Ort ist, der von ausreichend guten Objekten bevölkert ist. In meinem Vortrag werde ich mich der Beobachtung von PatientInnen zuwenden, die sich in ihrer frühen psychischen Entwicklung in besonderer Weise psychisch kranken Elternteilen zugleich ausgesetzt und entfremdet fühlten. Das Entfremdungserleben greift an identitätsstiftenden Eckpfeilern der Persönlichkeit an und führt zu Verunsicherungen im Identitätsgefühl. Das Einsamkeitserleben, gekennzeichnet durch gleichzeitiges Ein- und Ausgeschlossensein, wird durch eine Abwehr bestimmt, die ich als „people-pleasing“ bezeichne. Enttäuschung, Angst und Trauer sollen damit in Schach gehalten und das Objekt beschwichtigt werden.