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Chronik zur Geschichte der Psychotherapie und zur Psychoanalyse von 1918 bis 1975

von Dr. phil. Regine Lockot

 

Zeitraum 1918 bis 1932

Zeitraum 1933 bis 1945

Zeitraum 1946 bis 1960

Zeitraum 1961 bis 1975


Zeitraum 1918 bis 1932

 

1918

(28.–29.9.) Auf dem 5. Internationalen Psychoanalytischen Kongress (IPV) in Budapest interessieren sich österreichische, deutsche und ungarische Regierungsvertreter für die therapeutischen Erfolge der Psychoanalyse. Sigmund Freud plädiert für die Massenanwendung der Psychoanalyse („... dass wir bei der Massenanwendung unserer Therapie das reine Gold der Analyse werden legieren müssen“) und dafür, sie einer breiten, unbemittelten Bevölkerungsschicht zugänglich zu machen.

1919

 (Jan.) In Wien entsteht der Internationale Psychoanalytische Verlag, gegründet von Otto Rank, unterstützt von Sigmund Freud und Sandor Ferenczi, finanziert von dem Budapester Mäzen der Psychoanalyse Anton von Freund. Bis zu seiner Liquidierung (1938) durch die Nationalsozialisten erscheinen hier fünf Zeitschriften, die gesammelten Werke S. Freuds und 250–300 Einzelpublikationen. (Sommer) In München gründet Leonhard Seif die „Gesellschaft für angewandte Seelenkunde“, die zur Keimzelle der Individualpsychologischen Vereinigung wird.

1920

 (14.2.) Eröffnung der ersten psychoanalytischen Poliklinik und Lehranstalt der Berliner Psychoanalytischen Vereinigung in der Potsdamerstraße 29 (heute Nr. 74), Berlin-Tiergarten. Statt auf staatliche Hilfe zu warten, finanziert und leitet Max Eitingon die Einrichtung (erst ab 1930 heißt sie BPI). Ernst Simmel und Anna Smeliansky, die in der Poliklinik wohnt, sind seine Assistenten. Dozenten: Karl Abraham, Max Eitingon, Karen Horney, Ernst Simmel und Max Liebermann. (8.-10.9.) Der 6. IPV-Kongress findet in Den Haag statt. - Nach dem für Deutschland und Österreich-Ungarn verlorenen Krieg orientiert sich die IPV nach Westen. Als Folge der politischen Veränderungen verlassen Franz Alexander, Therese Benedek, Jenö H‡rnik, Melanie Klein, Margaret Mahler, Ren Spitz und S‡ndor Rad— in den kommenden Jahren Ungarn. Moshe Wulff kommt (1927, nach der Radikalisierung der politischen Verhältnisse) aus der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik zurück nach Berlin, das er 1911 verlassen hatte, um in Russland eine psychoanalytische Vereinigung zu gründen. (Herbst) Nach Austritt der freudianischen Psychoanalytiker aus der „Gesellschaft für angewandte Seelenkunde“ ändert diese ihren Namen in „Gesellschaft für Vergleichende Individualpsychologie“ und tritt der „Internationalen Gesellschaft für Vergleichende Individualpsychologie“ (Alfred Adler, Wien) bei.

1922

(25.-27.9.) Der 7. IPV-Kongress findet in Berlin statt, im Haus des jüdischen „Brüdervereins gegenseitiger Unterstützung“. Der Kongress setzt mit den Beiträgen von Freud, Alexander, Abraham, Deutsch, Ferenczi, Hermann, Hollós, Horney, Klein, Nunberg, Piaget, Rank, Radó, Róheim, Simmel und Spielrein wegweisende theoretische Impulse (der „große Aufbruch“, Schröter 2007). Sigmund Freud ist zum letzten Mal persönlich auf einem psychoanalytischen Kongress anwesend. Das Vereinshaus des Brüdervereins wird im Dezember 1939 Sitz des „Judenreferats“ von Adolph Eichmann. Heute erinnert ein als Bushaltestelle gestalteter „Mahnort“ an die von ihm organisierten Deportationen. (Dez.) In München findet der 1. Kongress für Individualpsychologie statt.

1923

Eitingon führt Ausbildungsrichtlinien ein und einen Unterrichtsausschuss (UA), dem Abraham, Eitingon, Horney, Müller-Braunschweig, Sachs und Simmel angehören. Damit wird das Berliner Psychoanalytische Institut die erste Einrichtung, in der Psychoanalyse systematisch erlernt werden kann (mit Lehr-und Kontrollanalysen und einer theoretischen Ausbildung). Ein Stipendienfonds unterstützt die Ausbildungskandidaten. (April) Die Berliner Sektion des Internationalen Vereins für Individualpsychologie wird gegründet und durch den publizistisch besonders aktiven Fritz Künkel maßgeblich vertreten. Erziehungsberatung als Fokus der Arbeit zieht einen großen Interessenkreis von Pädagogen und Lehrern an. Wilhelm Stekel gründet in Wien die „Organisation für unabhängige ärztliche Psychoanalyse“.

1924

(21.–24.4.) Der 8. IPV-Kongress findet in Salzburg statt. Frieda Fromm-Reichmann eröffnet in Heidelberg (Mönchhofstraße 15) das „Thorapeutikum“ mit 15 Therapieplätzen. Orthodoxes Judentum und Psychoanalyse werden hier verbunden. 1928 muss das Sanatorium aus finanziellen Gründen geschlossen werden. (1.9.) Psychoanalyse wird kassenrechtlich in der amtlichen Gebührenordnung (Preugo) verankert. (11.–12.10.) Die 1. Deutsche Zusammenkunft für Psychoanalyse findet in Würzburg statt. (Nov.) Otto Fenichel und Harald Schultz-Hencke gründen in Berlin das „Kinderseminar“, ein informelles Diskussionsforum der psychoanalytischen Ausbildungskandidaten.

1925

(Okt.–Dez.) In Frankfurt laden der Direktor des Neurologischen Instituts, Prof. Goldstein, und der Direktor der Inneren Klinik, Prof. von Bergmann, die Psychoanalytiker Landauer, Happel und Reichmann zu einem an sechs Abenden stattfindenden Kolloquium unter Leitung von dem Psychiater Dr. Prinzhorn ein. Im Verlauf der Veranstaltung rückt die Diskussion um die Psychoanalyse an der Universität „in den Mittelpunkt des medizinischen Interesses“. (3.–5.9.) Der 9. IPV-Kongress findet in Bad Homburg statt. Im „Interkonfessionellen Kreis“ treffen sich Arthur Kronfeld, Edith Jacobsohn, Harald Schultz-Hencke, Alexander Herzfeld, Walter Schindler, Manès Sperber, Werner Kemper, Karen Horney, Fritz Künkel und andere Psychoanalytiker und Psychotherapeuten unterschiedlicher Richtungen. Der 2. Internationale Kongress für Individualpsychologie findet in Berlin statt. Theodor Reik, dessen Weg über die Literaturwissenschaft zur Psychoanalyse Freud sowohl beratend als auch finanziell unterstützt hatte, wird in Wien der „Kurpfuscherei“ angeklagt. Sigmund Freud verteidigt ihn mit seiner Schrift: Die Frage der Laienanalyse. Diese Kontroverse spaltet das amerikanische und europäische psychoanalytische Lager. (25.12.) Karl Abraham stirbt.

1926

(24.3.) Uraufführung des UFA-Filmes „Geheimnisse einer Seele“ (Regie: G.W. Pabst). Die Verwendung dieses modernen Mediums zur Illustration der Wirksamkeit der Psychoanalyse hatte im Vorfeld zu einem schweren Konflikt zwischen Karl Abraham und Hanns Sachs, den Befürwortern, und Sigmund Freud geführt, der es strikt ablehnte. (17.–19.4.) In Baden-Baden findet der 1. Kongress der „Allgemeinen ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie“ (AÄGP) statt, mit 537 Teilnehmern aus ganz Europa. (24.4.) Umbenennung der „Berliner Psychoanalytischen Vereinigung“ in „Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft“ (DPG). Sie wird zum institutionellen Dach für weitere freudianische psychoanalytische Gruppen, die in Frankfurt a. M. („Südwestdeutsche Arbeitsgemeinschaft“ mit Karl Landauer und Heinrich Meng) in Leipzig (der aus der „Gesellschaft für psychoanalytische Forschung“ hervorgegangene Arbeitskreis um Therese Benedek) und Hamburg (mit August Watermann, Nathan Costa und später Clara Happel) entstehen, und ist zentralistisch am Berliner Psychoanalytischen Institut ausgerichtet. (6.5.) Im Hotel Esplanade wird Freuds 70. Geburtstag großartig mit führenden Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben, aus Politik, Wirtschaft, Kunst, Literatur und Musik unter dem Motto „ ... der Zeitgeist ist unter uns“ gefeiert; der Jubilar erhält in Wien die Ehrenbürgerschaft. Siegfried Bernfeld kommt aus Wien nach Berlin und übernimmt am BPI den Unterricht für Pädagogen. Heinrich Meng und Ernst Schneider gründen die Zeitschrift für Psychoanalytische Pädagogik. Melanie Klein wird von Ernest Jones nach London eingeladen und bleibt dort. (April) Simmel eröffnet ein psychoanalytisches Sanatorium in Berlin-Tegel (mit 25–30 Betten) zur Behandlung schwerer Neurosen, Süchte und Charakterfehlentwicklungen. Im August 1931 muss es aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden. Harald Schultz-Henckes „Einführung in die Psychoanalyse“ löst „lebhafte Missbilligung“ aus (14.2.1950, Schultz-Hencke an v. Baeyer, unveröffentl., Mitscherlich-Archiv).

1927

(27.–30.4.) Die AÄGP veranstaltet ihren 2. Kongress in Bad-Nauheim. Die Kongressteilnehmer beschließen einstimmig die Aufnahme von Psychotherapie in die ärztliche Ausbildung. (1.–3.9.) Der 10. IPV-Kongress findet in Innsbruck statt. (1.12.) Die „Allgemeine ärztliche Gesellschaft für Psychotherapie“ (AÄGP) wird gegründet, Vorsitzender ist Robert Sommer, Geschäftsführer Walter Cimbal. Die Vorstandsmitglieder sind Leonhard Seif, Ernst Simmel, Johannes-Heinrich Schultz, Kurt Goldstein, Benno Hahn, Arthur Kronfeld, Ernst Kretschmer und Wladimir Eliasberg.

1928

Das Urteil des Reichsversicherungsamts (30.9.1926, 10.2.1928) zur Invalidität des Neurotikers (damals als Synonym für „Hysteriker“) führt zur Aufnahme der Psychoanalyse in die Allgemeine Deutsche Gebührenordnung für Ärzte (Adgo). (20.–22.4.) Zum 3. AÄGP-Kongress in Baden-Baden kommen 402 Mitglieder, davon 65 aus 9 anderen europäischen Ländern. Das Publikationsorgan der Gesellschaft ist die Allgemeine ärztliche Zeitschrift für Psychotherapie und psychische Hygiene. (30.9.) Umzug der psychoanalytischen Poliklinik und Lehranstalt in die Wichmannstraße 10 in Berlin-Tiergarten.

1929

(11.–14.4.) Zu ihrem 4. Kongress trifft sich die AÄGP in Bad-Nauheim. (27.–31.7.) Der 11. IPV-Kongress findet in Oxford statt.

1930

(26.–29.4.) Der 5. AÄGP-Kongress wird in Baden-Baden abgehalten. Der 2. Internationale Kongress für Individualpsychologie findet in Berlin statt. Die AÄZP wird umbenannt in Zentralblatt für Psychotherapie und ihre Grenzgebiete einschließlich der Medizinischen Psychologie und Psychischen Hygiene. Die Psychoanalytiker distanzieren sich sowohl administrativ als auch konzeptionell von der AÄGP (Resolution von Ernst Simmel). (28.8.) Sigmund Freud wird der Goethepreis der Stadt Frankfurt verliehen. Institutsgründung des Frankfurter Instituts der „Südwestdeutschen Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft“; enge Zusammenarbeit mit dem „Institut für Sozialforschung“ (Max Horkheimer, Theodor Adorno) zur Weitervermittlung von Psychoanalyse in Lehranalysen und in Kursen, die an der Universität stattfinden – ohne Therapeutenausbildung. Die in Frankfurt eingerichtete psychoanalytische Poliklinik muss 1932 wieder geschlossen werden. In Stuttgart organisieren Gustav Graber und Hermann Gundert eine psychoanalytische Arbeitsgruppe. Die 2. Deutsche Zusammenkunft für Psychoanalyse findet in Dresden statt. Wilhelm Reich kommt aus Wien, seine Frau Annie folgt ihm später in das als fortschrittlicher geltende Berlin. Franz Alexander geht in die USA um in Chicago ein psychoanalytisches Ausbildungsinstitut nach dem Berliner Vorbild aufzubauen.

1931

(14.–17.5.) Anlässlich des 6. AÄGP-Kongresses treffen sich die Mitglieder in Dresden. S‡ndor Rad— geht ebenfalls in die USA, Hanns Sachs und Karen Horney folgen. Diese erste Emigrationswelle dient dem „Export“ des Berliner Instituts- und Ausbildungsmodells.

1932

(4.–7.) Der 12. IPV-Kongress findet in Wiesbaden statt. Theordor Reik emigriert aus Berlin nach Holland.PDF 

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Zeitraum 1933 bis 1945

 

1933

(Ende März) der 7. AÄGP-Kongress, der vom 6. bis 9.4. in Wien stattfinden sollte, wird wegen der nationalsozialistischen Machtübernahme auf April 1934 verschoben. (21.3.) Eitingon holt Freuds Rat in Bezug auf die nationalsozialistische Politik ein (Freud: „Eine traurige Diskussion“). (6.4.) Ernst Kretschmer legt den Vorsitz der AÄGP nieder. C.G. Jung, sein Stellvertreter, übernimmt ihn und führt am 21.4.1933 die „direkte Mitgliedschaft“ ein. (7.4.) Einführung des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums durch die nationalsozialistischen Machthaber. (7.4.) Eitingon ernennt vorsorglich Boehm und Müller-Braunschweig zu seinen Stellvertretern, falls ein „rein deutschstämmiger und christlicher Vorstand“ politisch gefordert würde. (9.4.) Eine Verordnung zur Arisierung der Vorstände ärztlicher Organisationen tritt in kraft. (17.4.) Als designierter Vorsitzender der DPG ersucht Boehm Freud um seine Zustimmung zur Anpassung der DPG an die NS-Politik. (22.4.) „Nichtarischen“ Ärzten wird die Kassenzulassung entzogen. (6.5.) Boehm und Müller-Braunschweig beantragen eine Arisierung des DPG-Vorstands; sie setzten sich nicht durch. Die Mehrheit der Mitglieder stimmt gegen die Änderung (8 pro, 15 kontra, 5 Enthaltungen). Die Hörerzahlen am Berliner Institut waren von 222 (Dez. 1931) auf 39 (Dez. 1933) zurückgegangen. Die Nachfrage nach therapeutischen Behandlungen bleibt konstant. (10.5.) Bei der Bücherverbrennung in Berlin werden Freuds Schriften und die diverser anderer Psychoanalytiker verbrannt. Eine Kampagne „Wider die Psychoanalyse“ bringt die DPG in weitere Bedrängnis. (15.9.) Gründung der „Deutschen allgemeinen ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie“ (DAÄGP) unter dem „Reichsführer“, dem Psychiater Mathias Heinrich Göring, einem adlerianisch ausgebildeten Nervenarzt, verwandtschaftlich mit dem Reichsmarschall Hermann Göring verbunden – als Landesgruppe der zur „überstaatlich“ erklärten AÄGP. Publikationsorgan ist das Zentralblatt für Psychotherapie. Göring wirbt um Vertreter der Psychoanalyse und hofft auf Schultz-Henckes Mitarbeit. (18.11.) In der Generalversammlung wird die Vorstandsumbildung der DPG beschlossen. Boehm und Müller-Braunschweig übernehmen jetzt die Leitung. (31.12.) Eitingon verlässt Berlin. Bereits im September 1933 hatte er, zusammen mit den Berliner Kollegen Moshe Wulff, Anna Smeliansky und Ilja Schalit, in Jerusalem eine neue psychoanalytische Vereinigung (Chewra Psychoanalytith b’Erez Israel) gegründet. (2.8.) Die Kassenärztliche Vereinigung Deutschlands wird gegründet.

1934

Aufgrund einer staatlichen Verordnung wird das „Berliner Psychoanalytische Institut“ (BPI) umbenannt in „Psychoanalytisches Institut“ und die „Poliklinik und Lehranstalt“ in „Ambulatorium und Lehranstalt“. Die Hörerzahlen gehen drastisch zurück, die Zahl der Ausbildungskandidaten verringert sich, die Lehranalytiker Bernfeld, Eitingon, Fenichel, H‡rnik, Reik und Simmel emigrieren und darüberhinaus die Dozenten Steff Bornstein, Jeanne Lampl de Groot, Reich und Staub. Benedek, Jacobssohn, Kempner und Vowinkel werden als Lehranalytiker neu optiert, als Dozenten Kemper, Mette, Ada Müller-Braunschweig und von Sydow. In der Folge bleiben von den neu Hinzugekommenen die vier Dozenten. Jung bietet sich als „Seelenführer“ an, der sich mit seiner polemischen Unterscheidung von „germanischer“ und „jüdischer“ Psychologie für die Nationalsozialisten qualifiziert. M. H. Göring lässt das Berliner Psychoanalytische Institut nach Angriffen von Gustav Bally auf C. G. Jung (Bally wirft Jung Kollaboration mit den Nationalsozialisten vor) überprüfen. (12.5.) Der 7. AÄGP-Kongress findet statt. (23.7.) Das Gesetz zur Vereinheitlichung des Gesundheitswesens wird erlassen. (Aug.) 24 von 36 ordentlichen Mitgliedern der DPG hatten Deutschland verlassen. Die DPG bleibt zunächst bestehen. (26.8.–31.8.) Auf dem 13. IPV-Kongress in Luzern sind Benedek, Boehm und Kemper Referenten der DPG. (Dez.) Die DPG verfasst eine Resolution, die ihre Mitglieder zur politischen Abstinenz verpflichtet.

1935

(16.2.) Die DPG feiert das 15-jährige Bestehen des Berliner Psychoanalytischen Instituts. (27.–30.3.) Der 8. AÄGP-Kongress in Bad Nauheim wird gemeinsam von der Internationalen Allgemeinen Ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie, ihr Präsident ist C. G. Jung, mit der Deutschen Allgemeinen Ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie unter Leitung von M. H. Göring durchgeführt. (3.–6.10.) Der 1. DAÄGP-Kongress in Breslau wird von dem Vertreter des deutschen Reichsärzteführers Wagner, Peschke, mit dem Apell eröffnet, dass der deutsche „Volkskörper“ nun Objekt der ärztlichen Beeinflussung werden solle, aus dem die „Schlacke“ („rassefremde und erbkranke Bestandteile“) ausgeschieden werden müsse. (24.10.) Die Psychoanalytikerin Edith Jacobson wird der Mitgliedschaft der sozialistischen Widerstandsgruppe „Neu Beginnen“ beschuldigt und verhaftet. Boehm bittet IPV-Präsident Jones, nicht zu intervenieren, weil er fürchtet, staatliche Stellen damit auf die DPG aufmerksam zu machen und sie damit zu gefährden. Ein Protestschreiben der DPG versucht er, allerdings erfolglos, zurückzuziehen. Jacobson kann 1938 über Prag nach New York fliehen. (11.11.) Jones berichtet Anna Freud davon, dass Psychoanalyse nicht verboten werden soll, wenn sie nur durch „Gentiles“ vertreten würde. (1.12.) Ernest Jones präsidiert die Generalversammlung der DPG, in der beschlossen wird: 1. die Gesellschaft nicht aufzulösen, 2. nicht aus der IPV auszutreten und 3. die jüdischen Mitglieder zum Austritt zu nötigen. 20 Mitglieder verlassen die Gesellschaft. Von den 56 Mitgliedern, die noch 1932 gezählt wurden, sind nur 4 geblieben (+ 8 außerordentliche Mitglieder). Insgesamt fliehen etwa hundert Psychoanalytiker und Ausbildungskandid aten aus Deutschland. Die DPG-Mitglieder Salomea Kempner, August Watermann und Karl Landauer überleben ihre Verfolgung durch die Nationalsozialisten nicht. Noch bis 1935 wird „Psychoanalyse“ im Berliner Adressbuch als fachärztliches Behandlungsangebot genannt. Dann gibt der Verband der Angestelltenkrankenkassen Richtlinien über die Anwendung von psychotherapeutischen Leistungen in der Kassenpraxis heraus, nach der Psychoanalyse („die eigentliche Psychoanalyse und die von ihr abgeleiteten psychotherapeutischen Verfahrensweisen von Jung, Adler und Stekel usw.“) nicht mehr zu den kassenpflichtigen und kassenärztlich möglichen psychotherapeutischen Verfahrensweisen gezählt wird.

1936

Die deutsche Ärzteorganisationen wird aufgelöst. (8.3.) Boehm trifft Anna Freud in Brünn, um sich ihre und Freuds Unterstützung zu sichern. (18.3.) Boehm nimmt den Vorschlag der Medizinalabteilung zur Gründung eines gemeinsamen psychotherapeutischen Instituts an. (19.3.) Oberregierungsrat Herbert Linden (NSDAP) schlägt M. H. Görin g die Kooperation mit Felix Boehm zur Schaffung eines Instituts vor, „das allen Zweigen der Psychotherapie gleichmäßig zur Verfügung stünde“. (13.5.) Die DPG tritt aufgrund staatlicher Forderung aus der IPV aus, zieht den Austritt am 9.9.1936, ebenfalls staatlich gefordert, wieder zurück. (26.5.) Die DPG beschließt, an einem vom Reichsinnenministerium konzipierten und ab 1939 von der Deutschen Arbeitsfront finanzierten „Deutschen Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie“ (dem sog. Göringinstitut, benannt nach seinem Leiter, Mathias Heinrich Göring) mitzuarbeiten. Die DPG-Mitglieder bringen ihre Bibliothek und ihr Mobiliar (aus dem Eitingonschen Besitz) und vor allem ihre institutionelle und fachliche Kompetenz ein und bilden damit das Grundgerüst dieser neuen Einrichtung, in der Freudianer, Neoanalytiker, Jungianer, Künkelanhänger und „unabhängige“ Psychotherapeuten (z.B. I. H. Schultz, von Hattingberg) zusammenarbeiten. Oberster Dienstherr ist der Psychiater und Ministerialrat in de r Gesundheitsabteilung des Reichsministeriums des Inneren, Herbert Linden, der am 23.10.1941 „Reichsbeauftragter für die Heil- und Pflegeanstalten“ wird und damit die Sterilisation und Ermordung von Geisteskranken zu verantworten hat. Das Institut wird am 14.6. gegründet, seine Adresse ist zunächst Wichmannstr. 10 (also die der DPG), ab 1.7.1937 Budapesterstr. 29. Es soll eine „Deutsche Seelenheilkunde“ als eklektisches Gemisch aus den verschiedenen psychotherapeutischen Theorien unter nationalsozialistischen Vorzeichen entwickelt werden. Liquidierung des psychoanalytischen Verlags in Leipzig. (2.–7.8.) Der 14. IPV-Kongress findet in Marienbad statt. Das Reichsinnenministerium schafft den Berufsstand des „Behandelnden Psychologen“ (Psychotherapeut ohne ärztliche Approbation). Ihre Qualifikation erreichen Kandidaten nach zweijähriger Ausbildung am „Deutschen Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie“ (DI).

1937

Käthe Dräger, die sich in psychoanalytischer Ausbildung befindet, übernimmt die Leitung des im Untergrund agierenden Berliner Komitees der KPDO (Dissidentenströmung gegen die KPD). Sie verfasst und verteilt antifaschistische Schriften und Flugblätter und unterstützt die Familien verurteilter Genossen. Ihre politische Aktivität muss sie in ihrer Analyse verheimlichen. (28.5.) Alfred Adler stirbt in Aberdeen (Schottland) auf einer Vortragsreise. (2.–4.10.) Der 9. Internationale Kongress für Psychotherapie findet in Kopenhagen statt. Das von Bjerre vorgeschlagene Thema „Rasse und Tiefenpsychologie“ wird aus Angst vor einer Konfrontation verworfen. (10.11.) Göring will Psychoanalytikern keine Lehr- und Kontrollanalysen mehr übertragen.

1938

(20.3.) Nach der Besetzung Österreichs versucht Müller-Braunschweig, für die Wiener Psychoanalytische Vereinigung (WPV), den Internationalen Psychoanalytischen Verlag und das Wiener Psychoanalytische Ambulatorium die Treuhänderschaft als Vertreter der DPG (für die Wiener) und als Vertreter des DI (für die Deutschen) zu übernehmen, und scheitert. (4.6.) Sigmund Freud muss Wien verlassen. Vier seiner fünf Schwestern sterben in Konzentrationslagern. Von 102 Psychoanalytikern bleiben zwei in Wien. (29.7.–2.8.) Der 10. Internationale Kongress für Psychotherapie findet in Oxford statt („Psychotherapie der einzelnen Lebensphasen“). C.G. Jung wird die Ehrendoktorwürde verliehen. In einem 14-Punkte-Programm stellt Jung das Resultat der Zusammenarbeit mit anderen psychotherapeutischen Richtungen als Kanon eines Lehrgebäudes dar, das sich als Gegenpol „wilder Psychotherapie“ versteht. (1.–5.8.) Der 15. IPV-Kongress findet in Paris statt. (19.11.) Staatliche Stellen erzwingen die Auflösung der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft. Sie setzt ihre Arbeit jedoch am DI als „Arbeitsgruppe A“ fort. Die Psychotherapeutenausbildung am DI umfasst eine Lehranalyse (2–3 mal wöchentlich) und Teilnahme an den „3er Seminaren“ mit Vertretern von Freud, Jung und Adler.

1939

(17.2.) Das Heilpraktikergesetz wird erlassen: „Gesetz über die berufsmäßige Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung“. Damit wird die Kurierfreiheit, also die Freiheit, unabhängig von einer medizinischen Ausbildung eine Heilkunde auszuüben, hinfällig. Ein „Facharzt für Psychotherapie“ ist geplant. Der „Verein für Individualpsychologie“ wird von den Nationalsozialisten aufgelöst. (23.9.) Sigmund Freud stirbt im Londoner Exil.

1940

(6.9.–7.9.) In Wien findet die 3. Tagung der DAÄGP statt. (1.10.) Das DI hat 204 voll ausgebildete Mitglieder und 59 Kandidaten. Neben der Ausbildung von Psychotherapeuten wird ein einjähriger Lehrgang zur Ausbildung von „Beratenden Psychologen“ eingerichtet.

1941

(16.6.) Eine Diplomprüfungsordnung für Psychologen wird erlassen.

1942

Nach Ablauf des Vertrags mit der Deutschen Arbeitsfront wird das DI im Wesentlichen durch das Luftwaffenministerium und den Reichsforschungsrat finanziert. (26.9.) John Rittmeister, Leiter der Poliklinik des DI und Mitglied der Arbeitsgruppe A, wird als Mitglied der Widerstandsgruppe um Harro Schultze¬Boysen (sog. Rote Kapelle) verhaftet. Die „Arbeitsgruppe A“ ändert ihren Namen in „Referentenkreis für Kasuistik und Therapie“, um nicht mit Rittmeister in Verbindung gebracht zu werden.

1943

(8./9.2.) John Rittmeister wird zum Tode verurteilt. (18.3.) Der „Göring-Erlass“ wird durch Werner Achelis („Reichsspartenwart der Behandelnden Psychologen“) mit dem Reichsinnenministerium ausgehandelt. Es entsteht der informelle Beruf des „Behandelnden Psychologen“ („Heilhilfsberuf“, Hilfskräfte in der Gesundheitspflege, an Weisung des Arztes gebunden, damit kein Heilpraktiker). Bedingt durch den Krieg bleibt es bei dem Gesetzentwurf.

1944

(13.1.) Ernennung des DI zum „Reichsinstitut im Reichsforschungsrat“ mit „kriegswichtigen“ Funktionen. Von den 103 ärztlichen Mitgliedern des DI (davon 17 DPG/WPV-Mitglieder) gehören 41 der NSDAP an; unter den 145 nichtärztlichen Mitgliedern (davon 25 DPG/WPV-Mitglieder) befinden sich 22 Parteimitglieder (Kartei des DI). Zweigstellen existieren in Düsseldorf, Wuppertal, Stuttgart, München und später Wien. Für 1943/44 werden 318.000 RM (Reichsmark) und für 1944/45 880.000 RM bewilligt.

1945

Da Göring der SS Unterschlupf im Reichsinstitut gewährt, brennen die Russen das Haus (Keithstr. 41) nieder und verhaften Göring. Er stirbt in einem russischen Lager an der Ruhr. (26.5.) In München erwirkt Felix Scherke die Fortsetzung des „(Reichs)- Instituts für Psychologische Forschung und Psychotherapie“, ohne die Münchner Arbeitsgruppe einzubeziehen. (Mai/Juni) In Berlin wird das „Institut für Psychopathologie und Psychotherapie“ gegründet, unter der Leitung von Schultz-Hencke und Kemper (Poliklinik). Mittwochnachmittags finden allgemeinwissenschaftliche und kasuistische Seminare für alle Berliner Psychotherapeuten statt. (Sommer): Ältere Psychotherapeuten gründen einen „Verwaltungsrat Berliner Psychotherapeuten“ a) zur „Säuberung“ der Therapeutengruppen von Parteimitgliedern, b) zur Überprüfung der Qualifikation von Therapeuten aller Richtungen zur Vergabe von Lebensmittelkarten und Arbeitserlaubnis. (21.8.) Max Steger übernimmt die Leitung des Münchner „Instituts für Psychologische Forschung und Psychotherapie“ in der Nachfolge des DI. Die ehemals gleichgeschalteten Gruppen separieren sich: (16.10.) Die DPG gründet sich nach der Satzung von 1931 als „Zweigvereinigung der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung“ mit C. Müller-Braunschweig als Erstem Vorsitzenden, F. Boehm als seinem Vertreter und W. Kemper als drittem Vorstandsmitglied. Die DPG hat 35 ordentliche und zwei außerordentliche Mitglieder. Zwölf von ihnen waren zwischen 1936 und 1945 ausgebildet worden. Von den Mitgliedern sind noch 19 in Berlin, die übrigen leben außerhalb. Die Jung-Anhänger bilden kleine Kreise (jeweils drei bis zehn Mitglieder):

  •  um Wolfgang und Hanna Kranefeldt, mit gutem Kontakt zur sowjetischen Kommandantur, 
  • um Julius Schirren (von Jung autorisiert), 
  •  um Käthe Bügler (Jung-Analysandin, sog. Achteljüdin, von Jung nicht anerkannt), Lemke, Veening.

Die Adler-Gruppe, „gemeinschaftspsychologische Richtung“ (Zehlendorfer Kreis), besteht aus Heinz-Arthur Strauß, Siegrid Strauß-Kloebe und Wilhelma Winckler (Künkel-Schülerin). Gründung des Berufsverbandes Deutscher Psychologen (BDP). Die Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie e.V. wird in München gegründet. (15.12.) Schultz-Hencke gründet – entgegen späterer Beteuerungen – die „Neoanalytische Vereinigung“ mit neun Mitgliedern (incl. zwei Kandidaten). Vier von ihnen waren auch in der DPG (darunter drei Nichtärzte). Schultz¬Hencke wird von den Amerikanern (in Bad Orb) dazu aufgefordert, antifaschistische Mitarbeiter auszuwählen – er lehnt das ab. Stand: 30. Januar 2012

Literatur

Schröter, Michael (2007): Volle Kraft voraus: Der 7. internationale psychoanalytische Kongress in Berlin (25.–27. September 1922). Psyche – Z Psychoanal 61, 4, 412–437.

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Zeitraum von 1946 bis 1960

 

1946

In Kliniken, Erziehungsberatungsstellen und Fürsorgeeinrichtungen werden Psychotherapeutenstellen geschaffen, die aus Mangel an qualifizierten Therapeuten nicht besetzt werden können (Berlin, Bremen, Stuttgart, Niedersachsen sind Ausnahmen).

(8. 2.) Die amerikanische Militärregierung genehmigt das „Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie“ (München), das sich als Nachfolgerin des „Deutschen Instituts für psychologische Forschung und Psychotherapie“ (Berlin) versteht. Im Dienste der öffentlichen und seelischen Gesundheitspflege steht es auf der Liste der medizinischen Institute der Stadt München (Leitung: Steger, 67 Mitglieder und 49 Ausbildungskandidaten). Unter anderem gehören dem Institut an: Fritz Riemann, Walter Seitz, Edgar und Johanna Herzog-Dürck[1].

(1. 3.) Das Berliner „Institut für Psychopathologie und Psychotherapie“ (Leitung: Kemper, und Schultz-Hencke) wird von der Versicherungsanstalt Berlin (VAB, Vorgängerin der AOK) übernommen. Es heißt nun „Zentralinstitut für psychogene Erkrankungen der VAB“ (Vertragsunterzeichnung 29. 4.) und gliedert sich in die Poliklinik für Erwachsene (Baumeyer), die Poliklinik für Kinder und Jugendliche (Schwidder) und die Abteilung für Prophylaxe (Dührssen). In begrenztem Umfang werden nun psychotherapeutische Behandlungen über dieses Institut auf Kosten der Versicherung durchgeführt. Das VAB-Institut ist kein Ausbildungsinstitut. 28 ärztliche und nichtärztliche Psychotherapeuten aller Richtungen sind fest angestellt und weitere sind als freie Mitarbeiter tätig.

(März) Alexander Mitscherlich plant ein Institut für Psychotherapie im Rahmen der Heidelberger Universität. Psychotherapie soll eine selbstständige Disziplin werden, die die Ausbildung von Laien mit einschließt. Ihm wird massiver Widerstand der medizinischen Fakultät entgegengebracht. Nach einer ablehnenden Stellungnahme von Karl Jaspers, die sich gegen die Freud’sche Psychoanalyse richtet, stagniert die Institutsgründung.

(1. 4.) Die Stuttgarter „Arbeitsgruppe für Psychotherapie“ wird von Hermann Gundert und Felix Schottlaender gegründet. An der Gründungssitzung nehmen Gustav Bally, Alexander Mitscherlich und Viktor von Weizsäcker teil.

(6. 4.) Der alliierte Kontrollrat Berlins legalisiert, gegen die Auffassung des Landesgesundheitsamts und die Vereinigung der Sozialärzte von Groß-Berlin, die Behandlung durch nichtärztliche Psychoanalytiker.

(Sommersemester) Carl Müller-Braunschweig hält an der Volkshochschule Wilmersdorf Vorlesungen über Psychoanalyse; an der Universität bestehe „kein Bedarf“ (Schreiben von Müller-Braunschweig an von Weizsäcker, 16. 1. 1947, Psy-H.).

(20. 9.) Mitglieder der DPG, die in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) wohnen, sind Baumeyer (Dresden), Mette (Weimar), Scheunert (Erfurt), Tiling (Gera/Thür.), Weigel (Leipzig) und Möller (Potsdam) als ständiger Gast.

(Oktober) Die „Dozentenkonferenz“ in Berlin, ein von Kemper gegründetes und geleitetes Gremium älterer Analytiker verschiedener Schulrichtungen, gilt als Interessenvertretung aller Psychotherapeuten. Ihre Aufgabe besteht in der Erarbeitung einer Berufsordnung mit genauen Berufsvorschriften, mit Zulassungs- und Ausbildungsbestimmungen und einer Prüfungsordnung. Nichtärztliche Psychotherapeuten sollen in die medizinischen Heilberufe (nicht mehr wie bisher Medizinalberufe) eingeordnet werden. Die Dozentenkonferenz berät gutachterlich das Landesgesundheitsamt. Sie ist auch für die Ostzone die einzig zuständige Stelle in Fragen der Psychotherapie für die „Zentralverwaltung für das Gesundheitswesen in der sowjetischen Okkupationszone Deutschlands“.

(17. 12.) Zu den zwölf Psychiatern, die über die Ausbildung der „Irrenpfleger und Psychotherapeuten“ und deren Niederlassungsordnung zu beraten haben, gehören die drei Psychoanalytiker Kemper (Berlin West), Mette (Weimar) und Baumeyer (Arnsdorf bei Dresden).

1947

Erziehungsberatungsstellen in Berlin sind vorwiegend von Psychoanalytikern besetzt oder stehen in enger Fühlung mit ihnen.

Alexander Mitscherlich gründet die „Psyche“, ein „Jahrbuch für Tiefenpsychologie und Menschenkunde in Forschung und Praxis“. Mitherausgeber sind Schottlaender und Kunz.

(9. 5.) Das „Institut für Psychotherapie e. V.“ wird von Kemper als Ausbildungsinstitut gegründet. Vertreten sind Neoanalytiker, Freudianer und Jungianer. Erste Lehrveranstaltungen werden abgehalten. Hochheimer (Jungianer) und Haseloff (Neoanalytiker) bekommen zusätzlich einen Lehrauftrag an der Pädagogischen Hochschule in Berlin, Schultz-Hencke einen für anthropologische Psychologie an der TU Berlin.

 (Pfingsten) Ein erstes privates Treffen mitteleuropäischer Psychoanalytiker in Amsterdam erlaubt eine erste persönliche Kontaktaufnahme der DPG-Mitglieder nach dem Krieg. Die deutsche Delegation (Müller-Braunschweig, Dräger und Kalau vom Hofe) erreicht Amsterdam mit eintägiger Verspätung. Müller-Braunschweig reist trotz einer schweren Erkrankung.

(20. 8.) In Nürnberg werden die Urteile gegen die nationalsozialistischen Kriegsverbrecher gefällt. Mitscherlich leitet die Deutsche Ärztekommission beim Ersten Amerikanischen Militärgerichtshof in Nürnberg. und verfasst zusammen mit Fred Mielke einen Teil der Anklageschrift gegen die Ärzte, die als „Wissenschaft ohne Menschlichkeit“ bekannt wird. Mitscherlich gelingt es nicht, Schultz-Hencke und andere ärztliche Psychoanalytiker als Prozessbeobachter zu gewinnen.

(September) Ein „Arbeitsausschuss zur Neuordnung der Psychotherapie“ wird mit einem Vertreter des Bundesinnenministeriums (Leitung: Koch, Darmstadt), dem „Institut für Psychotherapie e. V. Berlin“ und dem „Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie München“ gegründet; Viktor von Weizsäcker (Heidelberg) und Ernst Kretschmer (Tübingen) beraten den Arbeitsausschuss. In der „Heidelberger Denkschrift“ werden seine Ergebnisse, vor allem die Konflikte zwischen Kretschmer und dem Arbeitsausschuss diskutiert. Es geht um die obligatorische Lehranalyse, die Förderung der Etablierung des Berufsstandes der „behandelnden Psychologen“ (Laien mit akademischer Ausbildung, „Göring-Erlass“).

(27. – 29. 9.) Die „Studiengesellschaft für Praktische Psychologie“ (Vorsitzender: Störring, Stellvertreter: Hiesche; mit Schulte, Kühnel, Kemper und Dogs) wird in Bad Pyrmont gegründet. Psychotherapie soll grundsätzlich Ärzten vorbehalten bleiben, nichtärztliche Psychotherapeuten sollen die Ausnahme sein.

(18./19. 10.) In Bad Nauheim wird die „Arbeitsgemeinschaft der Westdeutschen Ärztekammern“ gegründet (seit 1955 Bundesärztekammer). In der Hauptversammlung streiten sich Mitscherlich und Kretschmer heftig über die Stellung der Psychoanalyse. Während Mitscherlich die zentrale Stellung der Psychoanalyse innerhalb der Psychotherapie vertritt, stellt Kretschmer die in seiner Klinik stattfindende psychotherapeutisch-psychiatrische Ausbildung als vorbildlich dar.

1948

(2. 4.) In Stuttgart wird das „Institut für Psychotherapie und Tiefenpsychologie“gegründet. Es sind alle tiefenpsychologische Richtungen vertreten. Der Vorsitzende ist Wilhelm Bitter, sein Stellvertreter Felix Schottlaender (dazugehörend: Hermann Gundert, Marie und Wilhelm Laiblin, Jutta von Grävenitz). Weitere Dozenten sind Manfred Breuninger, Lene Keppler, Ursula Lässig, Olga von König-Fachsenfeld und Vera Scheffens. Zu dem Institut gehört eine Erziehungsberatungsstelle (Leitung: W. Laiblin), eine Poliklinik für Erwachsene (Leitung: Ina Böhlendorf, Walter Gollner) und eine Eheberatungsstelle (Leitung: von Graevenitz).

(22. 4.) Die „Ärztliche Arbeitsgemeinschaft für Praktische Psychotherapie“ konstituiert sich in der „Studiengesellschaft für Praktische Psychologie“, die sich als interdisziplinärer Verband versteht. Vorsitzende sind Kühnel, Mohr und Mauz; zum Beirat gehören Jores, Kemper, Schulte, Schultz-Hencke, Störring und Wolff.

Ernst Speer, aus der Jenaer Schule von O. Binswanger stammend, Onkel des ehemaligen Rüstungsministers Albert Speer und ehemaliges NSDAP-Mitglied, initiiert die Lindauer Psychotherapiewochen zusammen mit den „psychotherapeutischen Innungsmeistern“[2] E. Kretschmer, J. H. Schultz und G. R. Heyer, der am „Göring-Institut“ als „rabiater Nazi“ galt. Die Nähe Einzelner zum Nationalsozialismus wird nicht problematisiert.

(19. 6.) Die DPG muss auf Veranlassung der zuständigen britischen Militärbehörden den Zusatz „Zweigvereinigung der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung“ streichen und darf sich lediglich eine regionale Bezeichnung geben. Sie heißt nun „Berliner Psychoanalytische Vereinigung e. V.“.

24. 6. 1948 – 12. 5. 1949 Berlin-Blockade

(11. – 21. 8.) Der 1. Internationale Kongress für Mental Health in London ist mit 2500 Vertretern aus über 50 Nationen das erste große internationale Forum für „geistige Gesundheit“ in der Nachkriegszeit. Der Kongress besteht aus drei Fachkonferenzen aus den Bereichen „Child Psychiatry“ (Thema: „Personality development in its individual and social aspects with special reference to aggression“), 2. „Medical Psychotherapy“ (Thema: „Guilt“), und 3. „Mental Hygiene“ (Thema: „Mental Health and World Citizenship“). Diese letzte Konferenz nimmt den größten Raum ein. Deutsche werden zunächst nicht offiziell eingeladen – lediglich Schottlaender wird zum Kommen aufgefordert. Er soll eine Liste repräsentativer Psychotherapeuten und Psychiater erstellen, deren Einladung nach London erwogen werden könne. Erst zwei Tage vor Beginn des Kongresses fällt die Entscheidung, dass 16 Deutsche, unter ihnen Schulte[3] auch Kemper, der die Gelegenheit zu einem Besuch bei Anna Freud nutzt, als Gäste teilnehmen können. Vor der „British Psychoanalytic Society“ und internationalen Gästen spricht Kemper über die Errichtung, Organisation und Arbeitsweise des Zentralinstituts. "selbst im reichen Amerika“ sei mit „ausgesprochener Anerkennung, ja mit einem gewissen Neid von dem von uns hier tatsächlich Geleisteten Kenntnis genommen" worden. [4]

(11. 9.) Die „Allgemeine Ärztliche Gesellschaft für Psychotherapie“ (AÄGP) wird auf der Jahresversammlung Deutscher Neurologen und Psychiater in Marbach auf Initiative von Ernst Kretschmer neu konstituiert (Vorsitzender: Kretschmer, Schriftführer: Kühnel). Kretschmers Tübinger Psychotherapie-Kurse sind der einzige nicht-psychoanalytische Ausbildungsgang für Psychotherapeuten. Die Kontroverse zwischen Kretschmer und Bitter (als Vertreter der psychoanalytisch orientierten Behandlungsverfahren) löst sich erst Ende der 50er Jahre auf.

(17. 10.) Kretschmer erhebt Einwände gegen die wesentlichen Richtlinien der Heidelberger Denkschrift: Er wendet sich gegen Ausbildungsinstitute, gegen die Notwendigkeit einer Lehranalyse und gegen eine weitere Ausbildung der nichtärztlichen Psychotherapeuten. Kretschmer sieht eine psychotherapeutische Unterweisung seiner Assistenten in seiner Klinik als ausreichende Qualifikation für psychotherapeutisches Arbeiten an.

(4. 12.) Die Freie Universität wird feierlich im Steglitzer Titania-Palast gegründet. Die drei westalliierten Stadtkommandanten, Repräsentanten der Stadtverordnetenversammlung und des Magistrats von Groß-Berlin nehmen an dem Festakt teil. Müller-Braunschweig erhält an der Freien Universität einen Lehrauftrag für Psychoanalyse.

Am Institut für Psychotherapie in Berlin wird eine Psychagogenausbildung (Erziehungsbetreuer, heute Kinder- und Jugendlichentherapeuten) angeboten.

1949

(Anfang) Müller-Braunschweig gründet die Zeitschrift für Psychoanalyse, unter Mitwirkung von Psychoanalytikern des In-und Auslandes. Nach Heft 2 muss ihr Erscheinen aus finanziellen Gründen eingestellt werden.

(25. – 27. 3) Auf Veranlassung der amerikanischen Behörden wird von Wilhelm Bitter eine Konferenz in Stuttgart zur Vorbereitung der Gründung einer psychotherapeutischen Dachgesellschaft einberufen. Teilnehmer sind Müller-Braunschweig (Psychoanalyse), Schultz-Hencke (Neoanalyse), Schmaltz, Bitter (Junggruppe), Seiff (Individualpsychologen), Michel (Künkel-Wexberg-Gruppe), Mitscherlich (Vertreter der ersten Heidelberger Klinik für Psychosomatik, im Einverständnis mit dem Lehrstuhlinhaber von Weizsäcker) und Schulte (Städtische Nervenklinik Bremen). Die Mitglieder des ehemaligen Reichsforschungsinstituts („Göring-Instituts“) werden nur zum Teil und erst nach ihrer Entnazifizierung übernommen. Geprüft wurden auch ihre Ausbildungsvoraussetzungen und ihre Qualifikation. Einzelne müssen Auflagen erfüllen (Kontrollfälle vorlegen und Fachtagungen besuchen). Die in der SBZ lebenden Mitglieder werden nicht zum Beitritt aufgefordert: Beerholdt (Leipzig), Mette (Weimar), Prosch (Kallinchen), Schultze (Görlitz), Tiling (Berlin-Ost), Walter (Wittenberg), Smula (Jena), Holtenhoff (Arnsdorf bei Dresden), Weigel (Leipzig) und Sothmann (Berlin Ost).

(11. 5. – 17. 5.) Die jährlich stattfindenden Lindauer Psychotherapiewochen beginnen (Leitung: Ernst Speer). Bis 1961 nehmen auch Psychotherapeuten aus der DDR an den Wochen teil.

(8. 7.) Nach einer Absprache zwischen der Freien Universität Berlin und Gerhard Scheunert wird eine Leistungspflicht der Deutschen Krankenversicherungs-AG für Studierende nach der ärztlichen, gutachterlichen Anerkennung der Leistungspflicht vereinbart. Die Behandlung durch nichtärztliche Psychotherapeuten erfolgt über eine Überweisung durch Scheunert als Vertreter der Berliner Psychoanalytischen Gesellschaft.

(7. 8.) Die „Deutsche Gesellschaft für Psychotherapie und Tiefenpsychologie“ (DGPT) wird von Wilhelm Bitter in Braunschweig gegründet – als Dachorganisation für alle tiefenpsychologischen Richtungen (DPG, später auch DPV, Jungianer und Adlerianer) und mit berufspolitischer Orientierung.[5] Die Gründung war vom Ärztetag forciert worden, da ein Verhandlungspartner für Psychotherapie in Deutschland dringend benötigt wurde.

Durch Quotierung der Ausbildung (auf zwei ärztliche Kandidaten kommt ein nichtärztlicher – über sieben Jahre) sollen langfristig nichtärztliche Psychotherapeuten entbehrlich gemacht werden. Der erste Präsident ist Viktor von Weizsäcker (Ordinarius für Innere Medizin der Universität Heidelberg), der vor allem als Galionsfigur erscheint. Der Geschäftsführer ist Wilhelm Bitter. Unterstützung kommt von den Professoren von Siebeck, Carl Oelemann (Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Westdeutschen Ärztekammern) und Hans Neuffer (Präsident der Ärztekammer Nord-Württemberg, Erster Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Westdeutschen Ärztekammern). Mitglieder des ersten Ehrenpräsidiums der DGPT sind I. H. Schultz, von Gebsattel, Bally und Maeder.

(15. – 19. 8.) Der 16. IPV-Kongress in Zürich – nun „International Psychoanalytical Association“ (IPA), vor dem Krieg „Internationale Psychoanalytische Vereinigung“ (IPV)[6] – ist das erste offizielle Treffen von Psychoanalytikern nach dem Krieg in Europa. Die öffentliche Kontroverse zwischen Müller-Braunschweig und Schultz-Hencke führt dazu, dass die DPG nur vorläufig in die IPV aufgenommen wird, mit der Auflage, ihre Position zu klären.

(20. 9.) Schultz-Hencke wird zum Professor mit Lehrauftrag für Psychotherapie an der Medizinischen Fakultät der Humboldt-Universität berufen. Die DPG verabschiedet am 26. 9. eine Resolution, die die Gleichzeitigkeit von Positionen im Osten und Westen Berlins untersagt. Daraufhin gibt Schultz-Hencke die Professur wieder auf, um das Westberliner Institut weiter leiten zu können.

(23. 9.) Die Organisation der Psychotherapie wird von Psychiatern (Kretschmer, von Weizsäcker, Mohr, Mauz, I. H. Schultz, Speer, Ruffin und Wegscheider) und Psychoanalytikern (Schultz-Hencke, Schulte und Kühnel) beraten. Die Ausbildung von behandelnden Psychologen wird vorläufig anerkannt (das Verhältnis 2:1 soll auf sieben Jahre begrenzt sein). Behandelnde Psychologen sollen als Angestellte oder Beamte eingesetzt werden. Sie werden den ärztlichen Hilfsberufen nach dem Gesetz vom 28. 9. 1938 zugeordnet. Die Ausbildungsstätten für Psychotherapie sind klar bestimmte Kliniken und Institute. Die interne Abstimmung von DGPT und AÄGP und ihr gemeinsames öffentliches Auftreten wird für dringend erforderlich gehalten.

(7. 10.) Mit der Gründung der DDR wird der Osten Deutschlands von einer systematischen psychoanalytischen Ausbildung abgeschnitten. Bis 1961 kommen einzelne Kandidaten unter großen materiellen Opfern zur Ausbildung, ohne sie abzuschließen. Inhaltlich bestimmen Schultz-Hencke und seine Anhänger Schwidder, Derbolowsky und Kühnel das Psychoanalyseverständnis in der DDR. Alexander Mette gibt die Zeitschrift für Psychiatrie, Neurologie und Medizinische Psychologie heraus, die als Fachzeitschrift der DDR bis 1990 existiert. Kemper, Schultz-Hencke und andere wirken daran mit.[7]

(20. 10.) Müller-Braunschweig unterrichtet IPV-Präsident Bartemeier von seinen Bemühungen, Schultz-Hencke zum Austritt aus der DPG zu bewegen.

Außerhalb Berlins entstehen weitere Arbeitsgruppen und stationäre psychotherapeutische Einrichtungen in Tübingen, Frankfurt und Düsseldorf.

(23. 11. – 25. 11.) Anlässlich der „1. Tagung der Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Gesundheitsminister und Leitenden Medizinalbeamten der Länder“ wird politisch die Einheit zwischen Berlin und der BRD demonstriert. Unter anderem geht es um die Ausbildung und Zulassung von Psychotherapeuten („Berliner Entwurf“).

1950

(10. 2.) Schultz-Hencke meint, dass „in einer kommenden Arbeitsgemeinschaft analytischer Psychotherapeuten [...] die Männer um 30 herum dominieren, die Frauen, und besonders die nichtärztlichen Frauen [...], in abgehobener Weise an Zahl zurücktreten“ müssen.

(14. 2.) Walter Ritter von Baeyer gegenüber lässt Schultz-Hencke durchblicken, dass die Fortentwicklungen der Freud’schen Psychoanalyse in den USA in den 40er Jahren seinen (Schultz-Henckes) Anregungen zu verdanken sei.

(27. 2.) In Westberlin und in Westdeutschland herrscht eine bedrohliche Überfüllung des Ärztestandes. So wurden energische Einwände gegen die Ausbildung nichtärztlicher Psychotherapeuten erhoben. Baumeyer empfiehlt deshalb einen regelmäßigen Austausch der Ausbildungskandidaten-Listen zwischen allen Instituten.

(27.3.) Müller-Braunschweig hält die Differenzen zwischen Schultz-Hencke und Freud für so gravierend, dass er dem IPA-Präsidenten Leo Bartemeier seine Überlegungen zu einem Ausschluss Schultz-Henckes, der nicht freiwillig austreten würde, darlegt: Obwohl von den 37 Mitgliedern nur drei oder vier hundertprozentige Anhänger Schultz-Henckes seien und sein Einfluss zu vernachlässigen sei (1:9), könnte eine Mehrheit für seinen Ausschluss aus Gründen der Kollegialität nicht gewonnen werden.

Müller-Braunschweig äußert seine Enttäuschung darüber, dass die Wiederaufnahme der DPG in Zürich überhaupt Diskussionsgegenstand gewesen sei.

(28. 3.) Der Psychoanalytiker Hans March sieht in den Amalgamierungsthesen Schultz-Henckes eine Fortsetzung des Göring’schen Konzepts der Einheitspsychotherapie.

(April) In Heidelberg gelingt Mitscherlich mithilfe der Intervention von Carlo Schmid, Staatsminister im Württembergischen Kulturministerium, die Gründung der Abteilung für allgemeine Therapie der klinischen Universitätsanstalt Heidelberg am Lehrstuhl für allgemeine Medizin von Viktor von Weizsäcker. Die Anschubsfinanzierung wird durch die Rockefeller Stiftung geleistet, die Komplementärfinanzierung von der Notgemeinschaft Deutscher Wissenschaftler (mit Sachbeihilfe) und der westdeutschen Ärztekammer.[8] „Laien“ können in der Klinik nicht psychoanalytisch ausgebildet werden. Die Rockefeller Stiftung finanziert auch die zur Ausbildung notwendigen Lehranalysen.

(Mai) Im Rahmen der ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie findet in Lindau eine Psychotherapiewoche statt. Abgesehen von I. H. Schultz wird kein Berliner eingeladen. Nach Baumeyer hätten die dortigen Referenten nur ein loses Verhältnis zur Psychotherapie.

(13. 5.) Carl Müller-Braunschweig, Vorsitzender der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG), beschließt zusammen mit Käthe Dräger, Ingeborg Kath, seiner Frau Ada, Hans March, Gerhard Scheunert, Margarete Steinbach und Marie Luise Werner die Gründung der „Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung“ (DPV). Der Plan bleibt zunächst geheim.

(15. 6.) Baumeyer berichtet Kemper von der schwierigen Situation in Berlin: Die ursprüngliche Koalition gegen Schultz-Hencke, der sich auch Boehm angeschlossen hatte und die von Baumeyer geleitet wurde, habe sich durch Spannungen und Rivalitäten gespalten. Zwei Drittel des Nachwuchses neigten der Neoanalyse zu. Auch in Westdeutschland seien alle Psychotherapeuten miteinander verfeindet: „Bitter hat Krieg mit Kretschmer und Mitscherlich“. Stuttgart und München propagieren weiter die Ausbildung Nichtärztlicher – was bei dem enormen Ärzteüberschuss und Kretschmers Haltung Widerstand hervorruft.

(2. / 3. 6.) Anlässlich der 66. Wanderversammlung der Südwestdeutschen Psychiater und Neurologen (Badenweiler) hält der schweizer Daseisanalytiker Medard Boss, der zugleich Mitglied der IPV ist, einen Vortrag über die Behandlung eines Transvestiten. Mitscherlich nutzt diese Präsentation als Ausgangspunkt für eine umfangreiche Identitätsdiskussion in der Psyche, bei der 24 namhafte Psychoanalytiker, Psychotherapeuten und Psychiater (unter ihnen Bally, Binswanger, Bleuler, Brun, Dührssen, Jores, Jung, Kemper, Schultz-Hencke, von Weizsäcker, Gundert, Mauz und Zutt) zu der Frage Stellung nehmen, ob Kastration ein zulässiges ärztliches und psychotherapeutisches Vorgehen sei.

(9. 6.) In Heidelberg einigen sich die Vertreter aller psychotherapeutischen Einzelschulen unter dem Vorsitz von Ministerialdirigent Lewenstein, mit von Weizsäcker, Schultz-Hencke, Speer, Kühnel und anderen, auf die zu erfüllenden Voraussetzungen für die Anerkennung einer Klinik bzw. eines Instituts als vollwertige Ausbildungsstätte („Heidelberger Beschlüsse“). Demnach werden langjährige eigene Erfahrungen, die Möglichkeit alle wesentlichen psychotherapeutischen Methoden zu lernen und eine eigene psychotherapeutische Abteilung gefordert. Auf die Lehranalyse als zwingender Ausbildungsbestandteil wird verzichtet. Die Ausbildungsquote von Ärzten zu Nichtärzten beträgt 2:1.

(10. 6.) Die „Deutsche Psychoanalytische Vereinigung“ (DPV) wird gegründet. Müller-Braunschweig ist der Vorsitzende; March, Scheunert, Dräger, Kath und Steinbach sind die Mitgründer. Die übrigen DPG-Mitglieder sind empört über das Vorgehen ihres Vorsitzenden und entziehen Müller-Braunschweig ihr Vertrauen (8:6).

(23. 8.) Müller-Braunschweig fordert nachdrücklich von IPV-Präsident Bartemeier die volle Anerkennung der DPV, da die alte DPG sich wohl nicht auflösen werde und neoanalytisch zu werden drohe. Müller-Braunschweig rät dringend von der Aufnahme der DPG als IPV-Mitglied ab.

(18. – 28. 9.) Der erste Weltkongress für Psychiatrie findet in Paris statt.

(22. 9.) IPV-Präsident Bartemeier übermittelt das Einverständnis des Zentralkomitees der IPV zur provisorischen Anerkennung der DPV bis zum Amsterdamer Kongress im August 1951. Abgesehen von gemeinsamen Standes-, Berufs- und Prüfungsfragen erscheint eine Zusammenarbeit von DPV und Psychoanalytischem Institut (IfP) nicht mehr möglich.

(30. 9.) Die Neugründung DPV findet Bitters Anerkennung als Ausbildungsinstitut – das ist für DPV-Gruppe sehr wichtig.

(9. 11.) Mit seiner DPV-Gründung will Müller-Braunschweig zwei Gesellschaften schaffen – eine psychoanalytische und eine neoanalytische – und die DPG-Mitglieder zu einer Entscheidung für die eine oder andere veranlassen. Die „Unentschiedenen“ sollen im Institut für Psychotherapie bleiben. Einen Austritt der DPV-Mitglieder aus der DPG beabsichtigt er nicht. Die Frage der Auflösung der DPG will er der Generalversammlung der DPG überlassen.

(22. 11.) Bitter lädt Delegierte der verschiedenen psychotherapeutischen Gruppen zu einer wichtigen Sitzung nach Stuttgart ein. Es soll die Gründung einer psychotherapeutischen Dachgesellschaft vorbereitet werden.

(30. 11.) Müller-Braunschweig erhält als DPG-Vorsitzender die Einladung – March bittet um eine gesonderte Einladung für die neu gegründete DPV.

Im „Göttinger Burgfrieden“ einigen sich Nervenärzte und analytische Psychotherapeuten darauf, in den nächsten zehn Jahren getrennt zu arbeiten, ohne einander ins Gehege zu kommen (nach Brocher, Vorstandsrundschreiben vom 7. 2. 1961).

Der 53. Deutschen Ärztetag beschließt Berufs- und Facharztordnungen und beseitigt die nationalsozialistisch geprägten Passagen der Berufsordnung von 1937. In einer Resolution bedauert der Deutsche Ärztetag das Unrecht, das die „nationalsozialistischen Machthaber“ den „deutschen Ärzten jüdischen Glaubens“ zugefügt haben. Alle deutschen jüdischen Ärzte sollten in ihre früheren Rechte wieder eingesetzt werden.[9]

(3. 12.) Die von der alliierten Kommandantur erlassene Anordnung über die Beschränkung der Vereinstätigkeit in Berlin wird aufgehoben und die „Berliner Psychoanalytische Vereinigung e. V.“ heißt nun wieder offiziell „Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft“.

(3. 12.) In einer emotional sehr aufwühlenden Mitgliederversammlung treten die acht DPV-Mitglieder aus der DPG aus. 14 DPG-Mitglieder bleiben zurück, Boehm ist nun wieder Vorsitzender der DPG.

(31. 12.) Von der DPV kann nur dann ein Delegierter zu dem DGPT-Vertreter-Treffen kommen, wenn es einen weiteren Reisezuschuss gibt (und nicht nur einen für den DPG-Vertreter). Müller-Braunschweig bittet mit Hinweis auf die zugesicherte Mitgliedschaft der DPV in der IPV darum, dass der DPV ein Platz in den Gremien der DGPT freigehalten wird. Müller-Braunschweig erklärt Bitter, dass die DPV Mitglieder eigentlich in der DPG hatten bleiben wollen, dass aber „durch die ablehnende Haltung und die gewaltsamen Maßnahmen der Gegenpartei, insbesondere der Funktionäre des IfP“ ein Austritt unumgänglich geworden sei. Das IfP galt als Keimzelle einer Standesvertretung; durch die Gründung der DGPT verliert das IfP diese Funktion.

Das Gesetz zur Anpassung des Rechts der Sozialversicherung in Berlin an das in der Bundesrepublik Deutschland geltende Recht vom 3. 12. 1950 stellt die finanzielle Selbstständigkeit der drei Sozialversicherungsträger Kranken-, Renten- und Unfallversicherung wieder her (bei Aufrechterhaltung der verwaltungsmäßigen Einheit) und entlässt die in der VAB zwangsversicherten Selbstständigen (Handwerker, Händler, freie Berufe) aus der Versicherungspflicht (in der Folge erlebt die private Krankenversicherung in West-Berlin einen Aufschwung).

Die erste Besprechung findet im Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung mit Vertretern der Ärzte und der Krankenkassen statt. Es geht um eine bundeseinheitliche Neuregelung des Kassenarztrechts. Die Verhandlungen ziehen sich bis 1955 hin.

1951

Die Zeitschrift für Psychotherapie und Medizinische Psychologie wird als Organ der Nachkriegs-AÄGP – zugleich der „Österreichischen Allgemeinen Ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie“, der heutigen „Österreichischen Ärztegesellschaft für Psychotherapie“ – von Kretschmer gegründet. Mauz und Kühnel sind die Mitherausgeber. Im ersten Band finden sich auch Beiträge von Boehm, Dührssen und Schultz-Hencke. Nach einigem Zögern veröffentlicht ab 1954 auch Kemper in der Zeitschrift.

(Jan.) Max Horkheimer, Direktor des Frankfurter Instituts für Sozialforschung, lädt Mitscherlich nach Frankfurt zu einer Konferenz ein, in der es um Perspektiven sozialpsychologischer Forschung in der Bundesrepublik geht. Horkheimer wurde auf Mitscherlich durch seinen Bericht über die Nürnberger Ärzteprozesse aufmerksam.

(15. 1.) Die „Bremer Arbeitsgruppe für Psychotherapie“ wird durch Buder und Schulte, zwei Psychoanalytiker unterschiedlicher Richtungen, als eingetragener Verein zur Forschung und Fortbildung gegründet.

(26. – 30. 1.) Die erste Tagung der „Gesellschaft Deutscher Neurologen und Psychiater“ wird in Stuttgart abgehalten.

(31. 1.) Kemper zweifelt daran, dass Boehm die DPG-Anerkennung bei der IPV erlangen kann, und auch daran, dass Müller-Braunschweigs Gruppe „überlebt“. Durch den Züricher Vortrag hat Müller-Braunschweig die Aufmerksamkeit auf Dinge gelenkt, die intern hätten geregelt werden müssen.

(Februar) In Hannover wird das „Psychotherapeutische Institut mit Erziehungsberatungsstelle für das Land Niedersachsen“ von Hans Alfken nach dem Vorbild der „Child Guidance Clinic“ in London konzipiert. Alfken war ab 1947 leitender Ministerialbeamter im niedersächsischen Kultusministerium und hatte 1950 den „Verein zur Förderung der Erziehungsberatung e. V.“ gegründet. Von Kühnel und Bitter beraten, stellt er Ursula Zenke, Karl Tornow und Gisela Schuster (zur Nedden) als erstes Team ein und überträgt Ina Boehlendorf den Aufbau der psychoanalytischen Ausbildung. Die Examina werden in Stuttgart oder Göttingen abgelegt.

(10. 2.) Boehm äußert Verständnis für Müller-Braunschweig, wirft ihm aber autokratisches Verhalten in Bezug auf die unabgesprochene Finanzierung der Zeitschrift für Psychoanalyse durch DPG-Gelder vor. Außerdem verlangt er die DPG-Korrespondenz zurück, die Müller-Braunschweig als Schriftführer geführt hatte. Boehm schlägt eine gütliche Einigung vor.

Vor allem im ersten Halbjahr sind die Spannungen zwischen DPV und DPG „rücksichtslos und voller Affekte“. Boehm kämpft für die Mitgliedschaft der DPG in der IPV auf lokaler Ebene.

(27. 2.) Den DGPT-Mitgliedern wird von ihrem Vorstand empfohlen, von Verhandlungen mit den Spitzenverbänden der Krankenkassen zur Kostenübernahme von Psychotherapien zunächst Abstand zu nehmen. Stattdessen sollen die Institute bzw. Arbeitsgemeinschaften mit den örtlichen bzw. regionalen Versicherungsträgern Abkommen für eine angemessene Entschädigung psychotherapeutischer Behandlungen im Rahmen der Pauschale, als Sonderleistung oder außerhalb der Pauschale anstreben. Das Abkommen mit der Versicherungsanstalt Berlin (VAB) kann als Vorbild bei den Verhandlungen dienen. Erst wenn sich auf diese Weise eine Art Gewohnheitsrecht herausgebildet hat, wird die DGPT eine einheitliche Honorierung anstreben.

(1. 3.) In München wird im Rahmen der Medizinischen Poliklinik und der Kinder-Poliklinik der Universität eine psychosomatische Beratungsstelle für Kinder und Erwachsene eröffnet. Sie untersteht den Direktoren der beiden Kliniken, Seitz und Weber. Die psychotherapeutische Leitung hat Johannes Cremerius.

(15. 3.) Auf Anregung des Landesgesundheitsamts Berlin wird der „Ausschuss für seelische Gesundheit der Stadt Berlin“, bestehend aus 18 Personen, gegründet. Er hat die Aufgabe, in Zusammenarbeit mit Psychoanalytikern die Organisation der Erziehungsberatungsstellen zu planen. Der Psychologe Curt Bondy (Hamburg), Mitglied der Gilde Soziale Arbeit, der als Oppositioneller des NS-Regiemes das KZ Buchenwald und die Emigration überlebt hat, fordert die Verbreitung der Erziehungsberatung auf psychoanalytischer Basis.

(30. 4. – 5. 5.) Die 2. Lindauer Psychotherapiewoche befasst sich mit dem Stand der Psychotherapie im westlichen Ausland und mit psychosomatischen Problemen. Zu den Vortragenden gehören: Bjerre (Schweden), Brüel (Dänemark), Frankl (Österreich), Laforgue (Frankreich), Stokvis (Holland), aber auch Heyer, Kretschmer und I. H. Schultz. Die Teilnehmer aus dem In- und Ausland entsprechen dem Personenkreis, der zur „Internationalen Allgemeinen Ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie“ gehört hatte.

(4. 5.) Bitter fragt, ob Boehm ihn zur Mitgliedschaft in „seiner“ Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (gemeint ist die DPG) vorschlagen wolle. Bitter war über 1000 Stunden bei Boehm in Lehranalyse, hatte Analysekontrollen bei Kemper, psychoanalytische Theorie bei Roellenbleck und an Vorlesungen und Seminaren teilgenommen. Nach dieser fünfjährigen intensiven Ausbildung hatte er sich mit den „deviations“ befasst, Jung’sche Lehranalysen bei Maeder, Bügler, Jung und Lambert gemacht. Er erfährt mit Interesse, dass Schultz-Hencke noch Mitglied der DPG ist.

(22. 5.) Das Gesetz zur Selbstverwaltung und zur Änderung von Vorschriften auf dem Gebiet der Sozialversicherung führt für die gesetzlichen Krankenversicherungen die paritätische Besetzung der Selbstverwaltungsorgane mit Versichertenvertretern und Vertretern der Arbeitgeber ein (analog zu der ebenfalls neuen paritätischen Beteiligung an den Versicherungsbeiträgen: zuvor Arbeitnehmer zwei Drittel, Arbeitgeber ein Drittel; bei den Ersatzkassen besteht die Vertreterversammlung weiterhin nur aus Vertretern der Versicherten).

(11. – 15. 6.) Der Senat der Stadt Berlin und das Institut für Psychotherapie veranstalten eine Arbeitstagung für analytische Psychotherapie und Erziehungshilfe, die vor allem von Schwidder und Dührssen organisiert wird. Sie findet in großartigem Rahmen in der Festhalle am Berliner Funkturm statt.

(5. 8.) Der internationale Kongress für Psychotherapie in Leiden befasst sich mit dem Thema: Der affektive Kontakt.

(5. 8. – 9. 8.) In der Geschäftssitzung des 17. IPV-Kongresses in Amsterdam wird die DPV in die IPV aufgenommen. Die DPG verliert ihre provisorische Mitgliedschaft. Heinz Hartmann, IPV-Präsident, lässt die Möglichkeit durchblicken, die IPV-Mitgliedschaft der DPG nach entsprechender Prüfung erneut zu verhandeln. Anna Freud unterstützt dieses Vorgehen.

(2. Hälfte 1951) Mitscherlich spinnt an einem nationalen und internationalen Netz psychoanalytischer Autoren für die Psyche.

(Dezember) Die DPG ist international mit wenigen Ausnahmen (z. B. Balint) isoliert.

1952

Schwidder und Dührssen geben die Zeitschrift Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie heraus. Die verwaltungsmäßige Einheit der VAB in West-Berlin wird aufgelöst. Es werden eigenständige Renten- und Unfallversicherungsträger gegründet. Bei der VAB verbleibt nur noch die Krankenversicherung und sie wird daher in Krankenversicherungsanstalt Berlin (KVAB) umbenannt. Für die Renten- und Unfallversicherung ist somit die Rechtsgleichheit zum Bundesgebiet bereits vollzogen, während es in der gesetzlichen Krankenversicherung noch bei einem einzigen Versicherungsträger bleibt.

(18. 3. / 26. 3.) Die DPV festigt ihre internationale Position mit Rückendeckung durch Anna Freud, die Müller-Braunschweig versichert, dass die Aufnahme der DPG in die IPV nicht zur Debatte stehe.

(1. 7.) Boehm erhebt Einspruch gegen die Abweisung der DPG als IPA-Mitglied, da die angekündigte Untersuchung der Verhältnisse in Berlin ausgeblieben war.

(24. – 30. 8.) In Brüssel wird die Jahresversammlung der World Federation for Mental Health abgehalten.

(13. 9. 1952 / 13. 4. 1953) Der Papst kritisiert die Freud’sche Psychoanalyse. Die DGPT verfasst eine offizielle Stellungnahme dagegen.

(8. – 11. 9.) Auf der 2. Arbeitstagung der DGPT (= 2. Psychotherapeutenkongress) in Stuttgart geht es um die Klärung wissenschaftlicher Grundpositionen: Carl Müller-Braunschweig (Berlin) spricht für die Freud’sche Schule, Franz Baumeyer (Berlin) für das Institut für Psychotherapie e. V. Berlin, A. Müller (Amsterdam) für die Individualpsychologie, Edgar Herzog (München) für Jung-Künkel’sche Aspekte, Wolfgang Hochheimer (Berlin) für die Jung’sche Schule und Harald Schultz-Hencke (Berlin) für seinen Versuch einer „Amalgamierung“ der Aspekte von Freud, Adler und Jung. Konsens scheint zu sein, dass die Schultheorien notwendig divergent bleiben müssen, dass es aber notwendig ist, nicht nur die eigene Theorie und Fachsprache zu verstehen, sondern auch die der anderen Richtungen.

(21. 11.) Müller-Braunschweig übersendet Bitter die Ausbildungsrichtlinien der DPV, da das Gerücht gehe, dass die DPV nicht als Ausbildungsstätte anerkannt werden kann. Die Richtlinien entsprächen im Wesentlichen den 1923 von Müller-Braunschweig erarbeiteten, die bis 1936 Gültigkeit gehabt hätten und auch Grundlage der Richtlinien des IPV-Unterrichtsausschusses seien. Er empfiehlt Bitter, sie auch zur Grundlage der DGPT-Ausbildung zu machen, betont aber auch deren Souveränität. Müller-Braunschweig weist Bitter auf Glovers Kritik an Schultz-Henckes Lehrbuch hin.

(Dezember) Mitscherlich bemüht sich bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft um Sachbeihilfe für sein Institut, nachdem die Subventionierung der Amerikaner vertragsgemäß (im Herbst 1954) ausläuft. Er stößt auf radikale Ablehnung und führt sie auf seine Stellungnahme im Nürnberger Ärzteprozess zurück, die vielfach als „Nestbeschmutzung“ aufgefasst worden ist. Mitscherlich vertrat die Position, die von Ärzten begangenen Verbrechen seien die fast unvermeidliche Konsequenz der bisherigen Wissenschaftsgesinnung.

1953

Es erscheint die von Schwidder, Boehm und Dührssen herausgegebene Zeitschrift für Psychosomatische Medizin und Psychoanalyse.

(8. 1.) Der Einspruch der DPG gegen die Entscheidung der IPV, die DPG nicht wieder aufzunehmen, wird endgültig von IPV-Präsident Heinz Hartmann zurückgewiesen.

Nach einer Unterbrechung von 25 Jahren finden im Mai in Berlin die ersten Sozialwahlen zu den Selbstverwaltungsorganen der Sozialversicherungsträger statt.

(23. 5.) Harald Schultz-Hencke stirbt überraschend.

(31. 5.) Mitscherlich würdigt Schultz-Henke in einem Beileidsschreiben dankbar als Partner, mit dem er gerungen habe. Die Unbedingtheit, mit der er eine Position vertrat, sichere ihm „die Wirksamkeit über den Tod und über den Kreis seiner unmittelbaren Schüler hinaus. In unserem Kampf um wirkliche tiefenpsychologische Forschung wird er uns sicher fehlen – gerade in Deutschland – nicht nur in Deutschland“ [10]

(4. 6.) Hochheimer zeichnet ein desolates Bild der Psychoanalyse am IfP nach Schultz-Henckes Tod. Es scheint niemanden zu geben, der profiliert genug ist, um seine Nachfolge anzutreten oder im Zentrum einer „Sammlungsbewegung“[11] zu stehen.

(26. 7. – 30. 7.) In London findet der 18. IPV-Kongress statt.

(17. 9.) Mitscherlich sammelt regionale Expertisen zur Honorierung psychotherapeutischer Leistungen. Scheunert, als Vertreter der kassenärztlich tätigen Psychotherapeuten in der Psychotherapiekommission der Vereinigung der Sozialversicherungsärzte (entsprechend der westdeutschen KVD) und als Vorstandsmitglied des Vereins Berliner Nervenärzte e. V. gibt über die verwickelten Berliner Verhälnisse Auskunft: Ersatzkassen sind nicht zugelassen, es gibt nur eine Einheitsversicherung. Scheunert (DPV) und Baumeyer (DPG), als Vertreter des Zentralinstituts für psychogene Erkrankungen der VAB-Berlin, beziehen sich kollegial aufeinander (an Mitscherlich am 30. 9. 1953, DGPT-Archiv).

Gollner berichtet aus Stuttgart: Hier konstellieren sich neue Konfliktfelder hinsichtlich der Honorierung psychotherapeutischer Leistungen. Die Lage in Baden-Württemberg ist undurchsichtig und bestimmt von der Willkür über- und untergeordneter Funktionäre. Vertreter des Landesausschuss’ Baden-Württemberg zeigen sich entgegenkommend, der Ortsausschuss desselben Verbandes, im Einvernehmen mit der nervenärztlichen Vereinigung, ablehnend. Auch mit der Ortsstelle der KV scheint keine Reglung möglich. Bei zwei Therapiesitzungen pro Woche (durch Pauschalvergütung) entspricht das Honorar nicht einmal dem eines ungelernten Hilfsarbeiters (an Mitscherlich am 6. 10. 1953, DGPT-Archiv).

(7. 10.) Scheunert informiert Mitscherlich, dass die Honorarverteilungskommission gegen die Vergütung von Psychotherapie einwende, dass der Begriff zu unbestimmt sei. Denn Nervenärzte behaupten: „Wir machen auch Psychoanalyse, bloß eben nicht ganz in Ihrem Sinne.“

(15. 10. – 18. 10.) Die 3. Arbeitstagung der DGPT findet im Hamburger Völkerkundemuseum statt. Die Beiträge aus Freud’scher, neoanalytischer, Jung’scher und Adler’scher Sicht sowie aus psychosomatischer Perspektive haben das Thema „Der Mensch unter dem Zwang“ in ihrem Fokus. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (Nr. 249 vom 26. 11. 1953) hebt anerkennend hervor, dass die Schulen nicht starr auf ihrem jeweiligen Standpunkt verharren, sondern aufeinander hören.

Mitscherlich übernimmt von Bitter die Geschäftsführung der DGPT. Bis 1965 bestimmt er – ab 1958 zusammen mit Brocher – die Politik der Gesellschaft. Seine Position legt er bei der Beantragung von Sachmitteln für sein Institut bei der DFG in die Wagschale und weist auf die Notlage einer ganzen Gruppe von Forschern hin, die in Deutschland noch nie eine irgendwie ins Gewicht fallende Unterstützung genossen hätten (1. 3. 1954).

(17. 10.) Hans-Werner Meyer, leitender Arzt an der Poliklinik für Psychotherapie in Berlin-Ost (Karlshorst) stellt, als einziger Kollege aus der DDR, einen Antrag bei der Mitgliederversammlung um Aufnahme bei der DGPT. Im selben Jahr siedelt er nach Wiesbaden über.

Der Berufsverband „Vereinigung Deutscher Psychagogen e. V.“ wird gegründet. Ab 1975 orietiert er sich vorwiegend an psychoanalytischen Konzepten. Die Vereinigung nennt sich nun „Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten“.

Mitscherlich nimmt im Sachverständigenausschuss des Bundestags Stellung zum Verhältnis von psychosomatischer Medizin und Krankenkasse. Er plädiert für eine Sonderstellung der Psychoanalyse und tritt für die Kostenübernahme einer 25-stündigen Probeuntersuchung und für eine bis zu 150-stündigen analytischen Behandlung ein.[12]

(28. 12.) Als Vorstandsmitglied der DGPT, der Gesellschaft Deutscher Neurologen und Psychiater und Schriftführer der Allgemeinen Ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie bemüht sich Gottfried Kühnel um die Koordination aller Gesellschaften, die mit Psychotherapie zu tun haben. Er unterbreitet der Westdeutschen Ärztekammer einen Vorschlag zur Etablierung der Psychotherapie. Eine besondere Gruppe sei einzurichten, die fachgerechte psychotherapeutische Leistungen erbringen kann. Dazu müsse eine nachgewiesene Qualifikation erworben werden und vor der Durchführung einer lang dauernden analytischen Psychotherapie die Berechtigung und der Aussichtsgrad einer solchen umfangreichen Maßnahme sichergestellt sein.

Im Landeskrankenhaus Tiefenbrunn, der alten Niedersächsischen Landesheilstätten Rasemühle bei Göttingen, entsteht mit Kühnel und Schwidder ein psychoanalytischer Schwerpunkt im stationären Bereich. Das Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie (DPG) Göttingen e. V. (seit 1994 Lou-Andreas-Salomé-Institut) wird von Gottfried Kühnel, Leiter des Krankenhauses Tiefenbrunn, seinem Oberarzt Werner Schwidder und dem frei praktizierenden Psychoanalytiker Franz Heigl gegründet. Schwidder legt mit der „Rosenvilla“ in Tiefenbrunn die Grundlage für eine kindertherapeutische Ausbildung (damals „Psychagogen“). An die von Hermann Nohl bereits 1947 aufgebaute, tiefenpsychologisch ausgerichtete Erziehungsberatungsstelle des Frauenrings knüpft er offiziell nicht an. Zu den Unterstützern des Instituts, in dem auch Erwachsenentherapeuten ausgebildet werden, gehören die Psychoanalytikerinnen Elli Achelis und Margarete Seiff aus Berlin, später Bonn.

1954

(Juli) Auf dem 6. Kongress für Individualpsychologie wird der frühere „Internationale Verein für Individualpsychologie“ als „Internationale Vereinigung für Individualpsychologie“ (IVIP) mit Generalsekretariat in Zürich neu gegründet. In London gibt Paul Rom den monatlichen „Individual Psychology News Letter“ heraus.

(24. – 26. 9.) Die 4. Arbeitstagung der DGPT (identisch mit dem 3. DGPT-Kongress) in Heidelberg ist von der Auseinandersetzung mit Schultz-Henckes Konzept der Synthese der verschiedenen Schulen durch Amalgamierung geprägt. Daneben wird das nationalsozialistische Gleichschaltungskonzept noch relativ ungebrochen vertreten. Zum Beispiel hieß es noch 1954, dass „Schulstreitigkeiten (Freud, Jung)“ überwunden werden sollten, um zu einer einheitlichen „Seelenheilkunde“ zu kommen (Buder).

Neue berufspolitische Aufgaben sind zu bewältigen: Die Psychoanalyse muss als Therapie einen rechtlichen Rahmen erhalten (das erfordert Auseinandersetzungen und Beratungen mit dem Deutschen Ärztetag); die verschiedenen Strömungen der Psychoanalyse müssen sich zu einer gemeinsamen Handlungsfähigkeit zusammenfinden und eine Aktionsgemeinschaft mit der allgemeinen Ärzteschaft, den Psychotherapeuten und den Nervenärzten schaffen; außerdem ist die Frage des Kassen- und Beihilferechts zu klären. Rechtsanwalt Hellmut Becker wird zum juristischen Berater der DGPT bestellt. Er soll sich um die juristischen Aspekte von Berufsbezeichnung, Gebührenordnung und Kassenzulassung kümmern.

Die DGPT hat 200 Mitglieder und teilt sich in zwei Sektionen auf: in eine für ärztliche Tiefenpsychologen und eine für Tiefenpsychologen mit anderer Vorbildung. Die Verhandlungspartner/-gegner sind die „Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Neurologie“ (Kretschmer), die „Deutsche Gesellschaft für Psychologie“ und der „Berufsverband deutscher Psychologen“. I. H. Schultz ist der Repräsentant der DGPT für die Ärzte, Hochheimer für die Nichtärzte.

Anlässlich der 70. Wanderversammlung Südwestdeutscher Neurologen wird die „Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Neurologie“ (DGPN) gegründet. Ihr erster Vorsitzender ist Jürg Zutt (bis 1956), der nach einer psychoanalytischen Selbsterfahrung bei Karl Abraham die Psychoanalyse für „überbewertet“ hielt.

(16. 10.) Behnsen, Facharzt für Nerven- und Gemütskrankheiten vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte nimmt über Kühnel, Vorstandsmitglied der DGPT, der „Gesellschaft Deutscher Neurologen und Psychiater“ und Schriftführer der „Allgemeinen Ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie“, der sich um die Koordination aller Gesellschaften bemüht, Kontakt auf. Der Gebührenordnungsausschuss der „Arbeitsgemeinschaft der Westdeutschen Ärztekammer“ beschneidet psychotherapeutische Leistungen und lehnt es ab, hochwertige Leistungen, die nur aufgrund einer entsprechenden Sonderausbildung möglich sind, an den Nachweis einer derartigen Ausbildung zu knüpfen, da dies dem Grundprinzip der bisherigen Gebührenordnung widerspreche. Der „Berufsverband Deutscher Nervenärzte“, mitbeauftragt von der „Gesellschaft Deutscher Neurologen und Psychiater“, steht in Verhandlung zur Gestaltung der neuen Gebührenordnung. Er begrüßt eine engere Zusammenarbeit mit der psychotherapeutischen Fachgesellschaft in den Gebührenordnungsfragen und in zahlreichen anderen wirtschaftlichen und standespolitischen Fragen, die der Berufsverband vertritt.

(12. 11.) Kühnel erklärt sich bereit, zur weiteren Klärung wirtschaftlicher und standespolitischer Fragen gegebenenfalls im Rahmen eines Arbeitsausschusses zusammenzuarbeiten. Er betont, dass nur durch den Nachweis einer Qualifikation die Skepsis der Kostenträger gegen eine ausreichende Honorierung und Anerkennung psychotherapeutischer Leistungen überwunden werden könne.

(25. 11.) Anlässlich der Neubearbeitung der Facharztordnung für Ärzte wirft Kretschmer die Frage der Notwendigkeit eines „Facharztes für Psychotherapie“ auf. Es müsse eine Sonderregelung für die Spezialausbildung in Psychotherapie gefunden werden. Da Nervenärzte Einspruch gegen eine solche Spezifizierung erheben würden, beantragt er beim Präsidium des Deutschen Ärztetages und der „Arbeitsgemeinschaft der Westdeutschen Ärztekammer“ in Köln die Einführung des Zusatztitels „Psychotherapie“, der an eine Sonderausbildung in Psychotherapie gebunden ist.

(Spätherbst) Die Nervenärzte und Psychoanalytiker Wolf-Dietrich Grodzicki und Ulrich Ehebald rufen in Hamburg eine kleine psychoanalytische Arbeitsgruppe ins Leben.

(9. 12.) Die Vorbedingung für eine erfolgreiche Verhandlung mit den Krankenkassen ist die Sicherung der Rechtsstellung der nichtärztlichen Psychotherapeuten, die immer noch auf dem juristisch anfechtbaren „Göring-Erlass“ beruht, und die Schaffung des Zusatztitels „Analytische Psychotherapie“.

1955

Der „Gesamtverband Deutscher Nervenärzte“ wird gegründet. Ihm gehören fast alle Organisationen im Bereich der Nervenheilkunde an („Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Nervenheilkunde“, „Allgemeine ärztliche Gesellschaft für Psychotherapie“, „Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie“, „Deutsche Vereinigung für Jugendpsychiatrie“, „Vereinigung Deutscher Neuropathologen und Neuroanatomen“, „Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung“, „Deutsche Sektion der internationalen Liga gegen Epilepsie“, „AG für Hirntraumafragen“ und der „Berufsverband Deutscher Nervenärzte“). Der Neurochirurg und Vorsitzende des ärztlichen Sachverständigenbeirates der Bundesregierung für Fragen der Kriegsopferversorgung Wilhelm Tönnis ist sein Vorsitzender.

(7. 1.) Auf Druck der Ärztekammer (Neuffer), die eine gemeinsame Regelung erwartet, werden Sondierungsgespräche zwischen Kretschmer als Vorsitzendem der AÄGP und der DGPN, I. H. Schultz, Hirschmann, Winkler sowie Kühnel und RA Becker im Auftrag der DGPT zur Einführung des Zusatztitels „Analytische Psychotherapie“ geführt. Kühnel verhandelt eigenmächtig und nicht im Sinne des DGPT-Vorstands.

(4. 2.) Der kollektive Beitritt der DGPT zur AÄGPT kann abgewendet werden. Aus taktischen Gründen wird ein einheitliches Vorgehen vereinbart; es werden „Verbindungsmänner“ nominiert.

Mitscherlich schlägt die Einführung einer Zusatzbezeichnung „Analytische Psychotherapie“ vor. Kretschmer lehnt das „Analytische“ ab. In einem „Vereinbarungsentwurf“ einigen sie sich auf einen unspezifischen Rahmen und stellen gemeinsam den Antrag auf Ergänzung der Berufsordnung zur Einführung der Zusatzbezeichnung „Psychotherapie“. Kretschmer stimmt einer Ausbildung nichtärztlicher Psychotherapeuten nicht zu und Mitscherlich verzichtet auf eine obligatorische Lehranalyse, die nur an den DGPT-Instituten verlangt wird.

(24. 2.) Mitscherlichs „Vereinbarungsentwurf zur Psychotherapie“ löst einen Sturm der Entrüstung in den eigenen Reihen aus. Vor allem Dührssen, die besonders engagierte Vertreterin der Neoanalyse, setzt sich für das „Analytische“ ein und sieht in Mitscherlichs Konzessionen an die Ärzte (vor allem der Aufgabe der Lehranalyse) einen Rückschritt gegenüber den Entdeckungen Freuds. Instabilen „kathartischen“ Methoden werde vor den soliden, aber langwierigen analytischen Verfahren der Weg geebnet – zum Schaden der Kranken. Sie betont die Bedeutung der Lehranalyse als wesentlicher Teil der Ausbildung und setzt sich für den Schutz der nichtärztlichen Kollegen ein. Eine Titelgemeinschaft mit nicht analytisch ausgebildeten Psychotherapeuten sei gegenüber den Kranken nicht zu verantworten. Von der DPV sind keine Äußerungen bekannt.

(25., 26. 3.) RA Becker interveniert, beruhigt und erläutert die Taktik des Vereinbarungsentwurfs. Er setzt sich beim Bundesinnenministerium dafür ein, dass nichtärztliche Psychotherapeuten nicht als Heilpraktiker eingeordnet werden.

(13. 6.) Mitscherlichs Konzept verknüpft eine psychosomatische Klink und Poliklinik mit einem psychoanalytischen Ausbildungszentrum. Sein Bezugspunkt ist die DGPT mit ihrer dem internationalen Standard annähernd gehorchenden Ausbildung. Psychoanalytische Ausbildung und Forschung müssten neu aufgebaut werden, da nahezu alle Lehranalytiker durch die Nationalsozialisten zur Emigration gezwungen worden sind und der Bedarf an gut ausgebildeten Therapeuten immens sei.

(20. 6.) Die DGPT beantragt zusammen mit der AÄGP beim Präsidium des Deutschen Ärztetages und der Arbeitsgemeinschaft der westdeutschen Ärztekammern den Zusatztitel „Psychotherapie“ für Ärzte, die eine anerkannte Psychotherapieausbildung nachweisen können. Am 28. 10. 1955 wird der gleiche Antrag an den Facharztanerkennungsausschuss der Bundesärztekammer gestellt. Der Titel kann nach einer dreijährigen Ausbildung an einem von der Ärztekammer legitimierten Institut der DGPT oder der Klinik von Kretschmer verliehen werden. Es werden Kenntnisse der verschiedensten psychotherapeutischen Behandlungsformen (wie autogenes Training, Hypnose etc.) verlangt und mindestens 600 Behandlungsstunden von zehn Patienten. Das Mindestalter bei Beginn der Ausbildung soll in der Regel 30 Jahre betragen. Über die Notwendigkeit einer Lehranalyse entscheidet das jeweilige Ausbildungsinstitut.

(17. 8.) Das Gesetz zum Kassenarztrecht (GKAR) wird verabschiedet. Die bisherigen selbstständigen Kassenärztlichen Vereinigungen werden in der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) als Körperschaft des öffentlichen Rechts zusammengeschlossen. Den frei praktizierenden Ärzten wird ein fast vollständiges Monopol für die ambulante Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung übertragen; die Krankenhausambulanzen, Ambulatorien der Krankenkassen und Universitätspolikliniken werden weitgehend ausgeschaltet. Für die Übertragung des Sicherstellungsauftrags bei Ausschaltung von konkurrierenden Anbietern verzichten die Ärzte auf das Streikrecht. Für die Vergütung der ärztlichen Leistungen lässt das Gesetz verschiedene Systeme zu: Kopfpauschale, Fallpauschale, Honorierung nach Einzelleistung oder Mischformen.

Mit dem Gesetz über die Verbände der gesetzlichen Krankenkassen und Ersatzkassen werden die Landes- und Bundesverbände der gesetzlichen Krankenkassen gegründet.

Das Bundesinnenministerium beschließt eine Neufassung des Heilpraktikergesetzes in Absprache mit der früheren Westdeutschen Ärztekammer und deren Nachfolgerin, der Bundesärztekammer.

(24. 7. – 28. 7.) Der 19. IPV-Kongress findet in Genf statt.

(30. 9. – 2. 10.) Die 5. Arbeitstagung der DGPT ist die erste öffentliche Tagung. Sie wird im Anschluss an den 20. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie – Thema „Entwicklung und Reifung unter tiefenpsychologischen Aspekten“ – in den Räumen der Berliner Freien Universität durchgeführt.

Die Vorstandswahl der Mitgliederversammlung ergibt eine Bestätigung Bitters als Vorsitzendem und Mitscherlichs als Geschäftsführer.

(1. 11.) Die „Hamburger Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft“ wird von Ulrich Ehebald und Wolf-Dietrich Grodzicke gegründet. 1959 wird sie als Ausbildungsinstitut der DPV und der International Psychoanalytic Association (IPA/IPV) anerkannt und 1962 folgt die Anerkennung durch die DGPT. Ab 1957 und bis zu seinem Tod im Januar 1971 kommt Michael Balint regelmäßig – auch zusammen mit Willi Hoffer – mindestens einmal im Jahr zu Seminarveranstaltungen und Fortbildungskursen nach Hamburg.

(3. 11.) Der gemeinsame Antrag von Kretschmer und Mitscherlich wird bei dem Facharztanerkennungsausschuss der Bundesärztekammer eingereicht. Der Ausschuss lehnt den Zusatztitel „Psychotherapie“ mit der Begründung ab, dass unnötige Spezialisierung betrieben würde und empfiehlt dem bevorstehenden Ärztetag seine Ablehnung.

(5. 11.) Das Bundesjustizministerium fordert die DGPT dazu auf, Vorschläge zur Neugestaltung des Paragraphen 51 StGB (Zurechnungsfähigkeitsbeurteilung) zu unterbreiten, in denen tiefenpsychologische Gesichtspunkte berücksichtigt werden.

(3. 12.) Bitter sucht Unterstützung bei Müller-Braunschweig gegen Mitscherlichs autoritären und unkollegialen Führungsstil. So hatte Mitscherlich auf die Anfrage des Bundesjustizministers an die DGPT zur Strafrechtsreform persönlich, ohne Rücksprache mit seinen Vorstandskollegen reagiert. Das Gutachten enthalte diverse Einseitigkeiten, die hätten vermieden werden können, und Desavouierungen von Kollegen. Bitter erwägt, den DGPT-Vorsitz niederzulegen.

1956

(6. 1. / 16. 1.) Mitscherlich wird als außerordentliches Mitglied in die DPV aufgenommen. Erst nach Absolvierung einer Lehranalyse bei einem IPV-Analytiker und einer entsprechenden Bescheinigung darf er den Antrag auf Vollmitgliedschaft stellen. Mitscherlich reagiert enttäuscht auf diese „Verordnung“. Freiwillig und zu einem von ihm selbst bestimmten Zeitpunkt – der auch nach der Aufnahme als Mitglied hätte liegen können – wäre er gern bereit, eine Leharanalyse zu absolvieren. Er beugt sich aber der DPV-Forderung.

Der Wahldurchgang für Mitscherlich musste wiederholt werden, da ein DPV-Mitglied an der Wahllegitimation von Johanna Schmoeckel gezweifelt hatte (24. 12. 1955). Johanna Schmoeckel, sogenannte Halbjüdin, war als Einzige außerordentliches Mitglied der DPV und Mitglied des IfP.

(3. 2.) Dem Psychosomatiker Arthur Jores, der die Zersplitterung der Hamburger Psychoanalytikergruppierungen beklagt, hält Mitscherlich entgegen, dass es auf „echte Toleranz“ ankomme und den Vereinheitlichungswünschen der Neoanalytiker machtpolitische Motive zugrunde lägen. Als Beispiel zitiert er Kühnel, der vertreten habe, dass „der Fortbestand der orthodoxen Psychoanalyse von der hohen Lebenserwartung arteriosklerotischer Greise“ abhänge.

(25. 2.) Kretschmer wird in das Ehrenpräsidium der DGPT aufgenommen, zu dem folgende Persönlichkeiten gehören: Bally, Binswanger, Bondy, Curtius, von Gebsattel, Heiss, Jores, Kemper, Köberle, Künkel, Maeder, Mohr, Müller-Braunschweig, Schulte, I. H. Schultz, Siebeck und von Weizsäcker.

(1. 4.) Fritz Künkel stirbt in Los Angeles.

(7. 4.) Die Ständige Konferenz der Facharztausschussvorsitzenden der Landesärztekammern lehnt die Annahme der Zusatzbezeichnung „Psychotherapie“ mit der Begründung ab, dass es sich bei Psychotherapie nicht um eine Tätigkeit handele, die andere Ärzte nicht auch ausüben. Die letzte Entscheidung liegt bei der Delegiertenversammlung des Deutschen Ärztetages. Im Gegensatz dazu plädiert der geschäftsführende Vorstand der Bundesärztekammer und ihr Präsident Hans Neuffer dafür, den Zusatz „Psychotherapie“ in die Berufsordnung aufzunehmen, und hofft die Delegierten überzeugen zu können.

(27. 4.) Neuffer ermutigt die DGPT (Bitter) darin, sich weiter für den Zusatztitel einzusetzen. Um die Bedeutung des Zusatztitels als vorwiegend ärztliche Qualifikation hervorzuheben, betont Bitter Neuffer gegenüber, dass in Zukunft „fast ausschließlich Ärzte“ an den DGPT-Instituten ausgebildet würden. Falls die ärztlichen Stadesorganisationen den Zusatztitel nicht schnellstmöglich befürworteten, würden sich die Diplom-Psychologen der Universitäten des Feldes bemächtigen und unter dem Titel Erziehungs-, Ehe- und Berufsberatung Neurosentherapie betreiben.

(6. 5.) Zu Ehren von Freuds 100. Geburtstag organisiert Mitscherlich zusammen mit dem Institut für Sozialforschung (Horkheimer und Adorno) eine Vorlesungsreihe in Frankfurt und Heidelberg, die von der Universität Heidelberg, der Frankfurter Universität und der Rockefeller Foundation finanziert wird. Der hessische Ministerpräsident Georg August Zinn erklärt in einer Ansprache die Durchdringung der Politik durch Psychoanalyse als den wirkungsvollsten Schutz gegen Diktatur. Erik Erikson ist der Festredner. Exponenten der internationalen psychoanalytischen Prominenz beteiligen sich an der Feier und dem folgenden Vortragszyklus. Zu der sich anschließenden Vorlesungsreihe kommen Franz Alexander, Michael Balint, Gustav Bally, Ludwig Binswanger, Edoardo Krapf, Herbert Marcuse, René Spitz, Erwin Stengel, Frederick Wyatt und Hans Zulliger.

Auch in Berlin wird Freuds Geburtstag feierlich begangen. Die DPG, das Institut für Psychotherapie und das Zentralinstitut für psychogene Erkrankungen laden ins Schöneberger Rathaus ein. Felix Boehm trägt seine persönlichen Erinnerungen an Sigmund Freud vor und Werner Schwidder spricht über Freuds technische Schriften und die Weiterentwicklung der psychoanalytischen Behandlungstechnik.

Die DPV feiert Freud in privatem Rahmen.

(11. 5.) Bitter sieht den Grund für die Ablehnung des Psychotherapietitels in der Überfüllung des Ärzteberufs und die Angst der Ärzte, dass der „Einbruch“ nichtärztlicher Psychotherapeuten unaufhaltsam wird. Zur Überzeugung von Delegierten könnte man argumentieren, dass jungen Ärzten durch den Zusatztitel der Erwerb einer besonderen Qualifikation vor den Diplom-Psychologen angeboten wird. Auch sieht er in der Therapie von neurotischen Kriminellen ein neues Betätigungsfeld.

(5. 6. und 23. 8.) Alle Bücher Wilhelm Reichs, in denen der Begriff „Orgon“ enthalten ist, werden auf seinem Anwesen in Rangeley/Main, USA auf richterliche Anordnung verbrannt.

(23. 6.) Der Vorschlag der DGPT zur Strafrechtsreform sieht die Einbeziehung einer möglicherweise neurotischen Persönlichkeitsstörung eines Täters in die Zurechnungsfähigkeitsbeurteilung vor. Während das Bundesjustizministerium einen Vertreter der DGPN bei der Beratung der Strafrechtskommission zulässt, wird der Wunsch der DGPT, einen Zuhörer teilhaben zu lassen, abgelehnt. Es entsteht der Eindruck, dass Psychotherapie auf die Ebene des Strafvollzugs abgedrängt wird. So bewilligt der Baden-Württembergische Landtag 25.000 DM für die psychotherapeutische Behandlung von jugendlichen Tätern.

(4. 8.) Die Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Nervenheilkunde (Zutt, Villinger, Ehrhardt) sehen in der Psychotherapie ein Teilgebiet der Neuropsychiatrie. Deshalb verstehen sie sich als Ansprechpartner der zuständigen Ärztekammern. Sie wehren sich gegen den Antrag von AÄGP und DGPT zur Einführung des Zusatztitels und sehen darin eine Beschneidung ihres angestammten Betätigungsfeldes. Gleichzeitig anerkennen sie, dass auch in anderen fachärztlichen Bereichen Psychotherapie zur Anwendung kommt. Sie fürchten, dass die Patienten bei mangelnder psychotherapeutischer Qualifikation von Ärzten beim nichtärztlichen Psychotherapeuten „landen“ und damit der „wilden Psychotherapie“ und dem „psychotherapeutischen Sektierertum“ Vorschub leisten. Ausbildungsstätten für Psychotherapie sollten in erster Linie in den Universitäts-Nervenkliniken angesiedelt und in den Medizinischen Fakultäten verankert sein. Weiter solle Psychotherapie und medizinische Psychologie in den Studienplan von Medizinern eingebaut werden.

(22. 9.) Der 59. Ärztetag in Münster spricht sich – nach einer temperamentvollen Rede von Neuffer, intensiver Lobbyarbeit der DGPT und trotz einer Reihe von Gegenanträgen – für die Einführung der Zusatzbezeichnung „Psychotherapie“ in die neue ärztliche Weiterbildung aus. Die Ständige Konferenz der Facharztausschussvorsitzenden der Landesärztekammern wird in Zusammenarbeit mit den psychotherapeutischen Fachgesellschaften mit der Ausarbeitung der Ausführungsbestimmungen beauftragt. Bis zum nächsten Ärztetag soll eine Einigung mit der DGPN über die Weiterbildung, die zur Führung des Zusatztitels berechtigt, herbeigeführt werden.

Die Erteilung des Zusatztitels gehört in den Bereich der einzelnen Landesärztekammern. Eine überregionale, allgemein verbindliche Regelung kommt nicht zustande.

Die öffentliche Anerkennung der Psychoanalyse wird durch die Gründung des Instituts und Ausbildungszentrums für Psychoanalyse und Psychosomatik in Frankfurt als Landeseinrichtung besiegelt.

(10. 11.) Die DGPT-Ausbildungsrichtlinien werden vom DPV-Vorsitzenden Gerhard Scheunert als „im großen und ganzen IPV-konform“ angesehen. Die einzig „zwingende“ DPV-Empfehlung bezieht sich darauf, zwei Lehrannalysen unterschiedlicher Richtung zu durchlaufen (Protokoll der 1. Generalversammlung der DPV, DGPT-Archiv).

(15. – 17. 11.) Anlässlich der 6. Arbeitstagung der DGPT in Göttingen wird über Probleme bei der Kombination von Einzel- und Gruppentherapie während einer Lehranalyse gesprochen.

RA Becker informiert die Mitgliederversammlung der DGPT neben der Entscheidung für den Zusatztitel über die rechtliche Stellung der nichtärztlichen Psychotherapeuten. Sie unterliegen nicht dem Heilpraktikergesetz und arbeiten psychotherapeutisch mit Ärzten zusammen. Sobald der Zusatztitel und die Stellung der ärztlichen Mitglieder gesichert ist, sollen die nichtärztlichen Mitglieder an dieser Regelung teilhaben, da sie ja die gleiche Ausbildung vorweisen können.

Der DGPT-Vorstand fordert die Mitglieder dazu auf, den Vorstand bei Gründung einer Arbeitsgruppe mit Ausbildungscharakter zu unterrichten und sein Votum abzuwarten. Die Anerkennung hängt von der Berücksichtigung der Ausbildungsrichtlinien ab.

1957

Privatversicherungen bieten für psychotherapeutische Leistungen ein unverhältnismäßig niedriges Honorar: Psychoanalyse, Hypnose und psychotherapeutische Übungen werden als Teil der sogenannten kleinen Heilmittel wie Brillen, Bruchbänder etc. abgerechnet.[13]

(8. 1.) Viktor von Weizsäcker stirbt im 71. Jahr in Heidelberg nach längerer Krankheit.

(23. 1.) Wilhelm Bitter gründet die „C. G. Jung-Vereinigung“, ein Ausbildungsinstitut für Erwachsenen- und Kinderpsychotherapeuten in Stuttgart. C. G. Jung ist ihr Ehrenvorsitzender. Die Vereinigung geht 1960/1961 in der „Deutschen Gesellschaft für Analytische Psychologie“ auf. Mitscherlich beschwert sich, dass Bitter ihn nicht über die Gründung informiert hat.

 (Frühjahr) Hamburg: Froboese, Kalau vom Hofe, Achelis und Ehebald erwägen eine Institutsgründung aller tiefenpsychologischen Richtungen. Da eine Zusammenarbeit mit Derbolowsky abgelehnt wird, kommt es nicht dazu.

(5. 3.) Die Psychiater fordern – angesichts der divergierenden tiefenpsychologischen Schulen – eine klarere Definition von „großer Psychotherapie“.

(8. 3.) Der Verbindungsausschuss von „Deutscher Gesellschaft für Psychologie“, „Berufsverband deutscher Psychologen“ und der DGPT beschließt, dass Tiefenpsychologie und Psychologie im Medizinstudium vertreten sein sollen. Weiter sollen Tiefenpsychologie und Pädagogik in die Studien- und Prüfungsordnung des Faches Psychologie einbezogen werden.

(11. 4.) Bitter und Baumeyer fürchten, dass die an die Psychiater (DGPN) gemachten Konzessionen im „Vereinbarungsentwurf“ den Rahmen für eine psychotherapeutische Ausbildung zu allgemein und unbestimmt entwerfen und damit der Gefahr einer unkontrollierten Ausbildung Vorschub leisten. Unter dem Druck des Deutschen Ärztetages (29. 6. 1957) stimmen sie dann doch der dreijährigen Ausbildungszeit ohne Spezifizierung zu.

(18. 4.) Die Konflikte zwischen Mitscherlich und Bitter eskalieren. Mitscherlich wirft Bitter vor, mit Neuffer ohne Rücksprache verhandelt zu haben. Die DGPT habe zwei Regierungen. Mitscherlich bietet seinen Rücktritt an, damit Vorsitz und Geschäftsführung in Bitters alleiniger Hand verbleiben. Auch Bitter will zurücktreten.

(30. 4.) RA Becker vermittelt im Interesse der Gesellschaft zwischen Bitter und Mitscherlich. Folgende Aufgaben erfordern den Zusammenhalt: Auseinandersetzung um den Zusatztitel; Verhandlungen mit den Kassen; Schwierigkeiten mit den Psychiatern; Schwierigkeiten mit den Gesundheitsämtern; Gefährdung der Rechtsstellung der Nichtärztlichen.

(15. 6.) Die AÄGP und die DGPN werden zu Bündnispartnern der DGPT, ebenso die Kassenärztliche Bundesvereinigung. Auf dem Bundesärztetag in Köln werden die Baden-Badener-Richtlinien verabschiedet: eine Abklärung und Vereinheitlichung der Ausbildungsrichtlinien nach international anerkannten Grundsätzen.

Die sechs Ausbildungsinstitute der DGPT sind das Institut für Psychotherapie, Berlin (Baumeyer), das Berliner Psychoanalytische Institut (Scheunert), das Institut für Psychotherapie e. V., Göttingen (Schwidder), die Abteilung für psychosomatische Medizin, Heidelberg (Mitscherlich), das Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie, München (Seitz) sowie das Institut für Psychotherapie und Tiefenpsychologie, Stuttgart (Brocher). Bremen verzichtet zunächst auf eine Institutsgründung.

(8. 7.) „Psychoanalyse“ (in ihrem umgangssprachlichen Sinne) ist weiterhin kassenrechtlich in der amtlichen Gebührenordnung verankert.

(1. 8.) Nach dem Beschluss des 60. Deutschen Ärztetages sind der Schutz des Berufs des Psychotherapeuten und eine sachgerechte Ausbildung nicht gewährleistet (Niedersächsisches Ärzteblatt). Beschlüsse des Ärztetages haben nur den Charakter von Richtlinien.

(19. 9.) Der Ausbau der Weiterbildungsmöglichkeiten für Psychotherapie ist zu einem brennenden Problem geworden. Für die DGPT hat RA Becker sich an die WHO gewandt, die bereit ist, zweijährige „fellowships“ für Ärzte, die von der DGPT vorgeschlagen werden, zu gewähren. Der Antrag muss von der Deutschen Bundesregierung gestellt werden. Becker erbittet die Unterstützung der Ärztekammer und der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

(29. 10.) Bitter schlägt Mitscherlich Richtlinien für Lehranalytiker und die Ausbildungskontrolle der DGPT-Institute nach amerikanischem Vorbild vor.

(28. 7. – 1. 8.) Der 20. IPV-Kongress findet in Paris statt.

(6. 12.) Mitscherlich beschließt, sich von allen Verpflichtungen außerhalb der Klinik zurückzuziehen, da er die von ihm zu erledigenden organisatorischen Schritte zur Sanierung der Psychoanalyse in Deutschland mit „einigem Erfolg“ abgeschlossen habe. Er geht nach London zur Lehranalyse bei Paula Heimann.

1958

Angeregt von Hans Alfken, wird die „Ärztliche Arbeitsgemeinschaft für Psychotherapie“ von Ina Böhlendorf in Hannover gegründet. Psychologen nehmen von Anfang an teil.

Die Patienten erzeugen Druck bei Krankenversicherungen, kommunalen und betrieblichen Sozialdiensten, Kliniken und Arztpraxen zur Unterstützung der Kosten bei psychotherapeutischen Behandlungen (zunächst setzen sich vor allem Patienten aus Einrichtungen mit stationärer Psychotherapie für die Kostenübernahme bei der ambulanten Nachbehandlung ein). Die Planung einer neuen Gebührenordnung mobilisiert die DGPT (empfohlen von Masuch).

(30. 4.) Die Ausbildungsbestimmungen für Psychotherapeuten werden gemäß den Baden-Badener Richtlinien zur Berufsordnung §35, Abs. III festgelegt.

(April) Zwischen der DGPT und der „Berufsvereinigung der Psychagogen“ mit Ausbildungsinstituten in Stuttgart, Heidelberg, München, Berlin, Bremen und Hannover wird ein Verbindungsausschuss gegründet.

(17. – 19. 4.) Die 7. Arbeitstagung der DGPT findet in Wiesbaden als „Öffentlicher Kongress“ im Anschluss an den Internistenkongress statt. Das Leitthema heißt „Psycho-somatische Medizin und Sozialpsychologie“. Solch ein öffentlicher Kongress findet von 1958 bis 1964 im Wechsel mit internen Arbeitstagungen alle zwei Jahre in Wiesbaden, im Anschluss an den dort tagenden Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) statt. Dadurch sollen interessierte Teilnehmer unter den Internisten für die Psychotherapie gewonnen werden. Als besonders prominenter Sprecher äußert sich Theodor W. Adorno vom Frankfurter Institut für Sozialforschung zu „Sicherung und Magie – Zur Kritik der sozialen Funktion des Aberglaubens“.

Die DGPT gründet eine Sozialrechtskommission, die auf Bundesebene die Verhandlungen mit den Spitzverbänden führen soll, um eine grundsätzliche Klärung der Gesetzeslage zu schaffen.

(21. 5.) Anlässlich der Konferenz der ständigen Facharztvorsitzenden (KFAV) und der Bundesärztekammer bringt die DGPT (Mitscherlich) Ausführungsbestimmungen für die Anerkennung der Weiterbildung zur Erlangung des Zusatztitels „Psychotherapie“ ein. Er fordert theoretische Grundlagenkenntnisse, selbstständig unter Kontrolle durchgeführte therapeutische Behandlungen, eine Lehranalyse (fakultativ) und eine Weiterbildung an einer Einrichtung mit einer genügenden Zahl in großer Psychotherapie ausgebildeter Fachkräfte. DGPN und AÄGP stimmen den Vorschlägen zu. Ihm wird entgegengehalten, dass die Spezifikation der Ausbildungsbedingungen schärfer als bei anderen Facharzttiteln formuliert sei, die Freiheit der Lehre gefährdet sei und grundsätzlich eine so präzise Bindung der Weiterbildung an bisherige Geflogenheiten der ärztlichen Ausbildung widerspreche. Eine überregionale Regelung kommt nicht zustande. Die KFAV überlässt die Annahme der Vorschläge den einzelnen Landesärztekammern.

(7. 7.) Die „Arbeitsgruppe Rheinland für analytische Psychotherapie“ wird in Köln von Günther Elsässer gegründet. Mitglieder sind Thea von Beckerath, Gerhard Kloska, Melitta Mitscherlich, Rolf Piehler, Hans Quint, Magda Quint und Margarete Seiff – alle auch Mitglieder der DGPT. Es gilt als „kleines Institut“ und arbeitet mit dem Göttinger Institut zusammen.

(24. 7.) Karl Klüwer wird als Delegierter der DGPT zur Jahrestagung der WHO entsandt.

(6. 9.) Die „Internationale Gesellschaft für ärztliche Psychotherapie“ (IGAP) wird in Barcelona gegründet. Ihr Präsident ist Medard Boss. Im Vorsand sind Sarro, Fierz, Carp, Bierer, Eeg-Olofson, Frankl und Weigert. Die psychotherapeutischen Gesellschaften der einzelnen Länder werden Kollektivmitglieder. Nichtärzte sind ausgeschlossen. Deshalb entscheidet sich die DGPT gegen eine Mitgliedschaft.

(20. 9.) Felix Boehm stirbt in Berlin.

(12. 10.) Carl Müller-Braunschweig stirbt in Berlin.

(10. 11.) In Bezug auf die Finanzierung von ambulanter Psychotherapie droht eine grundsätzlich Begutachtung durch den Nervenarzt Schellworth, bei der Nervenärzte dominieren und Nichtärzte ausgeschlossen werden. Die DPG (Wiegmann) hofft, die gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen zusammen mit dem BPI vertreten zu können und damit auch die Beziehung zwischen DPG und DPV zu verbessern.

(1. 12.) Die Ausbildungsbestimmungen zum Führen des Zusatztitels „Psychotherapie“ sind, im Gegensatz zur Facharztordnung für andere Fachärzte, sehr spezifiziert. Die DGPT wird nicht Kollektivmitglied der neu gegründeten „Ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie“, da dort keine Nichtärzte aufgenommen werden.

(15. 12.) Die DGPT beschließt Musteranträge in einzelnen Landesärztekammern einzubringen, um eine regionale Anerkennung des Zusatztitels und der dazugehörenden Ausbildungsvoraussetzungen zu erwirken. Die Initiative von Baumeyer, als Leiter des Aktionskomitees der Landesärztekammern, ist hier besonders gefragt.

Die Bundesanstalt für Angestellte in Berlin finanziert „große Psychotherapie“ mit Mindestsätzen von 15,00 – 20,00 DM pro Stunde (inkl. Zuzahlung des Patienten) bis zur Heilung. Die gleichen Sätze gelten für Bewährungsstraftäter mit der richterlichen Auflage sich in Therapie zu begeben.

1959

(4. 1.) Die DPG hat – laut Generalversammlung – „ein stilles Leben geführt“. Mit dem Vorstandswechsel von Baumeyer zu Schwidder soll sie sich nun mit neuem Schwung und intensiver in Westdeutschland verankern.

(17. 3.) Der DGPT-Vorstand erstellt eine vorläufige Lehranalytikerliste auf Grundlage der Anerkennungen durch die jeweiligen Institute.

(8. 5. – 10. 5.) Das Thema der 8. Internen Arbeitstagung der DGPT in München ist „Angst und Neurosenstruktur“.

(7. 5.) Nach den Empfehlungen der Ärztetage von 1957 und 1958 zur Einführung des Zusatztitels „Psychotherapie“ anerkennen die Landesärztekammern von Niedersachsen, Hessen, Westfalen-Lippe und Baden-Württemberg die Baden-Badener Beschlüsse. Die restlichen sechs Landesärztekammern hatten sich noch nicht festgelegt (Protokolle der erweiterten DGPT-Vorstandssitzung).

(7. 5.) In der Vorstandssitzung schlägt Baumeyer vor, auf einer Arbeitstagung über die Lage der Psychotherapie und die Entwicklung des „Pawlowismus“ in der Ostzone berichten zu lassen.

Weiter wird beschlossen, kein Grußtelegramm anlässlich des 70. Geburtstags von Ernst Speer zu versenden.

(23. 7.) Scheunert, der die Leitung des BPI an Richter abgibt und nach Hamburg geht, aber DPV-Vorsitzender bleibt, äußert sich Günther Ammon gegenüber enttäuscht darüber, dass IPV-Analytiker, die Berlin besuchen, das IfP („Baumeyer-Institut“) aufsuchen und nicht das BPI.

(5. 11. – 8. 11.) In der Medizinischen Universitäts-Poliklinik Jena findet mit ca. 70 Teilnehmern der VIII. Fortbildungslehrgang in Psychotherapie statt – unter Leitung von Kleinsorge und mit deutlicher Abgrenzung von Freuds „Übertragungskonzept“. Erfolgsberichte über „rationale Psychotherapie“, oft mit „Ruhehypnose und Autogenem Training“ kombiniert, geben Hofmann und Klumbies, der auch „Traumanalyse“ einbezieht. B. Bauer arbeitet mit dem Wartegg-Zeichentest, dem Rohrschach-Deutetest, mit katathymem Bildererleben und Hypnose. Höck stellt die Problematik von Gruppenpsychotherapie dar, die, seinem historischen Überblick zufolge, am Beginn einer 3. psychiatrischen Revolution steht. Wartegg führt „intentionales Training“ als verkürzte, gezielte Gruppentherapie zur „kollektiven Realanpassung“ zum Ausgleich von biografisch regulierenden Verfahren durch.

(26. 7. – 30. 7.) Der 21. IPV-Kongress findet in Kopenhagen statt.

(23. 11.) Ernst Speer gibt die Leitung der Lindauer Psychotherapiewoche an Helmut Stolze (München) ab.

In Stuttgart konstituiert sich der Verein „Haus für Neurosekranke e. V.“. Er geht auf die Idee von Johanna Läpple und Wilhelm Bitter zurück, die Frauen und ihre Verbände dafür interessieren konnten, eine stationäre Einrichtung für neurotisch kranke Menschen zu gründen. Der DGPT-Vorstand steht dem Vorhaben skeptisch gegenüber.

(20. – 22. 11.) Im Savigny-Hotel in Frankfurt trifft sich ein enger Kreis ausländischer Paten zur Unterstützung von Mitscherlichs Frankfurter Institut: Aus Holland kommen Jeanne Lampl-de Groot, Pieter van de Leeuw und Piet Kuiper, aus London Paula Heimann, Michael Balint und Willi Hoffer, aus Paris Béla Grunberger, aus Wien Wilhelm Solms und Alois Becker und aus Zürich Gustav Bally und Paul Parin.

1960

1960 wird zum Weltgesundheitsjahr erklärt.

In der Psychiatrischen Universitätsklinik sammeln sich um Oberarzt Wolfgang Bister Psychoanalyseinteressierte. Aus dieser Gruppe heraus wird fünf Jahre später das „Psychoanalytische Seminar Freiburg“ gegründet.

(27. 4.) In einer feierlichen Zeremonie, zu der die Vorsitzenden aller europäischen psychoanalytischen Vereinigungen anwesend sind, wird das „Institut und Ausbildungszentrum für Psychoanalyse und Psychosomatische Medizin“ in Frankfurt durch Mitscherlich eröffnet. Einerseits ist keiner der drei noch lebenden Mitglieder des alten Frankfurter psychoanalytischen Instituts Fuchs/Foulkes, Fromm oder Meng eingeladen worden, andererseits bemüht sich Mitscherlich vergebens, freudianische, emigrierte, jüdische Psychoanalytiker dauerhaft nach Frankfurt zu holen. Das Institut hat die Rechtsform einer Landesbehörde und ist dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst nachgeordnet. Es ist in drei Abteilungen gegliedert: eine klinische unter Hermann Argelander, eine psychologische unter Horst Vogel und eine sozialpsychologische unter Tobias Brocher. Mitscherlich ist nun Klinikleiter in Heidelberg und Institutsleiter in Frankfurt.

(28. – 30. 4.) Die 9. Arbeitstagung der DGPT findet als öffentlicher Kongress in Verbindung mit dem Internistenkongress in Wiesbaden statt. Der Mitgliederversammlung wird der Modus der Lehranalytikerwahl (Vorschlag aus dem jeweiligen Institut nach sechs Kriterien, Entscheidung durch das DGPT-Lehranalytikergremium) bekannt gegeben; die Wahl muss besonders streng durchgeführt werden, um eine klare Verhandlungsposition den anderen Fachgesellschaften gegenüber zu haben. Demnach soll ein Lehranalytiker Anforderungen erfüllen, die denen eines Universitätsdozenten entsprechen.

(9. – 10. 6.) Die Tagung der Medizinisch-wissenschaftlichen Gesellschaft für Psychiatrie und Neurologie findet in Leipzig statt. Das Thema ist „Psychohygiene – Psychotherapie“. Es kommen 26 Teilnehmer aus der DDR, zwei aus dem Ostblock und keiner aus dem Westen. Müller-Hegemann kritisiert in seinem historischen Überblick die Tendenz der westlichen Welt, „soziale Probleme und Aufgabenstellungen zu psychologisieren“. Auf dieser Tagung wird am 10. 6. die Gesellschaft für ärztliche Psychotherapie (GäPT) der DDR gegründet. Die Vorstandsmitglieder sind Müller-Hegemann (1. Vorsitzender), Kleinsorge (2. Vorsitzender), Klumbies (Sekretär) und Wendt (Schatzmeister).

(15. 7.) Die in Hamburg bestehende psychoanalytische Arbeitsgruppe nennt sich nun „Hamburger Psychoanalytisches Institut, Arbeitsgruppe Hamburg der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung e. V.“. Dieses Institut fungiert als „kleines Institut“ und arbeitet mit dem Berliner Psychoanalytischen Institut (BPI) zusammen.

(5. – 9. 9.) Die DPV begeht feierlich ihr zehnjähriges Bestehen in der Berliner Kongresshalle und verbindet das Jubiläum mit einer Arbeitstagung. Hoffer, Scheunert und Mitscherlich sind die Festredner. Anna Freud, Marie Bonaparte und Willy Hoffer wird die Ehrenmitgliedschaft der DPV verliehen.

Der erste Band Jahrbuch der Psychoanalyse, herausgegeben von Scheunert, Dräger, Meistermann-Seeger und Richter, erscheint als Festgabe zum Jubiläum.

Baumeyer (DPG) ist gekränkt, dass er über seine Mitarbeiterin Johanna Schmoekel von der Veranstaltung erfährt und erst anschließend halbherzig eingeladen wird. Im Hintergrund steht das unberechtigte Misstrauen der DPV, dass ein der DPG nahestehender Gutachter die von der DPV beantragten Zuschüsse abgelehnt hätte.

Scheunert äußert sich gegenüber „Herrn M. Brandt“ (wahrscheinlich ist die aus Berlin emigrierte, in Jerusalem lebende Psychoanalytikerin Miriam Brandt gemeint) empört über das 50-jährige DPG-Jubiläum der „Schultz-Hencke-Gruppe“, die sich „neuerdings“ auf ihren Briefbögen als „gegründet 1910“ bezeichnet.

(16. 9.) Aus einem Schreiben von Westerman-Holstijn (Amsterdam) an Grinker (Chicago) werden Überlegungen zu dem Konzept der neuen „Internationalen Föderation Psychoanalytischer Gesellschaften“ (IFPS) angestellt. Dabei soll der persönliche Kontakt von europäischen und amerikanischen Psychoanalytikern gepflegt und gefördert werden, aber keine neue Dachgesellschaft entstehen, die sich in regionale Belange oder Ausbildungsfragen mischen will – auch keine Konkurrenz zur IPV, im Gegenteil: Die Gesellschaft soll den Rahmen für einen freien wissenschaftlichen Austausch undogmatischer Psychoanalytiker bieten. An den Vorüberlegungen, die anlässlich einer psychoanalytischen Konferenz zur weiblichen Sexualität in Amsterdam entstehen, nehmen die „Société Francaise de Psychanalyse“, die „Nederlands Psychoanalytisch Genootschap“, die DPG, die psychoanalytische Gruppe Straßburg, die neu gegründete belgische Gesellschaft für Psychoanalyse und die „New Yorker Society of Freudian Psychologists“, Wiener Arbeitskreis für Tiefenpsychologie“ teil – außerdem einige prominente Psychoanalytiker wie Hesnard, Lagache, Laforgue, Reik und Alexander. Die meisten Teilnehmer gehören nicht der IPV an.

(26. 9.) Anläßlich einer internen Tagung in Frankfurt tauschen sich DGPT, DGPN und AÄGP über Grundauffassungen zur Behandlungstechnik, über ihre psychotherapeutischen Methoden und die sich daraus ergebenden Folgen für die Weiterbildung und verwaltungsrechtliche Konsequenzen aus. Weiter soll eine gemeinsame Antwort auf die Anfrage der Bundesärztekammer vom 8. 11. 1958 erarbeitet werden. Denn in der Ständigen Konferenz („Dreierkommission“) war es bisher nicht gelungen, sich über die Minimalvoraussetzungen für eine Weiterbildungsstätte und über inhaltliche Weiterbildungsvoraussetzungen zu einigen.

(27. 10.) Die DPV kündigt an, ihre Lehranalysen mit mindesten vier oder fünf Wochenstunden durchzuführen.

(Okt.) I. H. Schultz und sein Schüler Göbbels geben Richtlinien zur Psychotherapie für private Krankenversicherungen heraus, die mit der DGPT als offiziellem politischem Ansprechpartner nicht abgestimmt sind. In den Richtlinien wird „die kleine Psychotherapie“ (autogenes Training etc.) propagiert. Der DGPT-Vorstand sieht darin einen Schachzug, um die finanziellen Verhältnisse der Nervenärzte mit geringem Qualifikationsaufwand zu sanieren. Damit werde die gesamte analytische Psychotherapie in Misskredit gebracht.

Bitters Gründung eines „Studios für angewandte Tiefenpsychologie mit Jugend-Studio“ führt erneut zu Spannungen zwischen ihm und dem DGPT-Vorstand (vertreten durch Brocher, Mitscherlich und Becker), der sein Angebot einer analytischen Schmalspurerfahrung für unseriös hält. Es sei selbstmörderisch für die DGPT, als deren Ehrenpräsident Bitter noch operiert.

(4. – 6. 11.) Auf der Jahrestagung der DPG in Göttingen wird das 50-jährige Bestehen der Gesellschaft gefeiert. 178 Ärzte und Wissenschaftler aus dem Bundesgebiet und Gäste aus der sowjetischen Besatzungszone, den Niederlanden, Frankreich und der Schweiz nehmen daran teil. Der aktuelle Stand der Behandlungstechnik wird zum Thema gemacht. Die Referenten (Riemann, Hagsphil, Heigl, Heigl-Evers, Schwidder, Quint, Aschenheim, Dührssen und Baumeyer) gehören der DPG an.

(10. 11.) Auf Einladung des Berliner Landesgesundheitsamtes treten Vertreter von DPV (Richter, Maetze) und IfP (Baumeyer) geschlossen auf, um über die Rechtsstellung der nichtärztlichen Psychologen zu beraten. Der „Göring-Erlass“ gilt weiterhin als juristische Legitimation für die Psychoanalyseausübung durch Nichtärzte.

(18. 11.) Da das Gesundheitsamt München erwägt, nichtärztliche Psychotherapie zu verbieten, positioniert sich Brocher als DGPT-Geschäftsführer deutlich als legalisierter Vertreter der wissenschaftlichen, analytisch orientierten Psychotherapeuten und damit auch der Nichtärzte. In Behandlung befindliche Patienten könnten bei Behandlungsabbruch schweren Schaden nehmen und Regressforderungen stellen, Bayern würde sich als rückständig gegenüber anderen Bundesländern und vielen westlichen Ländern erweisen und das benachbarte Ausland könnte in der Behinderung der Ausübung der analytischen Psychologie eine Fortsetzung der nationalsozialistischen Verfolgung sehen.

(5. 12.) Die DGPT (Brocher) stellt bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (Nienhaus) den Antrag, die analytische Psychotherapie (Psychoanalyse und die von ihr abgeleiteten analytischen, d. h. aufdeckenden Verfahren) als kassenübliche, ärztliche Heilmethode anzuerkennen. Brocher lässt in seiner Begründung durchblicken, dass „die Unterdrückung dieser wissenschaftlichen Methode aus rassistischen Gründen durch den Nationalsozialismus“ dazu führte, dass erst eine neue Psychotherapeutengeneration herangebildet werden musste, um den Anschluss an den internationalen Standard wieder herzustellen.

(30. 12.) Auf der Generalversammlung der DPG teilt ihr Vorsitzender Schwidder mit, dass die Versuche, enger mit der DPV zusammenzuarbeiten, gescheitert sind.

 


[1] Brundke (2008), S. 81


[2] Mettauer, P. (2010)


[3] Platte 2011, S. 16


[4] Bericht über den Londoner Congress on Mental Health vom 9. – 21. August 1948 von Kemper (1948), in: Lockot (1994), S. 184


[5] Am 2. 2. 1975 wird sie in „Deutsche Gesellschaft für Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie“ (DGPPT) umbenannt und im Oktober 1989 in „Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie“ (DGPPPT).


[6] Entsprechend der gegenwärtigen Konvention wird die Schreibweise „Internationale Psychoanalytische Vereinigung“ (IPV) vor der „International Psychoanalytical Association“ (IPA) beibehalten.


[7] Die Entwicklung der Psychotherapie in der DDR ist Bernhardt/Lockot (2000) entnommen.


[8] Freimüller, T. (2007), S. 150


[9] Jürgen Peter 1998, S. 233


[10] Wunderlich, G. (1991), S. 123


[11] 4. 6. 1953, Hochheimer an Mitscherlich, zitiert in Lockot (1994), S. 260


[12] Freimüller, T. (2007), S. 196, leider ohne Datum; siehe auch Bericht des Ausschusses zur Erörterung einiger grundsätzlicher Fragen einer Reform der sozialen Krankenversicherung, Beilage zum Dezemberheft 1953 der Zeitschrift Sozialer Fortschritt, S. 2 f.


[13] Das Honorar wird über die Ziffer 22 f der Preußischen Gebührenordnung abgerechnet: das sind 8 DM pro Stunde mit jährlicher Höchstpauschale.

 

Literatur

Bernhardt, Heike, Lockot, Regine (Hg.) (2000): Mit ohne Freud. Zur Geschichte der Psychoanalyse in Ostdeutschland. Gießen (Psychosozial).

Beundke, Astrid (2008): „Psychotherapie ohne Freud? Eine Spurensuche in München. In: Bauriedl, T. U., Brundke, A. (Hg.): Psychoanalyse in München. Gießen (Psychosozial).

Ermann, Michael (2009): Psychoanalyse in den Jahren nach Freud: Entwicklungen 1940-1975 Stuttgart (Kohlhammer)

Freimüller, Tobias (2007): Alexander Mitscherlich: Gesellschaftsdiagnosen und Psychoanalyse nach Hitler. Göttingen (Wallstein).

Gesellschaft für Sozialen Fortschritt e. V., Köln (1953): „Bericht des Ausschusses zur Erörterung einiger grundsätzlicher Fragen einer Reform der sozialen Krankenversicherung“. In: Sozialer Fortschritt. Unabhängige Zeitschrift für Sozialpolitik. 2. Jahrgang, Beilage zum Dezemberheft. Berlin, Duncker & Humblot.

Lockot, Regine (1994): Die Reinigung der Psychoanalyse. Die Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft im Spiegel von Dokumenten und Zeitzeugen (1933–1951). Edition diskord.

Mettauer, Philipp (2010): „Vergessen und Erinnern“. Die Geschichte der Tagung nach Quellen und Zeitzeugen. Vortrag am 21. und 28. April im Rahmen der 60. Lindauer Psychotherapiewochen 2010 (www.lptw.de).

Peter, Jürgen (1998): Der Nürnberger Ärzteprozeß im Spiegel seiner Aufarbeitung anhand der drei Dokumentensammlungen von Alexander Mitscherlich und Fred Mielke. Schriften aus dem Sigmund-Freud-Institut. 2. Aufl. Münster (LIT).

Platte, Hans-Otto (2011): „Psychoanalytische Erkenntnisse zugänglich machen“. Sechzig Jahre Psychoanalyse und Psychotherapie in Bremen. Bremen (Donat).

Wunderlich, Gesa (1991): Die Öffnung der Psychoanalyse. Stuttgart/New York (Thieme). 

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Zeitraum 1961 bis 1975

 

1961

(seit 1.2.) Die DPV (1950 gegründet) droht mit einem Rechtsstreit, wenn die DPG weiter "gegründet 1910" in ihrem Briefkopf behält. Sie empfindet es als Usurpation der gemeinsamen Geschichte und geht fälschlicherweise davon aus, dass das Gründungsdatum Teil des Namens sei. Zwischen dem 17.10.1961 und 19.7.1962 kommt es zu keiner Einigung. Der Streit wird fallen gelassen. Ein Eintrag im Vereinsregister existiert nicht. [1]

(7.2.) Die DPG (Schwidder) beteiligt sich - entgegen früherer Absprachen - an der Lindauer Psychotherapiewoche. Von der hier vertretenen "kleinen Psychotherapie" distanziert sich die DGPT-Politik (Brocher).

(11.2.) Die "Deutsche Gesellschaft für Analytische Psychologie e. V., C.G.Jung-Gesellschaft" wird in Stuttgart als Landesgruppe der "International Association for Analytical Psychology" (IAAP) gegründet. Helmut Eschenbach ist ihr Vorsitzender. Die Stuttgarter Jung-Vereinigung geht in dieser Gesellschaft auf.

(13.4.) "Kalter Krieg" herrscht zwischen den beiden psychoanalytischen Gesellschaften DPV und DPG. Die DPV fürchtet, dass die Gruppe um Schwidder, die mit der "zahlenmäßig stärkeren Schultz-Hencke- Gruppe" gleichgesetzt wird, die DPG unterwandert (Scheunert an Brocher) und sich der DGPT bemächtigt (30.10.1961, Brocher an Scheunert). Die DPV ist vor allem über die bevorstehende Gründung der "International Federation of Psychoanalytic Societies" (Konstituierung im Sept. 1961 und Gründung am 30.7.1962) beunruhigt.

(24.4.) Einerseits zeigen die verschiedenen Sozialgerichtsprozesse (Stuttgart, Berlin und Hannover) den Erfolg eines standespolitisch wirksamen Zusammenschlusses in der DGPT, andererseits streben die verschiedenen Gruppen auseinander.

Die konservative Ärzteschaft boykottiert die Professionalisierungsbemühungen der DGPT, indem AÄGP und DGPN keine Stellung nehmen zur Anerkennung von Ausbildungsstätten für Psychotherapeuten.

(13.5.) Die Rechtsstellung der nichtärztlichen Psychotherapeuten ist noch unklar (Einordnung als Heilpraktiker oder "ärztliche Helfer"). BPI und IfP entwickeln gemeinsam einen Richtlinienentwurf, den sie mit den Berliner Behörden abstimmen. Dabei lehnen sie sich an den "Göring-Erlass" als "Beispiel einer seit Langem herrschenden Praxis" an. Die Ländergesundheitsämter entscheiden regional. Eine überregional verbindliche Regelung existiert nicht (Mitgliederversammlung im Anschluss an die 10. interne Arbeitstagung der DGPT).

(17.7.) Die wissenschaftlichen und organisatorischen Differenzen innerhalb der DGPT erscheinen unüberwindbar. Mitscherlich stellt den Antrag, die Gesellschaft in drei Gesellschaften aufzuteilen. Da den Kotrahenden klar ist, dass sie damit ihre politische Stoßkraft einbüßen würden, bleibt die Gesellschaft in der bisherigen Form bestehen.

(Juli/August) Der 22. IPV-Kongress findet in Edinburgh statt.

(13.8.) Der Bau der Berliner Mauer verhindert endgültig eine systematische psychoanalytische Ausbildung von Kollegen aus der DDR.

(21.-26.8.) In Wien findet der internationale Psychotherapeutenkongress statt. Baumeyer, Kühnel und Schwidder nehmen daran teil. Sie werben in Einzelgesprächen um internationale Akzeptanz der DPG (Gespräche mit F. Alexander, M. Boss, S. Betlheim, I. Caruso, H. Kelman u.a.).

(6.-11.9.) Auf dem Internationalen Kongress für Psychoanalyse und ihrer Weiterentwicklung in Düsseldorf (DPG) konstituiert sich die „International Federation of Psychoanalytic Societies“ (IFPS). Nach Intervention von Mitscherlich und Scheunert bei der IPV ziehen prominente Analytiker ihre Vortragszusagen zurück. W. Hoffer z.B. warnt Edith Weigert vor einer Teilnahme, da sie als Illoyalität der IPV gegenüber, die die Mitscherlich-Gruppe unterstützt, verstanden würde.[2]

(26.9.) AÄGP (P. Christian, Heidelberg, und H. Stolze, München) und DGPT (H. Masuch, Bremen) erarbeiten gemeinsam eine Vorlage für den 65. Deutschen Ärztetag zur Positionierung psychotherapeutischer Verfahren in der neuen Gebührenordnung im Rahmen der Neuordnung der gesetzlichen Krankenversicherung. Psychotherapie wird nun nicht mehr als Teil der Psychiatrie definiert.

(7.3.) In Hannover gründet Ina Böehlendorf (DPG) die „Arbeitsgemeinschaft für analytische Psychotherapie“. Sie ist sowohl Trägerin der analytischen Ausbildung für Ärzte und Psychologen als auch für Fortbildungskurse. Der Verein löst die „Ärztliche Arbeitsgemeinschaft für Psychotherapie“ ab (Oberborbeck 1995, S. 39).

(17.11.) Die Dreier-Kommission von DGPN, AÄGPT und DGPT beschließt endlich die Anfrage der Bundesärztekammer aus dem Jahr 1958 nach ihren Weiterbildungsstätten zu beantworten. Da eine gemeinsame Liste bis April 1963 dennoch nicht zustande kommt, macht sich die DGPT unabhängig (siehe 27.4.1963).

(6.12.) Das Sozialgericht Hannover anerkennt, dass es sich bei einer Neurose um eine Krankheit handelt und dass eine längere psychotherapeutische Behandlung notwendig sein kann, um einen Heilerfolg zu erzielen.

1962

(6.1.) In der DPG wächst der Groll gegen die DPV. Es sei versucht worden, „politische Vorurteile“ gegen die DPG im Ausland zu verbreiten, und es sei die Auffassung vertreten worden, dass nur Müller-Braunschweig „politisch standhaft“ gewesen sei.

(25.1.) Die Forderung der DGPT nach finanzieller Selbstbeteiligung der Patienten aus therapeutischen Gründen wird abgelehnt, da andere Fachgruppen mitziehen würden und das dem Wesen einer Gebührenordnung widerspräche.

(7.2.) Nach dem vernichtenden Urteil, das Ernest Jones in seiner dreibändigen Freud-Biographie (zwischen 1960 und 1962 auf Deutsch erschienen) über die Haltung der während der NS-Zeit in Deutschland verbliebenen Psychoanalytiker gefällt hatte, fühlen sich weder DPV noch DPG dazu in der Lage, Stellung zu beziehen. Eine Geschichte der Psychoanalyse in der Nazizeit sei „ein verdammt heißes Eisen“ und „sachlich falsche Darstellungen von Jones und seiner Freud-Biographie“ müssten berichtigt werden (G. Scheunert an H. Müller-Braunschweig).

(25.2.) Die Verwaltungsorgane der Krankenversicherungen und Rentenversicherungen, die als Verhandlungspartner bei späteren Verträgen mit der BÄK bzw. KBV fungieren, zeigen sich durch die statistischen Angaben von Dührssen[1] zur Rentabilität einer lege artis durchgeführten analytischen Psychotherapie beeindruckt (nach H. Masuch und R. Haarstrick): Arztkosten wurden nach einer psychotherapeutischen Behandlung über einen Zeitraum von 5-6 Jahren in 98% der Fälle um fast 100% reduziert.

(März) Horst-Eberhard Richter legt den Vorsitz des BPI nieder um den neu eingerichteten Lehrstuhl für Psychosomatik in Gießen zu übernehmen. Zusammen mit Renate Staewen-Haas und Eugen Mahler gründet er das „Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie Gießen e. V.“. Das Institut wird von der DPV/IPV als Ausbildungsinstitut anerkannt. Nachdem es zunächst in der Klinik für Psychosomatik an der Justus-Liebig-Universität Gießen untergebracht war, kann es mit Unterstützung des Landes Hessen ein eigenes Haus mieten.

(undat.) Walter Bräutigam, Helmut Thomä und Heinz Häfner gründen das „Heidelberger Institut für Tiefenpsychologie (HIT), Weiterbildungskreis für ärztliche Psychotherapie“. Es steht unter der Patenschaft der Psychiatrischen und Neurologischen Klinik (W. v. Baeyer), der Psychosomatischen Klinik (Mitscherlich) und dem Institut für allgemeine klinische Medizin (P.Christian). Schwidder (DPG) kritisiert das Heidelberger Modell: nicht einmal die Mindestforderungen für die Zusatzbezeichnung Psychotherapie würden eingehalten (keine obligatorische Lehranalyse, unzureichende psychoanalytische Lehrveranstaltungen). Auch Brocher und Maetze (DPV) fürchten, dass Hochschulpsychiater damit ermutigt würden, mit sachlich unzureichenden Vorsausetzung die Psychotherapie- Ausbildung zu fördern. An der Diskussion um das Heidelberger Modell entsteht eine DPG-DPV-verbindende Koalition gegen den leichten Erwerb des Zusatztitels. (8.2.1966 DGPT- Vorstandssitzung v. 29.1.1966, DPG-Archiv 168).

(3.-5.5.) Der 4. DGPT-Kongress in Wiesbaden nimmt eine besondere Stellung ein. Die autonomen Vereinigungen der DGPT wechseln sich nun mit dem Vorsitz in einem Zweijahresturnus ab. DGPT-Geschäftsführer Brocher versucht durch entsprechende Programmgestaltung vermehrt psychosomatisch interessierte Internisten anzuziehen und DGPT-Vorsitzender Mitscherlich macht „psychologische und soziale Voraussetzungen des Antisemitismus – Analyse der Psychodynamik eines Vorurteils“ mit Beteiligung international anerkannter Wissenschaftler (wie Horkheimer und Adorno) zum Thema. Die Tagung soll der Versöhnung zwischen Israel und Deutschland dienen. In einer Resolution appelliert Mitscherlich an die politischen Instanzen der Bundesrepublik, eine interdisziplinäre Arbeitsgemeinschaft zur Erforschung des Antisemitismus zu gründen, um einen weiteren Ausbruch „der furchtbaren Vorurteilskrankheit“ zu verhindern.

(29.5.) Der Berliner Gesundheitssenator plant ein „Institut für Psychoanalyse und Tiefenpsychologie“ als internationales Ausbildungszentrum. Das Institut soll durch den Kulturplan (die westdeutsche Reaktion auf den Bau der Berliner Mauer) finanziert werden und an die Tradition der Psychoanalyse in Berlin (als Nachfolgerin des BPI und des „Reichsinstituts“) anknüpfen. Annemarie Dührssen setzt sich besonders für das Projekt ein.

Die DPV mobilisiert ihnen bekannte Politiker, um sich „auf höherer Ebene korrigierend“ gegen die Gründung des „Kulturplaninstituts“, das angeblich ein überregionales DPG-Ausbildungsinstitut oder gar das zentrale Ausbildungsinstitut der „International Federation of Psychoanalytic Societies“ werden soll, einzuschalten.

(Juni) Der 65. Deutsche Ärztetag überarbeitet die Neue Gebührenordnung NEUGO.

(6.7.) DGPT, AÄGP und DGPN einigen sich auf die abrechenbaren psychotherapeutischen Positionen.

(28.7.) In München findet die Gründungsversammlung der „Alfred-Adler-Gesellschaft“ (AAG)[4] statt. Die Gründungsmitglieder sind: Oliver Brachfeld, Wolfgang Metzger, Johannes Neumann, Kurt Seelmann, Alfons Simon, Felix Scherke und Kurt Weinmann.

(30.7.) Die „International Federation of Psychoanalytic Societies“ (IFPS) wird in Amsterdam auf dem Internationalen Forum für Psychoanalyse durch die DPG (W. Schwidder, F. Heigl, A. Heigl-Evers), die Sociedad Psicoanalítica de México (SPM), E. Fromm, A. Millán), den Wiener Arbeitskreis für Tiefenpsychologie (I. Caruso, R. Schindler, J. Shaked) und das „William Alanson-White Institute“ ( G. Chrzanowski, E. Kleinberger, R. Spiegel) gegründet. Federführend ist Erich Fromm. Mit einer gleichberechtigten, parallelen Organisation erhofft sich die DPG eine Anerkennung durch die IPV – gleichsam „auf Augenhöhe“.

(10.9.) Der Bremer Senator für das Gesundheitswesen übernimmt im Wesentlichen die Berliner Regelung (vom 11.8.1961) zur Stellung der nichtärztlichen Psychotherapeuten als Heilhilfspersonen.

(16.10.) Bitter wirbt mit seiner Position als DGPT-Ehrenmitglied und macht in seinem neugegründeten „Studio für angewandte Tiefenpsychologie“ „fachärztliche“ und „psychotherapeutische“ Angebote „unter ärztlicher Leitung“. Der DGPT-Vorstand fürchtet, dass die Psychoanalyse dadurch in Misskredit gebracht wird.

(12.12.) In Berlin wird – trotz starkem innerärztlichem Widerstand gegen eine Pflichtorganisation – die letzte Landesärztekammer der BRD gewählt. Sie hat die Aufgabe, ärztliche Berufspflichten zu überwachen. Währenddessen übernimmt in der DDR das staatliche Gesundheitswesen und die Gewerkschaft (FDGB) die Qualitätskontrolle der Ärzte.

1963

(15.1.) Helmut Thomäs historisch-kritische Auseinandersetzung mit Schultz-Hencke bietet eine erste Reflexion der Geschichte der Psychoanalyse während der Zeit des Nationalsozialismus.[5]

(16.1.) Während die DPV ihre Nachwuchsprobleme mithilfe internationaler Ausbildungszentren in England und den Vereinigten Staaten zu bewältigen versucht, haftet der DPG der Ruf des „Provinzialismus“ an (nach RA Becker).

(13.2.) Eine Sektion für Klinische Psychologie wird beim Berufsverband Deutscher Psychologen e. V. mit schulen- und methodenübergreifender psychotherapeutischer Orientierung gegründet.

(26./27.4.) Die interne Arbeitstagung der DGPT in Stuttgart widmet sich dem Thema „Grenzfälle“. Die Zahl der klassischen Neurosen nehme ab zugunsten von schwerst neurotischen oder gar psychosenahen Störungen.

(undat.) Die Psychologieordinarien Hofstätter und Bondy streben eine intensivere Zusammenarbeit mit der DGPT an.

(undat.) Da seit dem 17.11.1961 keine gemeinsame Liste der Ausbildungsinstitute für Psychotherapie von DGPN, der AÄGPT und der DGPT zustande gekommen ist, übermittelt Brocher der Bundesärztekammer die Liste der von der DGPT anerkannten Weiterbildungseinrichtungen zur Weitergabe an die jeweiligen Landesärztekammern.

(20.7.) Nach der Änderung des Arzt-Ersatzkassen-Vertrages werden Nicht-Ärzte und Nicht-Vertragsärzte von der Leistung der Ersatz-Krankenkassen ausgeschlossen.

(21.8.) In Göttingen gründet Schwidder an der Psychiatrischen Universitätsklinik ein Ausbildungszentrum. Modellhaft soll hier eine Kooperation mit der Psychiatrie entstehen. Richter kritisiert, dass im Programm des neuen Ausbildungszentrums nicht ausschließlich psychoanalytisch-psychotherapeutische Veranstaltungen enthalten sind (14.11.1964 Vorstandssitzung DGPT).

(August) Johannes Vogel, Sohn des Heidelberger Internisten, übernimmt die Anwaltspraxis von Hellmut Becker und wird damit (bis zum 31.5.1979) der neue Justitiar der DGPT. Er wirkt den Spannungen zwischen den Vorstandsmitgliedern mit wohltuender Neutralität entgegen.

(undat.) Der 23. IPV-Kongress findet in Stockholm statt.

(26.10.) Die unterschiedlichen Ausbildungskulturen von DPV/IPV und DPG (z.B. in Bezug auf die Stundenfrequenz) drohen die DGPT zu sprengen. Die Chance, sie zum Gegenstand einer wissenschaftlichen Diskussion zu machen (Schwidder) verwirft Kühnel, da „die Konstellation in Deutschland nicht von wissenschaftlichen Gegensätzen sondern von Machtpolitik bestimmt wird“.

(26.10.) Das Frankfurter DPV-Institut ist nicht als Ausbildungsinstitut der DGPT anerkannt, da zu wenige Vorlesungen abgehalten werden; es gilt weiterhin in der DGPT als "Arbeitsgemeinschaft" (Generalversammlung DPG, DPG-Archiv 47/2 und 15.7.1965, Brocher an Maetze, DGPT-Archiv).

(Nov.) Die Deutsche Forschungsgemeinschaft gibt eine Denkschrift zur Lage der Psychotherapie und medizinischen Psychologie heraus, an deren Erstellung die DGPT maßgeblich beteiligt ist.

(18.11.) Endlich werden von der AÄGPT und DGPN ebenfalls Ausbildungskliniken für Psychotherapie benannt.

(13.12.) Durch die Baden-Badener Beschlüsse stehen zwei Ausbildungsarten (AÄGP/DGPN und DGPT) nebeneinander „die ein völlig verschiedenes Endergebnis in der Qualifikation enthalten“. Krankenkassen und Versicherungen erwarten eine Klärung. Die DGPT hat seit 1957 einen Aufschub gegenüber der Bundesärztekammer um fünf Jahre herbeigeführt, um ein gemeinsames Vorgehen der drei Gesellschaften möglich zu machen. Nun fürchtet die DGPT, dass ihre Loyalität mit der AÄGP/DGPN auch als Unterstützung von deren unzureichenden Ausbildungen missverstanden werden könnte.

1964

(undat.) Der Denkschrift zur Lage der Psychologie zufolge (Deutsche Forschungsgemeinschaft, Carl Graf Hoyos) sind die beratenden und die behandelnden Psychologen (Erziehungsberatung, Erwachsenenberatung und Psychotherapie) die weitaus stärkste Gruppe unter den in der Berufspraxis tätigen Psychologen (Hoyos 1964).

(undat.) Die Denkschrift über ärztliche Psychotherapie und psychosomatische Medizin legt die Kluft zwischen Therapiebedarf und Mangel an analytisch-psychotherapeutischen Ärzten dar. Therapiebedürftige werden von durchschnittlich 14 Ärzten aus Überlastung abgelehnt, bis sie von einem Nichtarzt angenommen werden (Görres et al. 1964).

(8.2.) Ernst Kretschmer (geb. 8.10.1888) stirbt in Tübingen.

(15.2.) Die Sozialversicherungsträger (Krankenkassen und Bundesversicherungsanstalt für Angestellte) sehen in der DGPT ihren wichtigsten Verhandlungspartner. Solange ein Facharzttitel fehlt, werden die Mitglieder der DGPT zu legitimierten Psychotherapeuten erklärt.

(9.-11.4.) Auf der Mitgliederversammlung der Arbeitstagung der DPGT in Wiesbaden wird Brocher (bis 1968) zum Vorsitzender der DGPT gewählt und Schwidder zum Geschäftsführer. Die von DPV und DPG nun gemeinsam getragene Verantwortung der DGPT wird durch gegenseitige schriftliche Loyalitätserklärungen besiegelt.

Haarstrick wird von der Mitgliederversammlung dazu beauftragt, festzustellen, wie viele DGPT-Mitglieder bereit wären, sich an einem kassenärztlichen Mantelvertrag zur Versorgung durch analytische Psychotherapie zu beteiligen.

Die Psychosomatische Klinik in Gießen wird als Weiterbildungsstätte angenommen.

(19.5.) Anna Freud wird der kulturelle Ehrenpreis der Stadt München verliehen. Sie stiftet das Preisgeld von 15.000 DM der DPV als Vertreterin der Psychoanalyse in Deutschland. Anna Freud hat den Preis nicht persönlich entgegen genommen. Sie hat nach dem Krieg nie wieder deutschen Boden betreten.

(30.5.) Die DGPT beschließt die Bildung eines Verbindungsausschusses zur Vereinigung Deutscher Psychagogen (Vorsitzende ist Frau U. Neumann). Da es kaum Kinderanalytiker in Deutschland gibt, möchte die DGPT die Ausbildung von Kinderanalytikern fördern, ihren Kampf um staatliche Anerkennung aber nicht offiziell vertreten.

Die DGPT ruft den Bundesausschuss für Ärzte und Krankenkassen (dessen Beschlüsse auf höchster Ebene Verbindlichkeit haben) an, da einzelne Kassenärztliche Vereinigungen separate Vereinbarungen mit Kassen abschließen (z.B. Nord-Württemberg mit der AOK Stuttgart), ohne die von der DGPT geforderten Qualitätsstandards zu berücksichtigen.

(4.6.) Die Begutachtung psychotherapeutischer Leistungen wird mit dem Bundesverband der privaten Krankenversicherungen und dem Verband der Rentenversicherungsträger ausgehandelt.

In manchen Bundesländern (wie Bremen) macht sich jeder Arzt, der mit Nichtärzten zusammenarbeitet (auch nichtärztlichen Psychotherapeuten) eines Standesvergehens schuldig, das vom Berufsgericht geahndet wird. Damit könnte die Kassenbeteiligung des überwiegenden Teils der Ärzte eine Gefährdung der nichtärztlichen Psychotherapeuten zur Folge haben.

(10.6.) Die Verhandlungen über den Einbau der Psychotherapie in die gesetzliche Krankenversicherung sind vonseiten der DGPT, AÄGPT und DGPN abgeschlossen. Jetzt verhandeln die Bundesverbände der gesetzlichen Krankenversicherungen mit den Vertretern der kassenärztlichen Bundesvereinigung, die von der Wirksamkeit einer fachgerecht durchgeführten Psychotherapie überzeugt werden konnten.

Erste Verhandlungen mit dem Bundesverband der privaten Krankenversicherungen und der Rentenversicherung wurden 1961/62 von Masuch im Auftrag der DGPT aufgenommen. Er sieht es als sicher an, dass Psychotherapie zur Kassenpflichtleistung wird.

Der überwiegende Teil der Funktionäre der Ärztekammern und Kassenärztlichen Vereinigungen hat eine unversöhnliche und ablehnende Haltung nichtärztlichen Psychotherapeuten gegenüber. Dieser Konflikt könnte auch die DGPT spalten.

(12.6.) Die Versuche wissenschaftlicher Auseinandersetzungen zwischen DPG und DPV (z.B. die Diskussion über die psychogene Herzsymptomatik zwischen Richter und Baumeyer, auf dem Wiesbadener Kongress im Mai 1962) werden von der DPV später als unqualifiziert beurteilt.

(1.7.) Das "Neurosen-Urteil" des Bundessozialgerichts, definiert "Seelische Störungen - neurotische Hemmungen, die der Versicherte - auch bei zumutbarer Willensanspannung - aus eigener Kraft nicht überwinden kann“ als Krankheit. Das verschafft der DGPT eine juristische Basis zur Professionalisierung.

(11.-15.7.) Das II. Internationale Forum für Psychoanalyse findet in Zürich statt.

(14.7.) Auf die Anfrage des Bundesministeriums für das Gesundheitswesen zur Strafrechtsreform äußert die DGPT ihr Befremden darüber, innerhalb von nur drei Wochen ein Gutachten über die freiwillige Unfruchtbarmachung erstellen zu sollen.

(15.7.) Der Vertragsabschluß zwischen Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und dem Verband der Ersatzkassen über die psychotherapeutischen Positionen als Kassenregelleistungen scheitert, da manche Ersatzkassen die Kostenbeteiligung der Patienten fordern und Uneinigkeit über die liquidationsberechtigten Ärzte besteht. Auch die Verhandlungen mit den RVO-Kassen stagnieren, da Zweifel darüber entstanden sind, ob Psychotherapie als kassenärztliche Leistung vertretbar sei.

(3.-7.8.) Karl Klüwer wird als Delegierter der DGPT zur 17. Jahresversammlung der „World Federation for Mental Health“ (Bern) entsandt.

(3.9.) Tobias Brocher entwickelt als stellvertretender Direktor der sozialpsychologischen Abteilung des Sigmund-Freud-Instituts in Frankfurt ein gruppendynamisches Konzept, das sich an das Modell der Tavistock Clinic anlehnt und finanziert Ausbildungskurse in Kooperation mit der Industrie. Er versucht ein Fortbildungsnetz in Europa und den USA aufzubauen. Es kommt zu Reibungen mit dem Institut für Sozialforschung (M. Horkheimer) (Brocher an Mitscherlich).

(14.10.) Das „Institut und Ausbildungszentrum für Psychoanalyse und Psychosomatische Medizin“ in Frankfurt nennt sich mit dem Umzug in den Neubau in die Myliusstraße „Sigmund-Freud-Institut“.

(14.11.) Eine neue Gebührenordnung soll beschlossen werden. Wenn die DGPT auf ihren Forderungen beharrt, könnten sie keinen Einfluss auf den Mantelvertrag nehmen und würden auch nicht als Gutachter einbezogen werden. Die Inhaber des Arztschildes „Psychotherapie“ würden dann die Behandlungen übernehmen und damit die Kassenpatienten aus den Praxen der qualifizierten DGPT-Mitglieder abziehen. Während die DPG-Vorstandsmitglieder (Baumeyer, Schwidder) kompromissbereiter sind, plädieren die Mitglieder der DPV (Richter, Brocher, Thomä) für eine scharfe Abgrenzung.

Zwischen DPV (Richter) und DPG eskalieren die Auseinandersetzungen um eine qualifizierte psychoanalytische Ausbildung.

1965

(2.1.) In dem psychoanalyseinteressierten Klima der Freiburger Universität wird das Freiburger Institut (IPPF) als Weiterbildungsinstitut für Psychoanalyse und Psychotherapie der DPG und der DGPT gegründet.

(9.1./11.1.) Der DGPT-Vorstand (Brocher und Schwidder) anerkennt den Entwurf „Grundsätze für die psychotherapeutische Behandlung in der Krankenkassenpraxis“ des Bundesverbands der Ortskrankenkassen und ergänzt ihn.

(13.1.) Die DPV-Lehranalysen und Erfahrungen mit internationalen Ausbildungskulturen führen dazu, dass die neue DPV-Generation sich nicht mehr den gemeinsamen DGPT-Richtlinien verpflichtet fühlt, mit ihrer „zwingenden Empfehlung“, zwei Lehranalytiker unterschiedlicher Richtungen aufzusuchen oder eine Lehranalyse unter 200 Stunden anzuerkennen.

(18.3.) Psychotherapeutische und Psychodiagnostische Leistungen finden Eingang in die GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte).

(1.4.) Erst seit dem „Stuttgarter Urteil“[6] wird analytische Psychotherapie als „ärztliche Leistung“ anerkannt und ist damit gebührenrechtlich legitimiert.

(21.4.) Die Berlin-Bonner Regelung, nichtärztlichen Psychoanalytikern den juristischen Status der „Heilhilfspersonen“ zu geben, wurde von keinem weiteren Bundesland übernommen. Die AOK-Stuttgart schafft durch ihren juristisch erzwungenen Erstattungsmodus an Nichtärzte einen Präzedenzfall für andere AOKen[7],Inzwischen wächst auch der Druck seitens der Psychagogen, die von Krankenkassen und Versicherungen Ersatz verlangen und damit zu Konkurrenten für nichtärztliche Psychotherapeuten werden. Kassenerstattung wird Psychagogen allenfalls unter dem Titel „vorbeugende Maßnahmen“ gewährt.

(26.5.) DDR: In Berlin Ost findet das Symposium "Theoretische Grundprobleme der Psychotherapie" statt. Das Thema ist „Daseinsanalyse“; es gibt eine Diskussion mit Leonhard, Klumbies und Bräutigam (Heidelberg). Boss (Zürich) betont die Entfaltung der Patienten-Psychotherapeuten-Beziehung als Modell zur Nachreifung bei neurotischen Kommunikationsstörungen. Müller-Hegemann kritisiert den Mangel an naturwissenschaftlicher Orientierung und die Ablehnung des Kausalitätsprinzips.

(Juni) Wolfgang Bister, Wolfgang Auchter und Walter Schraml gründen das „Psychoanalytische Seminar Freiburg“. Da nur Auchter DPV-Lehranalytiker war, ist eine psychoanalytische Ausbildung (bis zum Vorcolloquium) nur durch die Unterstützung des damaligen DPV-Vorsitzenden Horst-Eberhard Richter möglich. Die tragende Bedeutung der affiliierten Mitglieder wird zum besonderen Kennzeichen dieser Gruppe.

(Juni) DPG und DPV sind sich uneins hinsichtlich der Rolle der DGPT als Berufsverband oder wissenschaftliche Gesellschaft mit berufspolitischen Aufgaben. Diese unausgefochtene Kontroverse im DGPT-Vorstand (zwischen Schwidder und Brocher) führt zu einem verschleierten Boykott der DGPT-Vorstandssitzung in Hannover durch die DPV-Mitglieder; es folgt ein offener dramatischer Konflikt. Die DPV, die die DGPT zu einem reinen Berufsverband umwandeln möchte, erwägt die DGPT zu verlassen. Der Justitiar (Vogel) überzeugt die DPV-DPG-Kontrahenten davon, dass die DGPT nur als wissenschaftliche Gesellschaft berufspolitischen Einfluss geltend machen kann.

(16.6.) Gerhard Scheunert, als Vertreter der „kleinen Institute“ in der DGPT empfiehlt in einer DGPT-Vorstandssitzung die Anerkennung des „Lehrinstituts für Psychoanalyse und Psychotherapie e. V.“ in Hannover.

(21.8.-26.8.) Zu dem „Internationalen Kongress für ärztliche Psychotherapie“ laden DGPT, DPG, DPV und DGPN gemeinsam ein. Man trifft sich zu dem Thema „Psychotherapie – Prävention und Rehabilitation“ in Wiesbaden.

(September) Schwidder, Richter und Brocher setzen sich intensiv – unter Berücksichtigung ihrer unterschiedlichen theoretischen Positionen – auseinander und schaffen dabei eine gute Arbeitsbasis mit fairen Beziehungen zwischen DPV und DPG. Beide Arbeitsrichtungen hätten „den Grad an Konsolidierung“ erreicht, „der es überflüssig erscheinen lässt, sich aus Bedrohtheitsgefühlen gegenseitig herabzusetzen“ (Schwidder an Brocher, 27.5.1967)[8].

(undat.) In Amsterdam findet der 24. IPV-Kongress statt.

(1.10.) Die DGPT nimmt die Einladung von Medard Boss, Präsident der „Internationalen Gesellschaft für Ärztliche Psychotherapie“ (IGÄP) (und IPV-Mitglied) an, ab 1.1.1967 Kollektivmitglied seiner Gesellschaft zu werden (so wie 36 andere Landesgesellschaften), um über den bevorstehenden Kongress der IGÄP in Deutschland Einfluss auf die Öffentlichkeit und die Ärzteschaft zu nehmen.

(1.10.–3.10.) DGPT und AÄGP halten in Bad Nauheim gemeinsam einen Kongress mit dem Thema „Indikation und Prognose in der Psychotherapie“ ab.

Die beiden Gesellschaften (die DGPT ist durch Schwidder und Haarstrick vertreten) handeln in den nächsten Monaten in mehreren Sitzungen gemeinsame Stellungnahmen zur Richtlinienpsychotherapie als Kassenleistungen aus und können bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (Nienhaus und Gutachter der KV, Faber) Einfluss auf die Gestaltung der Vereinbarung nehmen (Vorstandssitzung vom 29.1.1966) Die eigentlichen Kontrahenten sind die Psychiater, die mit ihrer unzureichenden psychotherapeutischen Ausbildung auf Grund des Zusatztitels Psychotherapie von der neuen Regelung profitieren wollen.

(3.12.) Anna Freud feiert ihren 70. Geburtstag. Aus diesem Anlass spenden die Mitglieder der DPV 10.000 DM für die Anna-Freud-Foundation zur Förderung der Hamstead Child-Therapy Clinic.

1966

Das „Institut für Tiefenpsychologie“ in Heidelberg erfüllt mit seinem Ausbildungsprogramm für Psychotherapie nicht die Mindestvoraussetzungen (z.B. Lehr- und Kontrollanalyse) für die Zusatzbezeichnung Psychotherapie.

(20.-22.1.) DDR: In Berlin Ost findet ein Internationales Symposium über Gruppenpsychotherapie statt, mit mehreren Teilnehmern aus ost- wie auch aus westeuropäischen Ländern. Höck spricht von seiner "analytischen Gruppentherapie" und wird durch diese Tagung in Ost und West bekannt. Die hier aufkommende Idee der Gründung eines gesamtdeutschen Verbandes der Gruppenpsychotherapeuten wird sich nicht verwirklichen lassen.

(29.1.) Der DPV-Antrag, die DGPT in einen Berufsverband umzuwandeln, wird abgelehnt.

Die DPV fordert völlige Unabhängigkeit von der DGPT hinsichtlich der Aufnahme von Mitgliedern. Jede Art der Kontrolle würde ihre IPV-Mitgliedschaft infrage stellen.

(20.- 21.5.) Die Arbeitstagung der DPGT in Bonn steht unter dem Motto „Psychodynamik bei hysterischen Symptomen“.

(1.10.) Die Möglichkeit der Selbstbeteiligung der Patienten an den Behandlungskosten sollte als wünschenswert ermöglicht werden aber nicht zwingend sein, da sonst möglicherweise die analytische Psychotherapie aus dem Vertragswerk ausscheiden müsste.

(2./3.10.) Die „Europäische Psychoanalytische Vereinigung“ (EPF) (Féderation Psychoanalytique Européenne) wird in Paris gegründet; sie umfasst alle europäischen psychoanalytischen Gesellschaften, die der IPV angehören: Belgien, Dänemark, England, Finnland, Frankreich, Holland, Italien, Österreich, Portugal, Schweden, Schweiz, Spanien, Westdeutschland und Israel. Ihr erster Präsident ist Raymond de Saussure (Schweiz).

1967

(25.2.) In Ulm wird die Medizinisch-Naturwissenschaftliche Hochschule/Universität gegründet. Thure von Uexküll holt Helmut Thomä an den Lehrstuhl für Psychotherapie. Thomä ist Gründungsvorsitzender der „Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft Ulm“ (PAU/DPV).

(Frühjahr) Werner Kemper kehrt aus Brasilien zurück und lässt sich in Berlin nieder.

(2.4.1967) Die Psychagogenausbildung (Vorsitzender der „Vereinigung deutscher Psychagogen“ ist Neumann) berechtigt zu einer Tätigkeit auf sozialpädagogischem Gebiet. Sie gilt nicht als therapeutische Ausbildung. Neurotische Kinder und Jugendliche sollten – nach Auffassung der DGPT - nur in einem analytisch arbeitenden Team unter ärztlicher Mitwirkung behandelt werden.

(3.-5.4.) Die DGPT-Tagung in Wiesbaden wird gemeinsam mit der „Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin“ mit dem Schwerpunkt „Methodologie in der Psychosomatik“ ausgerichtet. Anschließend tagt die DGPT separat mit dem Thema „Psychotherapeutische Möglichkeiten im Rahmen der psychosomatischen Medizin unter besonderer Berücksichtigung der Herz-Kreislauf-Erkrankungen“.

(27.5.) In Göttingen gründet Annelise Heigl-Evers den „Deutschen Arbeitskreis für Gruppenpsychotherapie und Gruppendynamik“ (DAGG). Der Arbeitskreis gibt zwei Zeitschriften heraus: Gruppenpsychotherapie und Gruppendynamik sowie Matrix. Die von der DPV eingeforderte Diskussion um die wissenschaftlichen Standards von analytischer Gruppentherapie und Gruppendynamik führt im DGPT-Vorstand zu einer Grundsatzdebatte über den wissenschaftlichen bzw. berufspolitischen Charakter der DGPT.

Eine Fusionierung von DAGG und DGPT wird erwogen (24.8.1967). Die DPV fordert, dass der Arbeitskreis als Sektion innerhalb der DGPT zugelassen wird (28.10.1967). Laut DGPT-Beschluss ist die Integration des gesamten Arbeitskreises jedoch nicht möglich, da vielen Gruppentherapeuten eine analytische Ausbildung fehlt (2.12.1967).

(26.6.) Zwischen Brocher (DGPT-Vorsitzender) und Schwidder (Geschäftsführer) kommt es, ausgelöst durch einen Radiobetrag Brochers, zu einer schweren Auseinandersetzung um den respektvollen Umgang mit den unterschiedlichen psychoanalytischen Auffassungen von DPV und DPG. RA Vogel erklärt die Kontroverse als eine persönliche Angelegenheit der Protagonisten, die nichts mit den Fachgesellschaften zu tun hat.

(3.7.) Einige führende DPV-Mitglieder lehnen jetzt sogar gemeinsame Kongresse mit den Vertretern der anderen Schulen ab, da „dem Publikum [...] dann eine Einheit demonstriert wird, die einfach eine Lüge ist“ (Ehebald an Brocher).

(21.8.-26.8.) Der Internationale Kongress für ärztliche Psychotherapie mit dem Thema „Psychotherapie – Prävention und Rehabilitation“ findet in Wiesbaden statt. Die Gastgeber sind DGPT, DPG, DPV und DGPN.

(undat.) Der 25. IPV-Kongress findet in Kopenhagen statt.

(1.10.) Die Psychotherapie-Richtlinien für die gesetzlichen Krankenkassen, also die Orts-, Land-, Innungs- und Betriebskrankenkassen, treten in Kraft. Tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie werden Kassenleistungen. Ein Gutachterverfahren für ihre Genehmigung wird eingeführt. Der Kreis der zur Ausübung der Behandlung Berechtigten umfasst Kassenärzte mit einer Ermächtigung für das Gebiet Psychotherapie, mit dem Zusatztitel „Psychotherapie“ bzw. einer entsprechenden Ausbildung. Für nichtärztliche Psychotherapeuten, Kindertherapeuten und Psychagogen wird nach einer Ausgleichslösung gesucht.

Die DGPT ist an dem Vertragsabschluss nicht beteiligt. DGPT-Vertreter wurden in einzelnen Vorbereitungsphasen – neben anderen Fachgesellschaften – zur Beratung hinzugezogen. Die Richtlinien werden vom Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen erarbeitet.

(7.12.) Viele ärztliche Psychotherapeuten zögern, sich als Kassenärzte ermächtigen zu lassen.

1968

(7.2.) DGPT und AÄGPT vereinbaren, dass in allen Fragen der Aus- und Weiterbildung in Psychotherapie und zum Erwerb des Zusatztitels das Vorgehen untereinander abgestimmt wird, und erarbeiten gemeinsame Ausbildungsrichtlinien.

(20.3.) Die DGPT-Institute bevollmächtigen den DGPT-Vorstand das Delegationsmodell für die Integration der Nicht-Ärzte in die RVO-Richtlinien zu vertreten. Vorbehalte werden vom BPI geäußert (Werner Becker).

(2.4.) Das „Hamburger Psychoanalytische Institut“ stellt einen Antrag auf Gründung eines „Zentral-Instituts für Psychotherapie und Psychoanalyse“ (Ehebald).

(24.-25.5.) Anlässlich der Arbeitstagung der DPGT in Frankfurt wird über „Behandlungstechnik, Gruppenpsychotherapie“ diskutiert. Schwidder äußert sich sehr befriedigt über die lebhafte und offene Diskussion. Auch habe sich das Klima zwischen DPG und DPV erheblich verbessert.

(18.6.) Alkoholabhängigkeit wird durch das Bundessozialgericht als Krankheit anerkannt. Die „Gesellschaft zur Förderung der Verhaltenstherapie“ wird in München gegründet (Sponsel). 1976 wird sie in „Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie e. V.“ (DGVT) umbenannt.

(1.7.) In der DDR, an der Psychiatrischen Klinik in Erfurt, wird eine psychotherapeutische Weiterbildungsgruppe gegründet (Leitung: Jürgen Ott). Teilnehmer sind junge Ärzte und Psychologen, die sich regelmäßig in Privatwohnungen zum Literaturstudium und zu Fallbesprechungen treffen. Im Dezember 1969 entsteht aus dieser Gruppe die erste Selbsterfahrungsgruppe (SEG) von Psychotherapeuten der DDR.

(19.10.) In der praktischen klinischen Zusammenarbeit zeigt sich eine gute Kooperation Angehöriger verschiedener tiefenpsychologischer Schulrichtungen (Klinik Sonnenberg in Stuttgart, Beese).

(6.11.) Die DGPT fordert die Mitglieder der neugegründeten „Norddeutschen Gesellschaft für Psychotherapie und Tiefenpsychologie“ auf, ihren Namen in Abgrenzung zur DGPT zu wählen, da die Namensähnlichkeit zu Verwirrung führt. Die Gesellschaft kommt der Forderung nach und nennt sich nun „Norddeutsche Gesellschaft für angewandte Tiefenpsychologie“ (30.1.1969).

(23.11.) Die Lindauer Psychotherapiewochen geben sich als „Verein für psychotherapeutische Weiterbildung e. V.“ eine juristische Form (amtliche Eintragung am 5.3.1969).

1969

(undat.) Das „Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie in München“ wird in „Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie“ umbenannt. Sie versteht sich als „überparteilich“.

(undat.) Das „Seminar für Psychoanalyse und Psychotherapie Heidelberg-Mannheim e. V.“ (DGPT) wird ein Ausbildungsinstitut der DGPT mit einem integrativ ausgerichteten Konzept von Psychoanalyse und Tiefenpsychologie. Es ist ein „freies Institut“ und entsteht unter dem Einfluss von Walter Bräutigam, der Mitscherlichs Nachfolge als Leiter der Psychosomatischen Klinik Heidelberg antritt (Psychoanalytisches Institut Heidelberg/Karlsruhe) (http://www.s249618208.online.de/index.php?go=geschichte&go2).

(28.8.) Mit der neuen Approbationsordnung für Ärzte werden Psychosomatische Medizin und Medizinische Psychologie zu Pflichtveranstaltungen in der Medizinerausbildung.

(22.1.) Die DGPT beschließt, dass Nichtärzte Psychologen sein müssen, um eine psychoanalytische Ausbildung aufnehmen zu dürfen. Nur in Ausnahmefällen soll ein abgeschlossenes Studium einer benachbarten Disziplin zur Ausbildung berechtigen.

(30.7.–3.8.) Der 26. IPV-Kongress findet in Rom statt.

(1.11.) Die DGPT gratuliert Alexander Mitscherlich zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in der Paulskirche. Heinz Kohut hält die Laudatio.

Die „Deutsche Gesellschaft für Analytische Psychologie“ (DGAP) erscheint erstmalig als eigene Gruppierung in der DGPT. Anlass sind Diskussionen um überregionale Prüfungen.

(20.11.) Die Rentenversicherung gewährt analytische Psychotherapie zur Rehabilitation bei chronischen neurotischen Störungen.

(15.12.) „Fraktionskämpfe“ sind in er DGPT „gegenüber einer sachlichen und fairen Zusammenarbeit zurückgetreten“ (Mitgliederrundschreiben DGPT, Jahresrückblick).

1970

(8.1.) Günter Ammon gründet die “Deutsche Akademie für Psychoanalyse“ (14.12.1969) und die „Deutsche Gruppenpsychotherapeutische Gesellschaft“ (Mai 1969). Die DPV fordert ihn zu einer Stellungnahme auf, da er mit seinen Gründungen den „Interessen und Zwecken der DPV“ zuwidergehandelt habe. Ammon tritt aus der DPV aus.

(12.1.) Die DGPT beschließt die Bildung einer Sektion Kinder- und Familienpsychotherapie. Die Bildung weiterer Sektionen (Gruppentherapie, Psychosomatik) wird erwogen.

(5.3.) Im Bundestag wird über die Lage der Psychiatrie verhandelt.

(undat.) Die „Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie" (GwG) wird gegründet.

Die „Gesellschaft zur Förderung der Verhaltenstherapie e.V.“ (GVT) und die GwG bilden mit dem „Bund deutscher Psychologen“ die „Verbände der angewandten Psychologen“.

(11./12.4.) Eine interne Arbeitstagung der DGPT findet in Berlin mit dem Thema „Psychosen, Narzisstische Erkrankungen, Borderline-Cases und Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen“ statt.

(2.9.) Werner Schwidder stirbt überraschend im Alter von 53 Jahren auf der Arbeitstagung des Internationalen Psychoanalytischen Forums in Madrid.

(Okt.) Das aus der „Hamburger Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft“ hervorgegangene „Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie“ wird durch den Senat der Freien und Hansestadt Hamburg als selbstständige Einrichtung der Gesundheitsbehörde gegründet. Neben der schon etablierten Ausbildung zum Psychoanalytiker nach den Regularien der DPV/IPA wurden eigenständige Ausbildungsgänge in tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie und in analytischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie eingerichtet (Homepage des Michael Balint Instituts Hamburg).

(30.10.) DDR: Protokoll der Vorstandssitzung der Sektion Autogenes Training und Hypnose: Würdigung des "vor kurzem verstorbenen Begründers des AT J. H. Schultz". Nachrufe von in Westdeutschland lebenden Psychotherapeuten sind in der DDR zu dieser Zeit ungewöhnlich. Diese Würdigung von I. H. Schultz zeigt die hohe Stellung des Autogenen Trainings in der DDR.

(21.11.) Das „Institut für Psychotherapie der Bremer Arbeitsgruppe“ wird als „großes Institut“ von der DGPT anerkannt.

(15.12.) Die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) ist grundsätzlich bereit, psychotherapeutische Behandlungen mitzufinanzieren.

(17.12.) Der Verband der Angestelltenkrankenkassen (Ersatzkassen) folgt dem Beispiel der RVO-Kassen und schließt mit der KBV einen Vertrag, nach dem nichtärztliche Psychotherapeuten und Psychagogen über das Delegationsverfahren psychotherapeutische Behandlungen abrechnen können (Denkschrift).

1971

(18.1.) In der DGPT wird eine „Sektion für analytische Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen“ gegründet. Als Voraussetzung wird eine abgeschlossene Psychagogen-Ausbildung gefordert, die Mitgliedschaft in der „Deutschen Vereinigung für Psychagogen“ und aktive psychagogisch-therapeutische Tätigkeit. Mit der Bürgschaft von zwei ordentlichen DGPT-Mitgliedern kann die assoziierte DGPT-Mitgliedschaft erworben werden.

(1.4.) Tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie werden als Pflichtleistungen der Ersatzkassen eingeführt. Nichtärztliche Psychoanalytiker erhalten den gleichen Satz wie ärztliche. Das Abschlusszeugnis eines DGPT-Instituts wird zur Eintrittskarte zur kassenärztlichen Versorgung. Damit sind Diplom-Psychologen mit ihren Leistungen im sozialtherapeutischen und klinischen Bereich von Kassenleistungen ausgeschlossen. Klinische Psychologen, die andere Therapieformen vertreten (Gesprächstherapie, Verhaltenstherapie etc.), fordern mithilfe von intensiver Publicity und unterstützt von machtpolitisch relevanten Gruppen (z. B. dem Berufsverband der niedergelassenen Nervenärzte) die gleichen Rechte. Analytisch ausgebildete Psychotherapeuten können nicht annähernd den Bedarf abdecken.

Die BfA übernimmt Behandlungskosten in voller Höhe, wenn vorverpflichtete Kostenträger die Kostenübernahme (bei chronifizierten Krankheitsbildern und „Fortsetzungsfällen“) ablehnen.

(16.-18.4.) Der DGPT-Kongress in Stuttgart hat „Die Tiefenpsychologie individueller und gesellschaftlicher Konfliktfelder“ zum Thema.

(4.5.) An den Ersatzkassenverträgen wollen viele nicht der DGPT angehörende Institute profitieren.

Übergangsweise richtet sich die KBV nach den Voten von DGPT und AÄGP. Beide Gesellschaften beraten die KBV auch hinsichtlich der Kombination von Gruppen- und Einzeltherapie. Die KBV stellt Forschungsmittel in Aussicht. Die letzte Entscheidung haben die heterogenen Ärztekammern der Länder.

(Mai) Der 74. Deutsche Ärztetag verabschiedet „Richtlinien über die Voraussetzungen zum Führen der Zusatzbezeichnung“.

(1.6.) Die „Arbeitsgemeinschaft Stuttgart-Tübingen“ der DPV wird als „kleines Institut“ von der DGPT anerkannt.

(23.6.) Beschluss des Bundestages, die Regierung mit der Organisation einer Psychiatrie - Enquete zu beauftragen.

(24.6.) Die Teilnahme von DGPT-Mitgliedern an der Ersatzkassenpraxis ist sehr gering und es besteht die Gefahr, dass VT zur Sicherung des Behandlungsauftrags, mit Unterstützung von DGPT-Mitglied Görres (der deshalb vom DGPT-Vorstand zur Rede gestellt wird) einbezogen wird.

Die DGPT (Haarstrick) schlägt bei Verhandlungen mit der Odenbach-Kommission[9] die „Terrassenlösung“ vor: demnach soll die Gruppe der klinischen Psychologen unterteilt werden in analytisch ausgebildete Psychotherapeuten und allgemeine klinische Psychologen, die verschiedene therapeutische Richtungen vertreten.

Baumeyer setzt sich besonders dafür ein, dass sich die DGPT um Kollegen in der DDR kümmert und dass Informationen über die dortige Entwicklung gesammelt werden.

(25.7.–30.7.) Der 27. IPV-Kongress findet in Wien statt.

(20.9.) Das Verhandlungsklima zwischen DGPT (Haarstrick) und Bundesärztekammer ist „denkbar schlecht“. Restriktive Maßnahmen zur Sicherung einer qualifizierten Ausbildung werden ignoriert und mit dem Hinweis abgetan, dass innerhalb der sogenannten qualifizierten Psychotherapie sehr divergierende Auffassungen vertreten werden (Ammon, Görres, Debolowsky, Stolze, Psychotherapie-Kommission der DGPN etc.).

(29.9.) Das Stuttgarter „C. G. Jung-Institut e. V.“ wird gegründet. Damit löst sich die Junggruppe aus der konflikthaften Zusammenarbeit mit DPG und DPV und tritt am 6.10.1971 aus der „Stuttgarter Akademie für Tiefenpsychologie und analytische Psychotherapie“ aus. Die „Stuttgarter Akademie für Tiefenpsychologie und Psychoanalyse e. V.“ umfasst nun drei Fachbereiche (FB): FB I: das „Psychoanalytische Lehr- und Forschungsinstitut ‚Stuttgarter Gruppe‘ e. V.“, später umbenannt in „Psychoanalytisches Institut ‚Stuttgarter Gruppe‘ e. V.“, die ursprünglich synoptische Gruppe, die als „freies Institut“ der DGPT angehört; FB II: das „Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie der ‚Arbeitsgruppe Stuttgart der DPG e. V.“; FB III: das „Psychoanalytische Institut Stuttgart/Tübingen“ (Kutter 2006, S. 126). Die Fachbereiche bieten inhaltlich und strukturell unabhängige Ausbildungsgänge an. Im Lehr- und Forschungsinstitut „Stuttgarter Gruppe“ können sich Ärzte, Psychologen und Pädagogen zu Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten ausbilden lassen.

(Okt.) Der „Deutsche Berufsverband der Verhaltenstherapeuten“ wird gegründet. Er versteht sich als berufsständische Interessensvertretung und wird 1976 in die „Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie e. V.“ integriert.

(7.10.) Aus dem „Psychoanalytischen Seminar Stuttgart/Tübingen“ mit Wolfgang Loch als Vorsitzendem (gegründet am 18.10.1969) geht die „Arbeitsgemeinschaft Stuttgart/Tübingen – Psychoanalytische Institut der DPV“ hervor, die am 9.1.1973 der „Stuttgarter Akademie für Tiefenpsychologie und Psychoanalyse e. V.“ beitritt (FB II) (Kutter 2006, S. 127f.).

(6.11.) Die Kandidaten der DGAP (Deutsche Gesellschaft für Analytische Psychologie) werden von einem überregionalen Prüfungsausschuss geprüft (Protokoll der DGPT- Vorstandssitzung).

Grundsätzlich werden die unterschiedlichen Ausbildungskulturen der Fachgesellschaft zu einem immer größeren Problem, da sie die Gefahr der Zersplitterung der DGPT mit sich bringen.

(10.11.) Ausbildungskandidaten werden in die Ersatzkassenpraxis einbezogen, wenn sie einem Ausbildungsinstitut angehören, das die volle Ausbildung anbietet und sie den Praktikantenstatus erreicht haben.

Das „Alfred-Adler-Institut für Individualpsychologie e. V.“ in München wird gegründet.

1972

(1.1.) Zwischen KBV und RVO-Krankenkassen wird – analog der Regelung mit den Ersatzkassen – die Delegation von tiefenpsychologisch fundierter und analytischer Psychotherapie an nichtärztliche Psychotherapeuten bzw. Psychagogen vereinbart.

(14. -15.4.) Die Arbeitstagung der DPGT in Hamburg hat „Psychoanalyse und Gesellschaft, Praxis und Kritik“ zum Thema. Im Vorfeld rät Vogel dazu, nicht ausschließlich Referenten der DPV, ausländische Referenten oder Nichtangehörige der DGPT, wie der Entwurf vorsah, als Referenten aufzufordern.

(14.4.) Der Hamburger Arzt und Psychotherapeut Udo Derbolowsky wird aus der DGPT ausgeschlossen, da er die Ausübung von Psychotherapie durch Nichtärzte öffentlich als rechtswidrig brandmarkt.[10] Damit stellt er sich gegen die Politik der DGPT. Es ist das erste Mal, dass ein DGPT-Mitglied ausgeschlossen wird.

(11.11.) Die DGPT setzt sich für die Haftentlassung des uruguayanischen Psychoanalytikers Dr. Marcelo Viñar ein, der sich für die Erhaltung der Demokratie in Uruguay engagiert hatte und dafür in einer dreimonatigen Haft gefoltert wurde (Protokoll der DGPT-Vorstandssitzung).

(13.11.) Die bisherigen „kleinen Institute“ (weniger als 40 Mitglieder) Düsseldorf, Heidelberg, Stuttgart-Tübingen sowie die C.G.Jung-Institute Stuttgart und Ulm werden als „Institute im Aufbau“ von der DGPT anerkannt. Damit können nichtärztliche Psychotherapeuten am Delegationsverfahren der Ersatzkassen teilnehmen.

1973

(10.1.) Die Sektion klinische Psychologie des BDP (Bund deutscher Psychologen) plant die Etablierung psychotherapeutischer Ausbildungen außerhalb der DGPT und wird damit zur größten Konkurrentin der nichtärztlichen DGPT-Psychoanalytiker.

Die Verhaltenstherapeuten sind in die Gesundheitsversorgung einbezogen.

(19.1.) Der DGPT-Vorstand empfiehlt der Mitgliederversammlung, Charlotte Bühler[11] als Ehrenmitglied in die DGPT aufzunehmen.

(undat.) Die DGPT/AÄGP-Verbindungskommission wird zunehmend in die inhaltlichen Fachfragen (z.B. zur fraktionierten Gruppentherapie) einbezogen.

(undat.) Das Bundeswissenschaftsministerium ist interessiert an einem tiefenpsychologischen Aufbaustudium im Hochschulbereich, das von Bund und Ländern gefördert werden könnte.

(20.1.) Nach Überprüfung der Satzung der „Deutschen Gesellschaft für Individualpsychologie“ (DGIP) und Gesprächen zwischen Beese (DGPT-Vorsitzender) und Blumenthal (DGIP-Vorsitzender) sowie Überprüfung der Ausbildungsanforderungen (die unter denen der DGPT liegen) kommt der DGPT-Vorstand zu dem Schluss, dass die Individualpsychologie kein tiefenpsychologisches Verfahren ist.

(28.1.)[12] Das „Lern- und Forschungsinstitut für Dynamische Psychiatrie und Gruppendynamik“ (LFI) der „Deutschen Akademie für Psychoanalyse“ (DAP, Ammon, Berlin) wird in München gegründet. Nach einer heftigen Auseinandersetzung mit Ammon treten die meisten der ärztlichen Ausbildungsteilnehmer aus und gründen die „Münchner Arbeitsgemeinschaft für Psychoanalyse e. V.“ (MAP) (Herbst 1973) und die „Gesellschaft für analytische Gruppendynamik“ (GaG). Die beiden Gruppen bleiben organisatorisch miteinander verbunden (Schmidbauer 2008, S. 305, 318f; Herdeis/Tömmel 1991, S. 91, 110f).

(19.4.) Die „Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft Köln-Düsseldorf e. V.“ wird gegründet.

(23.6.) Das „Psychoanalytische Seminar Freiburg“ wird als „Institut im Aufbau“ anerkannt und das „Ausbildungsseminar für Psychotherapie und Psychoanalyse in der DGPT, Heidelberg“, als „Vollinstitut“.

(21.9.) Das Bundeswissenschaftsministerium ist interessiert an einem tiefenpsychologischen Aufbaustudium im Hochschulbereich, das von Bund und Ländern gefördert werden könnte (Mitteilung auf der DGPT-Mitgliederversammlung, Berlin).

(undat.) Der 28. IPV-Kongress findet in Paris statt.

(21.-23.9.) Die Jahrestagung der DGPT wird zusammen mit der AÄGP in Berlin (TU) ausgerichtet. Ihr Thema heißt: „Vergleich psychotherapeutischer Techniken mit Hilfe linguistischer Verfahren“.

(10.11.) Die DGPT fühlt sich durch die bisherige Arbeit der Sachverständigenkommission an der Psychiatrie-Enquete brüskiert, da wiederholt Proteste und Forderungen einiger mitwirkender DGPT-Mitglieder zurückgewiesen bzw. ignoriert wurden.

(4.12.) Die DGPT/AÄGP-Verbindungskommission wird zunehmend in die inhaltlichen Fachfragen (z.B. zur fraktionierten Gruppentherapie) einbezogen (Protokoll der DGPT-Vorstandssitzung).

(undat.) Die „Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft München e. V.“ (PAM, DPV) wird von Antoon Houben, Erhard Künzler und Ingeborg Zimmermann gegründet.

1974

(undat.) Das „Alfred-Adler-Institut e. V“. in Düsseldorf wird gegründet.

(19.1.) Auseinandersetzungen mit der BfA betreffen das Honorar, den Datenschutz und die Zuständigkeit (die BfA erwägt, chronifizierte Fälle den Krankenversicherungen zu übertragen).

(31.1.) Das Hamburger“ Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie“, wird in „Michael-Balint-Institut“ umbenannt.

(19.2.) Da der Zwischenbericht der Enquete-Kommission die Tendenz verfolgt, die Psychotherapie in die Psychiatrie zu integrieren, fordert der DGPT-Vorstand die Durchführung einer ergänzenden, selbstständig durchzuführenden Erhebung über den Versorgungsbereich der nichtpsychiatrisch erfassten seelisch Kranken. Sechs Arbeitsgruppen sollen unter einem Koordinationsgremium arbeiten, das der Sachverständigen-Kommission nicht unterstellt wird, aber mit dieser partnerschaftlich zusammenarbeitet. Federführend ist die DPV.

(1.5.) Es werden sozialtherapeutische Einrichtungen im Strafvollzug gegründet und dafür Sozialtherapeuten gesucht. Das Berufsbild des Sozialtherapeuten soll, nach qualifizierter Ausbildung, den Psychagogen gleichgestellt werden (Protokoll der Vorstandssitzung).

(1.7.) Die BfA stellt Leistungen für psychotherapeutische Behandlungen chronifizierter Fälle ohne Übergangsregelung überraschend zum 1.10.1974 ein. Sie begründet ihre Entscheidung mit der Erweiterung der Aufgaben der Krankenversicherungen nach dem neuen Rehabilitationsgesetz. Die Rentenversicherungsträger übernehmen keine analytische Psychotherapie (als "ambulantes Heilverfahren") mehr als "Kann-Leistung".

Indikation und Leistungsgrenzen der Richtlinien werden erheblich erweitert (Krankenkassen sind künftig gesetzlich dazu verpflichtet, auch die Kosten für psychotherapeutische Behandlungen von Behinderten zur Besserung ihres Zustandes zu übernehmen).

(21.10.) Die „Ulmer Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft“ wird als „großes Institut“ anerkannt.

(18.-20.10.) Die DGPT feiert ihr 25-jähriges Bestehen als festliches Jubiläum auf einer Arbeitstagung in München.

In den Vorstandssitzungen der DGPT geht es vor allem um die Ausdifferenzierung der Bestimmungen zur Durchführung von psychotherapeutischen Behandlungen.

(1.11.) Die „Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft Bremen“ (DPV) wird von Hans-Jürgen Seeberger gegründet. Die Arbeitsgemeinschaft genießt Gastrecht im „Institut für Psychoanalytische Therapie und Psychosomatische Medizin des Zentralkrankenhauses Bremen Ost der früheren Nervenklinik“ (Platte 2011, S. 34).

1975

(undat.) Die Alfred-Adler-Institute in Aachen/Köln und in Delmenhorst werden gegründet.

(2.2.) Die DGPT beschließt eine Satzungsänderung. Sie heißt nun „Deutsche Gesellschaft für Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie e. V.“ (DGPPT), um die Psychosomatik deutlicher in der Gesellschaft zu verorten.

(undat.) Der 29. IPV-Kongress findet in London statt.

 

[1] In der Mitgliederversammlung vom 11.5.1991 wird der Antrag des DPG-Vorsitzenden Michael Ermann, „gegr. 1910“ zu streichen, vertagt. Erst bei dieser Gelegenheit wird bekannt, dass der Zusatz nie im Vereinsregister eingetragen gewesen ist. Nach einer heftigen Diskussion in der Mitgliederversammlung am 28.5.1992 ergibt die Abstimmung eine knappe Mehrheit gegen eine Streichung von „gegr. 1910“. Die definitive Streichung – eines Zusatzes, der vereinsrechtlich nie vorgenommen wurde - erfolgte 2003.


[2] Bericht Schwidders anlässlich der DPG-Generalversammlung vom 6.1.1962 (DPG-Archiv 47/2). Seine Kenntnis schöpft er aus einem Schreiben von Westerman-Holstijn vom 17.7.1961.


[3] Katamnestische Ergebnisse bei 1004 Patienten nach analytischer Psychotherapie. Zeitschrift für psychosomatische Medizin 8, 1962, 94-113


[4] 1970 wird die „Alfred-Adler-Gesellschaft“ in „Deutsche Gesellschaft für Individualpsychologie“ umbenannt und ihr Vereinssitz von Münster nach München verlegt.


[5] Thomä, H. (1963/64): Die Neo-Psychoanalyse Schultz-Henckes. Eine historische und kritische Betrachtung. In: Psyche 17, S. 44-128.


[6] Das „Stuttgarter Urteil“ bringt die RVO-Kassen dazu, sich um eine kassenärztliche Regelung mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zu bemühen. Daraus gehen verschiedene Entwürfe hervor, die im Bundesausschuss für Ärzte und Krankenhäuser zur Diskussion stehen (20.5.1966, Mitgliederversammlung in Bonn).


[7] Nichtkassenärztliche Psychotherapeuten, die seit 1955 psychotherapeutisch tätig sind oder den Zusatztitel „Psychotherapie“ führen, dürfen ersatzfähige psychotherapeutische Leistungen abrechnen,


[8] Schwidder schreibt am 2.5.1967 im Rückblick auf das Gespräch im September 1965 mit Richter und Brocher in Gießen.


[9] Beratergremium der Bundesregierung zur psychiatrischen und psychotherapeutisch-psychosomatischen Versorgung, benannt nach Erwin Odenbach. Von 1966 bis 1975 war Odenbach Vorsitzender des Marburger Bundes und zugleich (1967–1975) Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer ( http://www.aerzteblatt.de/archiv/54692/Paul-Erwin-Odenbach-Weltoffener-Berufspolitiker).


[10] Derbolowsky, Udo; Stephan, Eberhart (1971): Zur Ausübung von Psychotherapie durch Nichtärzte. In: ibw Journal, Informationsdienst des Deutschen Instituts für Bildung und Wissen, 15. Juli, 9. Jg., Nr. 7.


[11] Charlotte Bühler, geborene Malachowski, kam in Berlin zur Welt und war, zusammen mit ihrem Mann Karl Bühler, eine führende Psychologin, die die Wiener kinderpsychologische Schule begründete, bis sie 1938, bedingt durch die nationalsozialistischen Rassengesetze, in die USA emigrieren musste. 1971 kehrte sie nach Deutschland zurück. Sie starb am 3.2.1974.


[12] Nach Herdeis/Tömmel (1991), S.110, wurde das LFI im Juli 1973 gegründet.


 

Literatur

Görres, A. et al. (1964): Denkschrift über ärztliche Psychotherapie und psychosomatische Medizin. Wiesbaden: Franz Steiner.

Herdeis, C.; Tömmel, S. E. (1991): Psychoanalyse unter den Bedingungen der Nachkriegsverhältnisse: die Gründungsgeschichte der Münchner Arbeitsgemeinschaft für Psychoanalyse, M.A.P. e.V. In: Geschichte der Psychoanalytischen Bewegung II. Luzifer-Amor, Zeitschrift zur Geschichte der Psychoanalyse, 4. Jg., H. 7.

Hoyos, C. (1964): Denkschrift zur Lage der Psychologie. Wiesbaden: Franz Steiner.

Kutter, P. (2006): Das Stuttgarter psychotherapeutische Institut, Wolfgang Loch und die Anfänge der DPV-Arbeitsgemeinschaft Stuttgart-Tübingen – Historischer Versuch eines Zeitzeugen. Luzifer-Amor, Zeitschrift zur Geschichte der Psychoanalyse 19. Jg, H. 37, S. 115–133.

Oberborbeck, K.W. (1995): Ina Böhlendorf und die Geschichte von den Anfängen der analytischen Aus- und Fortbildung in Hannover. In: Bilger-Umland, J.; Elgeti, R.; Oberborbeck, K.W., Oeter, K. (Hg.): 30 Jahre Lehrinstitut für Psychoanalyse und Psychotherapie e.V. Hannover (DPG). Bericht über die wissenschaftliche Tagung am 27. und 28.10.1995. Festschrift. Privatdruck.

Platte, H.-O. (2011): „Psychoanalytische Erkenntnisse zugänglich machen“. Sechzig Jahre Psychoanalyse und Psychotherapie in Bremen. Zur Geschichte der Bremer Arbeitsgruppe für Psychoanalyse und Psychotherapie e.V. 1951–2011. Bremen: Donat-Verlag.

Psychoanalytisches Institut Heidelberg/Karlsruhe: Psychoanalyse in Heidelberg: von den Anfängen bis 1945. Internet:  http://www.s249618208.online.de/index.php?go=geschichte&go2

Schmidbauer, W. (2008): Zur Geschichte der MAP. In: Bauriedl, T.; Brundke, A. (Hg.): Psychoanalyse in München – Eine Spurensuche. Gießen: Psychosozial-Verlag.

Sponsel, R.: Zeitlich geordnete Geschichte der Psychotherapie. Gesetze und Verordnungen in Deutschland. Internet:  http://www.sgipt.org/berpol/gesptvg0.htm#1968

 PDF Download Chronik 1961 - 1975

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